Trypanophobie

Die Angst vor Spritzen und Injektionen ist weitverbreitet. Bei vielen Betroffenen äußert sich die Angst so stark, dass Impfungen oder Blutabnahmen zur reinsten Qual werden. Wir klären auf, was hinter dieser Phobie steckt und welche Maßnahmen dagegen ergriffen werden können.

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Die Trypanophobie beschreibt die Angst vor Spritzen bzw. Injektionen. Betroffene verspüren panische Angst, wenn Spritzen auch nur in deren Nähe kommen. Blutabnahmen, Impfungen oder andere Injektionen sind für Betroffene der Trypanophobie mit großen Qualen verbunden. Bei der Trypanophobie handelt es sich um eine spezifische Phobie, die weitverbreitet und klinisch anerkannt ist.

    Ist die Trypanophobie sehr stark ausgeprägt, fördert sie nicht selten ein Vermeidungsverhalten, bei dem Betroffene wichtige Impfungen oder Blutabnahmen solange wie möglich aufschieben oder gänzlich vermeiden. Die Folge davon ist, dass ewtaige (ernsthafte) Erkrankungen lange Zeit unentdeckt bleiben.

    Ist die Angst vor Injektionen sehr stark ausgeprägt, kann sie sich in körperlichen Symptomen äußern. Typische Symptome dabei sind Schwindelgefühl, Herzrasen, Schweißausbrüche, Blässe, Nervosität und in schlimmen Fällen sogar Ohnmacht.

    Ursachen der Trypanophobie

    Die Trypanophobie, umgangssprachlich auch als Spritzenangst bekannt, bezeichnet die Angst vor Injektionen. Die Angststörung gilt als spezifische Phobie und ist relativ weitverbreitet.

    Es werden dabei verschiedene Arten der Spritzenangst unterschieden:

    Ängste wie die Spritzenangst entstehen häufig bereits in der Kindheit, etwa durch negative Erfahrungen, ein traumatisches Erlebnis oder das Vorleben von Ängsten durch Familienmitglieder.

    Werden die Ängste mit dem Heranwachsen nicht aufgelöst, verschlimmern sich diese im Laufe der Zeit und können sich zu einer krankhaften Phobie entwickeln.

    Oft spielen verschiedene Ursachen bei der Trypanophobie eine Rolle. Treffen verschiedene Ängste aufeinander, entsteht eine spezifische verstärkte Angst.

    Wenn jemand beispielsweise Angst vor Schmerzen und Blut hat, ist eine Spritze der absolute Albtraum für diese Person. Auch die Angst vor spitzen Gegenständen oder vor Impfungen sind nicht selten auslösende Faktoren für eine Trypnophobie.

    Die Ursachen für Trypanophobie unterscheiden sich somit von Person zu Person und sind manchmal auch nicht eindeutig herauszufiltern.

    Wie äußert sich die Trypanophobie?

    Wer unter einer starken Trypanophobie leidet, spürt bei dem bloßen Gedanken an eine Spritze oder eine anstehende Behandlung mit einer Spritze oft körperliche Symptome.

    Impfungen, Blutabnahmen oder andere Behandlungen mit Spritzen sind für Betroffene somit eine große Qual, die es daher entsprechend ernst zu nehmen gilt.

    Häufige Symptome, die bei Trypanophobie auftreten:

    Betroffene der Trypanophobie versuchen Behandlungen durch eine Spritze auf die lange Bank zu schieben oder vermeiden solche Arzttermine grundsätzlich. Viele schaffen es sogar, Spritzen vollkommen aus dem Weg zu gehen. Dieses Vermeidungsverhalten birgt jedoch erhöhte Gefahren, da schwerwiegende Gesundheitsprobleme daraus resultieren können.

    Folgen einer unbehandelte Trypanophobie

    Viele Behandlungen, bei denen eine Spritze zum Einsatz kommt, sind essenziell für den Erhalt der allgemeinen körperlichen Gesundheit. Werden diese Behandlungen vermieden, können gravierende Folgen entstehen, welche die körperliche Gesundheit gefährden.

    
Wichtige Behandlungen, bei denen Spritzen zum Einsatz kommen:

    Die Folgen, die durch das Vermeiden von Spritzen ausgelöst werden, unterscheiden sich je nach Art der Behandlung. Werden beispielsweise Blutabnahmen verweigert, können wichtige Diagnosen nicht gestellt werden, wodurch Krankheiten unerkannt bleiben und sich verschlimmern können. 

    Regelmäßige Blutbilder sind aber nicht nur wichtig, um Krankheiten aufzudecken, sie geben auch Auskunft über den allgemeinen körperlichen Zustand sowie einen möglichen Mangel an Vitaminen oder Mineralstoffen.

