Selbsthilfe

Bei kaum einem anderen Thema ist die Selbsthilfe so wichtig wie bei der Arztphobie. Solange die Angst vor Ärzten, Erkrankungen oder Behandlungen nicht überwunden wird, kann auch keine Besserung eintreten. Umso wichtiger ist dann die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen. Selbsthilfe ist deshalb der erste Schritt in die richtige Richtung.

Wo gibt es Hilfe?

Hilfe für die Angst vor einem Arztbesuch erhalten Patienten paradoxerweise bei einer ärztlichen Psychotherapie. Da diese Behandlungsform allerdings aufgrund derselben Ängste ebenso gemieden wird, gilt es oft, Hilfe zunächst über andere Wege zu finden.

Wir nennen in diesem Artikel deshalb zuerst Möglichkeiten zur Selbsthilfe oder zur Hilfe durch Familie und Freunden. Anschließend gehen wir auf die ärztliche Behandlung ein.   

So kannst du dir selbst helfen

Wenn du an einer Phobie vor Ärzten leidest, ist der erste Weg zur Besserung das Eingeständnis dieser Angst. Sich das Problem offen einzugestehen und sich seinen Ängsten zu stellen, ist entscheidend für die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten.

Wer das Problem leugnet und sich beispielsweise vormacht, einen Arzttermin immer nur aus Bequemlichkeit zu verschieben, ist nicht offen für eine Lösung und verwehrt sich somit auch die Möglichkeit zur Besserung. 

Je nachdem, welcher Ursprung einer Arztphobie zugrunde liegt oder mit welchen weiteren Ängsten sie einhergeht, kommen individuelle Methoden zur Selbsthilfe infrage. 

Mysophobie lindern

Besteht eine starke Angst vor Keimen (Mysophobie), kann beispielsweise ein hoher Hygienestandard dazu beitragen, die Ängste zu lindern. Das Tragen einer FFP2-Maske und von Handschuhen sowie das Mitführen eines Desinfektionsmittels helfen dabei, Ängste vor Keimen während eines Arztbesuches zu reduzieren. 

Entspannungsmethoden

Ängste sind mit körperlichen Stresssymptomen verbunden. Diese reichen von Verspannung über Herzrasen bis hin zu Übelkeit und Erbrechen. Durch gezielte Entspannungstechniken lässt sich der Anstieg von Stresshormonen im Blut reduzieren. Die Übungen können auch vor oder während des Termins durchgeführt werden.

Medikamente zur Beruhigung

In besonders schweren Fällen hilft die Einnahme bestimmter Medikamente, um die Angst vor einem Arztbesuch zu lindern. Gibt es keine Rücksprache mit einem Arzt, sollte lediglich auf natürliche oder schwache Mittel zurückgegriffen werden. Allerdings gilt es diesbezüglich den Fahrweg zum Arzt zu berücksichtigen. Im Idealfall ist eine Begleitperson anwesend.

Positive Erfahrungen sammeln

Im Internet kursieren zahlreiche negative Erfahrungsberichte über Krankheiten, Symptome, Behandlungen oder Arztbesuche. Durch das Lesen solcher Berichte werden die Ängste vor einer ärztlichen Untersuchung häufig zusätzlich verstärkt. In manchen Fällen sind solche Berichte sogar der Auslöser für eine Arztphobie.

Um Ängste nicht unnötig zu schüren, raten wir davon ab, negativen Berichten allzu große Aufmerksamkeit zu schenken. Viel besser ist es, sich vermehrt auch auf die positiven Berichte zu konzentrieren und eigene Erfahrungen zu sammeln.

Warum findet sich mehr Negatives als Positives?

Vor allem im Internet wird mehr von negativen Arzterlebnissen berichtet als von positiven. Das erzeugt schnell ein falsches Gesamtbild einer ärztlichen Behandlung. In der Regel gilt, dass negative Erfahrungen meist mehr Raum bekommen und schneller verbreitet werden als gute Erlebnisse. Wer berichtet schon von einem schmerzfreien, einwandfreien und kurzen Kontrolltermin beim Arzt? Kein Wunder also, dass unsere Wahrnehmung durch eine Online-Recherche falsch beeinflusst wird.

Einfluss von Familie & Freunden

Auch mit Familie und Freunden sollte über das Thema gesprochen werden. Unausgesprochenes bleibt oft verborgen, wodurch auch kein Hilfsangebot entstehen kann. Wird offen über die Ängste geredet, können Freunde und Familie auf die Thematik eingehen, Rat schenken und Zweifel entkräften. Gute Freunde oder Familienangehörige wünschen einem nur das Beste und werden sich darum bemühen, den Betroffenen Ängste zu nehmen.

