Mysophobie

Angst vor Viren und Bakterien überwinden

In unserem Alltag kommen wir unweigerlich mit Schmutz, Keimen und Viren in Kontakt. Angemessene Hygienestandards (z. B. Händewaschen) reichen in der Regel aus, um die meisten Ansteckungen zu verhindern.

Wer allerdings trotz Einhaltung dieser oder noch höherer Standards weiterhin Angst vor Viren und Bakterien hat, der leidet unter einer Mysophobie. Wir klären auf, welche Ursachen die übersteigerte Angst vor Viren & Ansteckung hat, geben wertvolle Tipps zur Linderung der Symptome und erklären wie eine Behandlung erfolgen kann. 

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Die Ursachen für eine Mysophobie liegen – wie bei jeder anderen Phobie – meist in den Lebensumständen des Betroffenen verborgen. Es gibt zwar genetische Vorbedingungen, welche eine Entstehung begünstigen, ausgelöst werden Angststörungen aber meist durch nicht förderliche Erziehungspraktiken, sozial vermittelte Verhaltensmuster, spezifische Persönlichkeitsmerkmale oder Schicksalsschläge. Auch die Medien und das persönliche Umfeld können einen großen Einfluss auf die Angst vor Viren und Ansteckung haben. 

    Mysophobiker leiden meist auch unter einem erhöhtem Putz– und Waschzwang. Aus Furcht vor Ansteckungen meiden sie ihre Sozialkontakte und begeben sich teilweise sogar freiwillig in soziale Isolation. Viele Betroffene tragen auch ohne gesetzliche Notwendigkeit einen Mund-Nasenschutz um das Risiko einer Ansteckung mit Viren noch weiter einzudämmen.

    In leichten Fällen einer Mysophobie genügen bereits Tipps um die Angst vor Viren und Bakterien zu überwinden. Dazu gehör auch die Angst vor der Angst zu überwinden. 

    In schweren Fällen kann vor allem eine kognitive Verhaltenstherapie in Zusammenarbeit mit einem Psychologen helfen.

    Im Fokus stehen dabei die Identifizierung schlechter Gewohnheiten und die Auseinandersetzung mit sich selbst ebenso wie das Ändern eingefahrener Verhaltensmuster.

    Angst vor Viren

    Merkmale der Mysophobie

    Als Mysophobie bezeichnet man die krankhafte Angst vor Viren, Bakterien und Schmutz.  Das Wort „Mysophobie“ hat seinen Ursprung im Altgriechischen. „Myso“ bedeutet dort Unsauberkeit oder Verunreinigung. „Phobos“ ist die Furcht.

    Eingeführt wurde der Begriff Ende des 19. Jahrhunderts vom US-amerikanischen Militärarzt und Neurologen Alexander Hammond. Die Mysophobie ist eine sogenannte „spezifische Phobie“ und wird den Angststörungen bzw. Zwangsängsten zugeordnet.

    Hinsichtlich der grundlegenden Charakteristik herrscht unter Fachleuten aktuell noch Uneinigkeit darüber, ob die Mysophobie eine eigenständige Krankheit ist oder doch eher eine begleitende Phobie.

    Spezifische vs. unspezifische Phobie

    Unter einer spezifischen Phobie versteht man die Angst vor bestimmten Situationen oder Objekten. Beispielsweise vor Spinnen, Spritzen, Blut, Tieren, engen Räumen und weiteren.

    Eine andere gängige Bezeichnung ist „isolierte Phobie“. Die „unspezifische Phobie“ ist kein gebräuchlicher Terminus. Vielmehr ist von einer generalisierten Angststörung die Rede. Patienten leiden (fast) ständig unter Angst.

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    Auslöser einer Mysophobie

    Wodurch wird die Angst vor Viren ausgelöst oder verstärkt?

    Niemand wird mit einer Mysophobie geboren. Wie alle psychischen Störungen hat die Angst vor Viren ihren Ursprung irgendwo im sozialen Umfeld und den Lebensbedingungen der jeweiligen Person.

    Allerdings herrscht in der Wissenschaft Konsens darüber, dass die Neigung zu Phobien teilweise vererbt wird. Ob sie dann ausbrechen, das wird eben vom gesellschaftlichen Umfeld, der Erziehung und möglicherweise einschneidenden Erlebnissen bestimmt. 

    Auslöser in der Erziehung

    Kinder sind in jeglicher psychologischer Hinsicht wie ein Schwamm. Sie saugen Verhaltensweisen und Einstellungen der Personen in ihrem unmittelbaren Umfeld regelrecht auf. Wächst ein Kind nun also in einem Haushalt auf, in dem übermäßig viel Wert auf Hygiene und Sauberkeit gelegt wird, übernimmt es diese Grundeinstellung. Spielen bei der Erziehung zusätzlich Drohungen und Angst eine wichtige Rolle, ist die Herausbildung einer Phobie im späteren Leben deutlich wahrscheinlicher.