    Vermeidung von Impfungen

    Bei der Angst vor Spritzen geht auch eine Angst und somit Vermeidung von Impfungen einher. Umgehen Betroffene wichtige Impfungen, gehen sie ein höheres Risiko ein, an gewissen Krankheiten zu erkranken.

    Impfungen sind ein wichtiger präventiver Schutz, der für den Erhalt der körperlichen Gesundheit sowohl in der Kindheit, als auch im erwachsenen Alter essenziell sein kann. 

    Zu den wichtigen Impfungen für Erwachsene gehören unter anderem folgende:

    Verzicht auf Kortisonspritzen & Betäubungen

    Häufig werden Spritzen zur Behandlung bei starken Schmerzen (z.B. Rückenschmerzen) vergeben. Starke Schmerzen lassen sich dann oft nur durch Kortisonspritzen verbessern. Wer auf diese verzichtet, läuft Gefahr, die Rückenprobleme und somit auch die Schmerzen deutlich zu verschlimmern. 

    Auch Betäubungen werden in den meisten Fällen über eine Spritze verabreicht. Während manche Behandlungen ohne Betäubung gar nicht möglich sind, lösen andere sehr starke Schmerzen aus, die ohne Betäubung die Behandlungserfahrung deutlich verschlechtern würden. Dadurch besteht auch das Risiko, dass neue Ängste entstehen.

    Intravenös verabreichte Arzneimittel

    Auch diverse Medikamente werden über eine Spritze verabreicht.

    Das Blut liefert Sauerstoff und Nährstoffe zu jeder Körperzelle. Dadurch kann es auch Wirkstoffe genau dort hinbringen, wo sie wirken sollen. Während bei Tabletten viele Wirkstoffe durch aggressive Verdauungssäfte in Magen und Darm zerstört werden, gelangen die Wirkstoffe bei Spritzen direkt ins Blut.

    Notwendige Medikamente nicht einzunehmen, kann deshalb zu schwerwiegenden Folgen für die eigene Gesundheit führen.

    Selbsthilfe bei Trypanophobie

    Wie lässt sich Trypanophobie überwinden?

    Wenn Sie an der Angst vor Spritzen leiden, haben Sie einige Möglichkeiten, die Ihnen dabei helfen, mit dieser Angst umzugehen.

    Überlegen Sie sich im Vorhinein auch, wie begründet Ihre Angst wirklich ist. Nicht selten sind die Ängste, die bei der Trypanophobie mit einhergehen, unbegründet. Beispielsweise die Angst, die Nadel könnte ein Organ durchstechen. Denn eine Spritzennadel ist gar nicht so lang, um überhaupt so tief eindringen zu können. Wenn Sie logisch über Ihre Ängste nachdenken und diese durch Fakten aufklären können, lässt sich die Situation in einigen Fällen oft schon ein wenig verbessern. 

    Bei sehr starken Ängsten ist es zudem immer wichtig, mit anderen Personen darüber zu reden. Dabei gibt es keinen Grund, sich zu schämen. Viele Menschen leiden an Trypanophobie und kennen Ihre Probleme. Sie sind also nicht allein.

    Aufklärung

    Machen Sie den behandelnden Arzt auf Ihre Angst aufmerksam und holen Sie sich Aufklärung zu der jeweiligen Behandlung, beispielsweise über Ablauf und Nutzen. Lassen Sie sich Ihre Angst dabei nicht kleinreden, die Trypanophobie ist ärztlich anerkannt. Wenn der Arzt Ihre Ängste nicht ernst nimmt, sollten Sie über einen Arztwechsel nachdenken.

    Sprechen Sie Ihre Ängste offen an, sodass die Mediziner die Behandlung mit äußerster Vorsicht angehen.

    Muskelanspannung

    Progressive Muskelanspannung erhöht den Blutdruck. Diese Methode hilft also dabei, einer Ohnmacht vorzubeugen. Spannen Sie dazu vor der Behandlung langsam Ihre Muskeln an und halten Sie die Spannung für 15 Sekunden. Entspannen Sie die Muskeln anschließend für ca. 30 Sekunden. Wiederholen Sie den Vorgang bei Bedarf.

    Für die Anwendung dieser Methode sollte der Arzt und sämtliches Personal informiert werden. 

    Ablenkungen

    Lenken Sie sich während der Behandlung ab, beispielsweise durch Gespräche mit anwesenden Personen oder durch Musik über Kopfhörer. Es kann auch helfen, eine Vertrauensperson mit zu der Behandlung zu nehmen, die Sie während der Behandlung ablenkt. Bringen Sie sich auf andere Gedanken, denken Sie beispielsweise an Ihren Lieblingsort oder Ihre To-do-Liste. Sie können sich auch knifflige Aufgaben stellen, wie beispielsweise das Alphabet rückwärts aufzusagen.