Die Scheu vor dem Termin überwinden

Manche Arztpraxen bieten eine Terminbuchung über das Internet an, wodurch das oft gefürchtete Telefongespräch umgangen werden kann.

Doch selbst wenn ein Telefonat nötig sein sollte, gibt es keinen Grund, dies als unangenehm zu empfinden. Schließlich rufen in einer Arztpraxis täglich Hunderte von Patienten mit den unterschiedlichsten Problemen an. Deine Behandlung ist dabei gewiss kein außergewöhnlicher Einzelfall.

Zudem besteht eine ärztliche Schweigepflicht. Eine detaillierte Angabe der Beschwerden bereits am Telefon ist dabei nicht notwendig. Es genügt ein kleiner Hinweis, worum es ungefähr geht (z. B. Schmerzen beim Wasserlassen), alles Weitere wird erst persönlich mit dem Arzt besprochen.

Wer sich zu sehr vor dem Telefonat scheut, kann als Notlösung auch einen Freund oder Familienangehörige bitten, die Terminvereinbarung zu übernehmen.

Tipps für die Terminvereinbarung:


Gemeinsame Termine machen

Die Terminabsprache fällt dann vielleicht etwas komplizierter aus, stößt aber meist auf Verständnis aufseiten der Ärzte. Es ist nicht unüblich, dass Familien beispielsweise bei einem Zahnarztbesuch den Termin gleich als Kontrolltermin für alle Familienmitglieder nutzen. Gemeinsam fällt ein Arztbesuch leichter und zugleich ist für ausreichend Ablenkung gesorgt. 

Ist ein gemeinsamer Termin nicht möglich, so kann eventuell auch ein Familienmitglied oder Freund den Angstpatienten zum Arztbesuch begleiten. Dieser Umstand stößt bei den Mitarbeitern der Arztpraxis in den allermeisten Fällen auf viel Verständnis.

Begleitperson ist in einigen Fällen sogar erwünscht

Meist wird es toleriert oder ist sogar erwünscht, dass eine Begleitperson bei einem Arztbesuch dabei ist. Dies gilt nicht nur für körperliche Untersuchungen des Angstpatienten, sondern auch für das abschließende Gespräch mit dem Arzt nach der Diagnostik. Viele Patienten können sich in diesen Situationen, die mit Aufregung und Ängsten verbunden sind, nicht alle Informationen merken und wissen später oft nicht mehr, was der Arzt alles genau gesagt hat. In diesen Fällen ist es sogar hilfreich, eine Vertrauensperson zu haben, die sich an das Gespräch mit dem Arzt genau erinnern oder während der Besprechung Rückfragen stellen kann.

Die richtige Arztwahl

Telefonisch kann vorab erfragt werden, ob der Arzt ein gutes Händchen für Angstpatienten hat oder ob er einen Kollegen empfehlen kann. Zudem gilt, wenn man sich bei dem jeweiligen Arzt wohl fühlt, fällt auch die Behandlung leichter. Der Arzt sollte daher auch nach Sympathie gewählt werden.

In Zukunft werden wir eine eigene Datenbank aufbauen und Ärzte mit besonders guten Händchen für Angstpatienten auflisten. Bis dahin kann auf Online-Arztsuchen wie Jameda.de zurückgegriffen werden. Auf dieser Seite kann nach Ärzten in den jeweiligen Fachrichtungen gesucht werden und in manchen, leider eher seltenen Fällen, zusätzlich der Filter “Angstpatienten” angewendet werden.

Wir hoffen das wir in naher Zukunft eine eigenständige Liste mit Ärzten, geeignet für Angstpatienten führen können. Damit möchten wir Ihnen die Suche nach einem passenden Arzt erleichtern. 

Positive Termin wiederholen

Nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, sondern auch um ein positives Erlebnis mit einem Arztbesuch zu verknüpfen. Dies gilt sowohl für Vorsorgeuntersuchungen wie auch Routinekontrollen. 

Zu Vorsorgeuntersuchungen geht man oft, ohne dabei an Symptomen oder Beschwerden zu leiden. In vielen Fällen erfolgt die Vorsorgeuntersuchung ohne negative Befunde. Ängste stellen sich somit als unbegründet heraus und eine positive Assoziation entsteht.