    Angst vor Viren in der Gesellschaft

    Das unmittelbare Umfeld einer Person hat meist genauso großen Einfluss wie die Medien. Wer immer wieder hört, dass es unbedingt notwendig ist, vor Keimen und Viren zu schützen, wird dadurch enorm beeinflusst. Reklame für Desinfektions- und Reinigungsmittel vermittelt auf täglicher Basis, welch angebliche Unmenge an Keimen in unserer Umgebung lauert.

    Menschen mit einer gut ausgebildeten Medienkompetenz und einem gesunden Selbstbewusstsein wissen, dass diese Darstellungen ausnahmslos übertrieben sind. Im Umgang mit Medien nicht so geübte bzw. ohnehin einfach zu beeinflussende Menschen lassen sich davon eher verunsichert und entwickeln eine übersteigerte Angst vor Viren.

    Individuelle Persönlichkeit

    Nicht alle Menschen sind gleich anfällig für eine Mysophobie. Unterschiedliche Charaktereigenschaften haben unterschiedlich starke Auswirkungen auf die Wahrscheinlichkeit. So leiden Menschen, die über ein besonders hohes Kontrollbedürfnis verfügen und gleichzeitig wenig Risikobereitschaft eher an einer Mysophobie. Ihr Kontrollbedürfnis befriedigen sie, indem sie sich besonders effektiv vor Viren schützen und/oder bestimmte (Ober)Flächen häufiger als nötig reinigen. Der Schritt zur Zwangsstörung ist dann nur noch ein kleiner.

    Schicksalsschläge

    Wer einen geliebten Menschen verliert, durchlebt eine emotionale Ausnahmesituation. Der so intensiv erlebte Kontrollverlust kann tiefe Spuren in der Psyche und auf der Seele hinterlassen, welche das Entstehen einer Phobie begünstigen. Ist die geliebte Person zusätzlich noch an einer Vireninfektion verstorben, wird der Hinterbliebene in Zukunft wahrscheinlich versuchen, den Kontakt mit Viren, Bakterien und Keimen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. So soll die verloren gegangene Kontrolle zurückgeholt werden.

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    Symptome einer Mysophobie

    Wodurch zeigt sich die übersteigerte Angst vor Viren?
    Phobien machen sich im Alltag oft durch Zwangshandlungen bemerkbar. Im Fall einer Mysophobie haben diese in der Regel mit übertriebener Hygiene und sozialer Isolation zu tun.
    Gesunder oder ungesunder Schutz vor Viren?

    Bevor wir auf die jeweiligen Anzeichen genauer eingehen, noch eine kurze Klarstellung: Die Abneigung gegenüber Schmutz und der Ekel vor Keimen sind keine Anzeichen für eine Mysophobie, sondern bis zu einem gewissen Grad normales menschliches Verhalten.

    Der gelegentliche Griff zum Desinfektionsmittel oder das Händewaschen nach dem Nachhausekommen sind ganz keine Anzeichen für eine Zwangsstörung.

    Problematisch wird es erst dann, wenn die Angst so groß wird, dass sie den Alltag beeinflusst. Menschen mit übersteigerter Angst vor Viren geraten in Panik wenn Sie keine Maske tragen oder fühlen sich unwohl wenn Mitmenschen dies nicht tun. Solch eine große Angst ist ungesund und kann zahlreiche Nachteile für die Persönlichkeitsentwicklung mit sich bringen.

    Ständiges Desinfizieren:

    Menschen mit übersteigerter Angst vor Viren leiden meistauch  unter einem unbeherrschbaren Putz- und Waschzwang. Alle Dinge, die mit anderen Menschen oder vermeintlich schmutzigen Dingen in Berührung gekommen sind, werden sofort gereinigt und gründlich desinfiziert.

    Angst in der Öffentlichkeit:

    Öffentliche Orte stellen eine große Herausforderung dar. Der Grund ist die fehlende Kontrolle über die allgemeine Hygiene-Situation in eben diesem öffentlichen Raum.

    Darunter leidet das Sozialleben der Betroffenen stark. Klarerweise gibt es beim Krankheitsbild der Mysophobie auch Abstufungen. Wer unter einer milden Form leidet, kann zwar sehr wohl noch am öffentlichen Leben teilnehmen, wäscht und desinfiziert sich allerdings übermäßig oft.

    Mysophobiker reinigen nach so gut wie jedem vermeintlichen Kontakt mit Viren, Keimen und Bakterien ihre Hände und Arme gründlich. Der Desinfektionsmittelverbrauch ist entsprechend hoch.

    Panikattacken in potenziell gefährlichen Situationen:

    Am deutlichsten zeigt sich eine Mysophobie für andere durch seltene aber dann sehr unangenehme Panikattacken. Kommt es potenziell zu Kontakt mit Viren, reagieren Betroffene stark. Herzrasen, Schweißausbrüche, Kurzatmigkeit, Schnappatmung und Schwindelanfälle können auftreten.