    Schauen Sie bei der Injektion nicht zu. Am besten Sie drehen Ihren Kopf während der Behandlung genau in die entgegengesetzte Richtung. Glücklicherweise gehen die meisten Behandlungen mit einer Spritze sehr schnell und sind in einigen Sekunden erledigt und überwunden.

    Niederlassen

    Wenn Sie bei der Blutabnahme oder anderen Injektionen an Schwindel und Übelkeit leiden, ist es ratsam, sich während der Behandlung hinzulegen.

    Dann laufen Sie auch nicht Gefahr, umzukippen. Bleiben Sie auch nach der Behandlung noch einige Zeit liegen, da es sonst zu Stürzen kommen kann. Pflegekräfte und Ärzte sollten diese Umstände bereits kennen, weshalb Sie sich auch nicht davor scheuen müssen, sie darum zu bitten, sich hinlegen zu dürfen.

    Entspannung

    Eine ruhige, gleichmäßige Atmung sorgt für Entspannung. Wenn Sie die Luft anhalten, verkrampft sich Ihr Körper automatisch, wodurch auch die Injektion schmerzhafter wird.

    Atmen Sie während der Injektion in regelmäßigen Zügen tief ein und aus. Hilfreich ist es, eine Hand auf den Bauch zu legen und zu spüren, wie dieser sich regelmäßig auf und ab sinkt

    Konfrontation

    Nicht für jeden geeignet, aber hilfreich: Beschäftigen Sie sich vor einer anstehenden Behandlung mit Ihrer Angst.

    Genau entgegengesetzt der Ablenkung, kann es für die langfristige Überwindung  hilfreich sein, sich Bilder von Spritzen im Vorhinein anzusehen. Schauen Sie die Bilder an, auch wenn Sie sich dabei unwohl fühlen.

    Dadurch normalisieren Sie das Bild in Ihrem Kopf. Das Bild kann Ihnen nichts antun. Sie werden merken, dass das unangenehme Gefühl mit der Zeit etwas abschwächt, je länger Sie das Bild betrachten.

    Diese Übung kann die eigentliche Behandlung etwas erleichtern, da sich Ihr Gehirn an das Bild einer Spritze gewöhnt hat.

    Betäubungscremen

    Wenn Sie große Angst vor Schmerzen haben, können Sie die Stelle, an der die Spritze verabreicht werden soll, im Vorhinein betäuben und unempfindlicher machen. Beispielsweise anhand einer Kühlung durch Eiswürfel oder durch spezielle Betäubungscremes.

    Sprechen Sie diese Möglichkeiten einfach mit Ihrem behandelnden Arzt ab.

    Alternativen

    Fragen Sie Ihren Arzt nach möglichen Alternativen.

    Gerade wenn es um Betäubungsmittel oder die Verabreichung von Medikamenten geht, müssen nicht immer Spritzen zum Einsatz kommen. Der Arzt kann Sie über mögliche Alternativen aufklären oder Ihnen dabei helfen, die Situation zu erleichtern. Wichtig dafür ist allerdings eine offene Kommunikation.

    Hypnose

    Bei Angststörungen handelt es sich oft um einschränkende Konditionierung. Hypnose kann dabei helfen, diese Konditionierung aufzulösen und neue Denkmuster zu schaffen.

    Durch eine veränderte Fokussierung lässt sich die Situation schon um ein Vielfaches erleichtern.

    Hypnosen kommen nur in seltenen Fällen zum Einsatz und dienen als eine der letzten Möglichkeiten. Die Methode muss zwingend mit dem Arzt und dem Personal besprochen werden. Nicht in allen Arztpraxen ist eine Hypnose möglich. 

    Therapie

    Wenn die Überwindung der Spritzenangst erfolglos bleibt, ist eine Therapie eine Überlegung wert.

    Um eine geeignete Therapie zu wählen, muss allerdings erst festgestellt werden, wie die eigentliche Angst begründet ist. Liegt beispielsweise ein traumatisches Erlebnis als Ursache vor, kann eine Verhaltenstherapie dabei helfen, das Trauma zu bewältigen.

    Eine Therapie ist nicht unbedingt immer das absolute Heilmittel, nichtsdestotrotz kann sie Ängste stark abschwächen und gesunde Bewältigungsmechanismen anbieten. Empfehlenswert sind hierfür sind sowohl niedergelassene Psychologen als auch Online Praxen. Wer Angst vor dem Arztbesuch hat, könnte sich gegenüber einem Online Psychologen eher öffnen als sich um einen persönlichen Termin zu bemühen. Die bekannteste Plattform für Online Psychologen nennt sich Instahelp und ist sowohl am Computer über den Webbrowser als auch via App am Smartphone zu erreichen.

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. The fear of needles: A systematic review and meta-analysis – doi.org
      2. Trypanophobia-an extreme and irrational fear of medical procedures: An overview – researchgate.net
      3. Trypanophobia: Helping Patients Deal with Fear of Needles – pharmacytimes.com

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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