Doch selbst im Falle einer negativen Diagnose wird die Krankheit rechtzeitig – also noch bevor sich Symptome zeigen – entdeckt. Dies wiederum führt dazu, dass die Heilungschancen somit bei fast allen Befunden besonders hoch sind.

Kurze Termine reduzieren Stress

Behandlungen sollten bei Angstpatienten am Anfang so kurz wie möglich gehalten werden. Lieber zwei Termine beim Zahnarzt, beispielsweise einen zur Kontrolle und einen zur Zahnreinigung, statt eines Kombinationstermins. Diese kurzen Einheiten reduzieren den Stress, was sich wiederum positiv auf die Iatrophobie-Therapie auswirken kann.

Belohnungen nach dem Arztbesuch

Aber auch im Erwachsenenalter ist es eine bewährte Methode, der Arztangst entgegenzuwirken. Wurde der Arztbesuch erfolgreich überwunden, können Patienten sich selbst belohnen, indem sie den überstandenen Arztbesuch mit einem schönen Erlebnis verknüpfen.

Dies fängt mit einfachen Belohnungen wie einem Eis, einer Pizza oder einem Kinobesuch an, kann aber auch etwas ganz Individuelles sein. Das Gehirn verknüpft dabei das Erlebnis des Arztbesuchs mit dieser Belohnung statt mit den Ängsten oder mit Schmerzen – so fällt die Überwindung für zukünftige Arzttermine bei einer schwachen Arztphobie bereits leichter. 

Panikmache verhindern

Das Internet kann nicht nur helfen, sondern auch krank machen. Eine Internetrecherche von Symptomen verschlimmert in vielen Fällen die Ängste der Betroffenen und ist daher für Menschen, die an einer Arztphobie leiden, besonders schädlich.

Auch wenn das Internet in vielen Situationen eine moderne und effiziente Hilfsmethode darstellt, kann es in manchen Fällen auch das genaue Gegenteil bewirken. Gerade Menschen, die an einer Angststörung hinsichtlich Krankheiten leiden, können durch Informationen aus dem Netz getriggert werden. Wie wissenschaftlich fundiert oder evidenzbasiert die abgerufenen Informationen sind, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Auch Fehlinformationen jagen Angst ein.

Falschinformationen sind möglich

Ein großes Problem: Heutzutage kann wirklich jeder etwas ins Internet stellen und Information verbreiten. Sei es über Social Media, auf Blogs oder anderen Webseiten.

Dadurch finden sich im Internet überwiegend meinungsgetriebene Ratschläge, die häufig von Menschen ohne fundierte Fachkenntnisse stammen. Expertenmeinungen gehen dabei oft unter. Zudem ist es schwer zu erkennen, welche Informationen der Wahrheit entsprechen und welche bloße Panikmache sind. Das Internet fungiert dadurch oft als zusätzlicher Verstärker der Angst.

Laut Christiane Eichenberg, Leiterin des Instituts für Psychosomatik an der Fakultät für Medizin der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien, wurde dieses Phänomen in den USA bereits kurz nach der Jahrtausendwende als Cyberchondrie bezeichnet. (Quelle)

Diese bedeutet: Menschen entwickeln eine unbegründete Angst vor Krankheiten, welche vor allem auf dem Konsum von Webinhalten basiert. 

Informationen nicht falsch verstehen

Es ist nicht zwangsläufig falsch, im Internet nach Informationen zu Symptomen zu suchen. Allerdings ist es dabei wichtig, die Informationen differenzieren zu können. Bei gesundheitlichen Problemen bedarf es medizinischer Bildung und Erfahrung, um Informationen richtig interpretieren zu können. Auf unserem Portal möchten wir daher vor unbegründeten Ängsten warnen und ganz ohne Panikmache über Krankheitsbilder, Symptome und Behandlungsformen aufklären.

Tipps während des Arztbesuchs

Wie bereits erwähnt, ist die Anwesenheit einer Begleitperson bei einem Arzttermin von Vorteil. Allein die Anwesenheit einer vertrauten Person kann Ängste maßgeblich lindern.

Zudem wird sichergestellt, dass die vom Arzt übermittelten Informationen auch wirklich aufgenommen werden. Auch in Fällen, in denen eine Narkose notwendig ist, um Patienten mit starken Ängsten behandeln zu können, ist eine Begleitperson von Vorteil.