    Diese Symptome können eintreten wenn sich Betroffene in öffentlichen Einrichtungen nicht die Hände waschen konnten oder auch ein Mund und Nasenschutz vergessen worden ist. Dies macht sich dann besonders in Situationen mit vielen Menschen auf engen Raum bemerkbar. 

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    Mysophobie im Alltag

    Probleme für das Sozialleben

    Die Mysophobie beeinflusst den Alltag von Betroffenen in zwei Bereichen negativ: Die eigene Gesundheit leidet ebenso darunter wie das Sozialleben

    Von Mysophobie Betroffene versuchen – je nach Ausprägung der Angststörung – sich mehr oder weniger dauerhaft von ihrem sozialen Umfeld abzukapseln. Als Rückzugsort dient die eigene Wohnung, in der Betroffene aber ungern Besuch empfangen, da dieser ja Keimbelastungen mit hereintragen kann.

    Zudem ziehen sich Mysophobiker auch deshalb immer weiter zurück, da sie Angst haben, von ihrem Umfeld nicht verstanden zu werden. Sollten Personen anderer Meinung sein, entstehen oft hitzige Diskussionen in denen sich die Betroffenen für ihren übertriebenen Schutz vor Viren rechtfertigen möchten. 

    Da der Mensch grundsätzlich ein soziales Wesen ist, benötigt er Sozialkontakte, um geistig gesund zu bleiben. In unterschiedlichem Ausmaß klarerweise. Fehlt diese Interaktion, kann dies zur Entstehung von Depressionen beitragen.

    Einfluss auf die körperliche Gesundheit

    Von Mysophobie Betroffene sind Opfer Ihrer eigenen Zwänge. Denn durch das exzessive Waschen und Desinfizieren schwächen sie nachweislich ihr Immunsystem. Um effektiv arbeiten zu können, benötigt dieses den Kontakt mit Viren und Keimen.

    Bleibt ihm dieser Kontakt langfristig verwehrt, kann es sich nicht auf unterschiedliche Gefahren einstellen und kann selbst normalerweise harmlose Viren und Keime nicht mehr abwehren.

    Die Haut leidet ebenfalls unter dem Waschzwang. Der überdurchschnittliche Einsatz von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln schädigt die Haut und zerstört deren natürliche Schutzbarriere gegen Keime und Viren bis zu einem gewissen Grad. Zudem stellt der hohe Bedarf an Reinigungs- und Desinfektionsmitteln nach einer gewissen Zeit auch eine nicht zu unterschätzende finanzielle Belastung dar.

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    Angst vor Viren überwinden

    Tipps gegen panischer Angst vor Viren

    Leiden Menschen unter Mysophobie, hat das nicht nur Auswirkungen auf ihre psychische und physische Gesundheit. Auch das Sozialleben leidet meist stark darunter und finanzielle Folgen sind in manchen Fällen ebenfalls nicht zu unterschätzen.

    Bei weniger stark ausgeprägten Formen von Mysophobie ist es durchaus möglich, mit Selbsttherapie zum Erfolg zu kommen. Sich seinen Ängsten stellen, sich mit Unterstützung von Freunden bewusst in herausfordernde Situationen begeben, sich überwinden. 

    Tipps zur Überwindung der Virenangst:
    In Extremfällen: Profesionelle Behandlung

    Für die Behandlung bzw. Überwindung von Angststörungen (wie der Angst vor Viren) ist besonders die kognitive Verhaltenstherapie bestens geeignet. Die setzt sich aus einer kognitiven Therapie und einer Verhaltenstherapie zusammen.

    Das Ziel der kognitiven Therapie ist es, sich mit seinen Ängsten auf rationaler Basis auseinanderzusetzen, schlechte Gewohnheiten zu identifizieren, diese aufzubrechen und somit zu überwinden.

    Die (Selbst)Wahrnehmung soll wieder realistischer gestaltet werden. Der Verhaltenstherapie liegt die Erkenntnis zugrunde, dass menschliches Verhalten immer erlernt, also antrainiert ist. Und wenn etwas antrainiert ist, kann das auch um- bzw. wegtrainiert werden. Häufig hilft die Aneignung beruhigender Routinen. Die kognitive Verhaltenstherapie muss dabei immer von einem Profi durchgeführt werden. 

    Hilfe finden

    Therapeuten für die Behandlung finden

    Wer einen passenden Therapeuten für die Therapie sucht, kann über die Ärztesuche auf Jameda nach Psychologen suchen und Erfahrungsberichte zu den einzelnen Personen lesen. 

    Besteht der Wunsch auf eine Therapie über den Computer oder das Smartphone, kann ein passender Therapeut auch nach der Möglichkeit für eine bequeme Online-Beratung gefragt werden. 

    Online Psychologen:

    Aktuell können wir leider keine Online-Therapie empfehlen. Wir bemühen uns in Zukunft passende Angebote für eine therapeutische Online-Behandlung zur Verfügung zu stellen.

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Prevalence of Obsessive Compulsive Disorder and its comorbidity with Major Depressive Disorder in adolescent students | pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
      2. Mysophobie – Wikipedia

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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