Kommunikation

Begleitpersonen oder Arzthelfer können dazu beitragen, den Patienten etwa durch Gespräche zu beruhigen, wodurch eine Diagnostik oder eine Behandlung besser durchführbar ist. Dies ist besonders bei der Blutabnahme oder Zahnbehandlungen eine gängige Methode.


Ablenkung

Fernsehbildschirme sind eine gute Methode, um Patienten von einer Behandlung abzulenken. Auch Videobrillen haben sich als gutes Ablenkungsmittel bewährt. Videobildschirme beim Zahnarzt sind daher keine Seltenheit und sorgen auch bei Nicht-Angstpatienten für eine angenehmere Behandlungserfahrung.

Narkose

Der Einsatz einer Narkose sollte nur dann erfolgen, wenn der Patient einen hohen Leidensdruck bei einem Arztbesuch verspürt und keine anderen Methoden funktionieren. Bei gewissen Eingriffen ist eine Narkose allerdings üblich.

Hypnose

Patienten können auch mittels Hypnosetechniken abgelenkt werden, um eine Diagnose oder Behandlung zu ermöglichen. Diese Praktik kommt zwar eher selten zum Einsatz, ist aber eine gute Möglichkeit, wenn andere Methoden nicht erfolgreich sind.

Ärztliche Hilfe bei einer Arztphobie

Sind Patienten bereit, sich von Ärzten bei der Überwindung der Arztphobie helfen zu lassen, so können sie mithilfe einer Psychotherapie oder anhand von Psychopharmaka behandelt werden. Die Erfolgsrate dieser Therapien liegt bei über 80%.

In manchen Fällen genügt bereits die Verschreibung eines leichten Beruhigungsmittels, welches der Patient dann – nach Absprache – vor einem Termin einnehmen kann. Kommen Beruhigungsmittel zum Einsatz, sollte eine Begleitperson beim Arzttermin anwesend sein. 

Kostenübernahme der Behandlung?

Bei einer diagnostizierten Iatrophobie übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten für eine Psychotherapie oder eine vergleichbare Behandlung bei einem anerkannten Vertragspsychologen oder Vertragsarzt mit Zusatzausbildung.

Adressen der bekanntesten Ärzte

Obwohl eine Angststörung laut der Deutschen Gesellschaft für Angstforschung (GAF) eine der häufigsten psychischen Erkrankungen ist – rund 15 % der Deutschen leiden darunter – wird sie bei jeder zweiten Person nicht erkannt und behandelt. Das liegt auch daran, dass eine Angsterkrankung oft mit anderen psychischen oder organischen Krankheiten einhergeht und deshalb häufig nicht als Auslöser erkannt wird.

Ärzte, die Angstpatienten behandeln, sollten im Umgang mit Angststörung erfahren sein. In der nachfolgenden Liste finden Sie zehn herausragende Kliniken für die Behandlung der Angsterkrankung.

Krankenhaus Empfehlung Kontakt
Charité - Universitätsmedizin Berlin Prof. Dr. med. Andreas Ströhle Website
Bezirksklinikum Regensburg Gesamte Abteilung Website
Universitätsklinikum Frankfurt Gesamte Abteilung Website
Universitätsklinikum Erlangen Gesamte Abteilung Website
Universitätsklinikum Gießen und Marburg Gesamte Abteilung Website
Universitätsklinikum Freiburg Prof. Dr. Katharina Domschke Website
Universitätsklinikum Heidelberg Gesamte Abteilung Website
Universitätsmedizin Mainz Dr. med. Dipl.-Psych. E. Beutel Website
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Gesamte Abteilung Website
Zentrum für Integrative Psychiatrie, Lübeck Prof. Dr. Fritz Hohagen Website
Worauf basiert diese Liste?

Das deutsche Wochenmagazin “Der FOCUS” zeichnet jedes Jahr die besten Ärzte für Angststörungen und die besten Fachkrankenhäuser für Angststörungen aus. An allen genannten Einrichtungen wurde entweder ein Arzt oder das gesamte Ärzteteam geehrt.

In den zehn dargestellten Kliniken haben Ärzte viel Erfahrung mit der Behandlung von Angststörungen, weil nur Einrichtungen berücksichtigt wurden, in denen Patienten mit Angststörungen (ICD F40 oder ICD F41) mindestens durchschnittlich häufig behandelt wurden. Krankenhäuser sind dazu verpflichtet, in Qualitätsberichten über die eigene Krankenbehandlung zu informieren und die Informationen dem Gemeinsamen Bundesausschuss zur Verfügung zu stellen.

Interaktive Karte:
Übersicht:
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