Psychosen

Arten, Entstehung und Behandlung

Unter dem Begriff Psychose versteht die Psychologie heute mehrere unterschiedliche Störungen, die allesamt zwei Hauptsymptome aufweisen: Halluzinationen und wahnhafte Vorstellungen. Die Abstufungen sind dabei vielfältig, die Symptome unterschiedlich. Hier finden Sie einen kompakten Überblick über die bestehenden Arten von Psychosen, deren Symptomatik und Entstehen. Zudem erklären wir, wie Psychosen am besten behandelt werden können.

Übersicht:
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    Häufige Fragen:
    Die Psychose ist eine psychische Störung, welche besonders durch das Auftreten von Wahnvorstellungen und Halluzinationen charakterisiert wird. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um einen temporären Zustand, der – auch durch die richtige Behandlung – wieder vorbeigeht.

    Grundsätzlich wird zwischen primären und sekundären Psychosen unterschieden. Während die primäre Variante nicht auf körperliche Ursachen zurückzuführen ist und deshalb auch unter dem Begriff „nicht-organische“ Psychose bekannt ist, sieht die Sache bei sekundären oder auch „organischen“ Psychosen anders aus. Hier spielen Dinge wie beispielsweise Krankheiten oder Suchtmittelmissbrauch die Hauptrolle in der Entstehung.

    Bei der Behandlung einer Psychose kommen zwei Ansätze zur Anwendung. Medikamente auf der einen und Psychotherapie auf der anderen Seite. Nur durch Kombination beider Punkte sind hohe Erfolgsaussichten gegeben. Einen klassischen Leitfaden gibt es allerdings nicht. Sowohl Medikation als auch Psychotherapie müssen vom Arzt und/oder Therapeuten auf den Patienten ausgerichtet und immer wieder überprüft werden.

    Psychose einfach erklärt

    Der Fachbegriff „Psychose“ versammelt eine Vielzahl an psychischen Störungen, die dafür sorgen, dass Betroffene die Realität anders wahrnehmen bzw. verarbeiten.

    In den meisten Fällen ist eine Psychose lediglich ein temporärer Zustand und geht somit wieder vorüber. Ausgehend von der Lebenswelt des Patienten können Psychosen unterschiedlichste Ausformungen annehmen, in den allermeisten Fällen spielen aber Halluzinationen oder wahnhafte Vorstellungen eine zentrale Rolle im Krankheitsbild. Üblicherweise treten die meisten Psychosefälle bei jungen Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren auf. 1Schizophrenie Gesundheitsberichterstattung – Themenhefte, Mai 2010 | gbe-bund.de

    Welche Symptome weisen auf eine Psychose hin?

    Psychosen klar abzugrenzen oder zu definieren ist schwierig. Zu unterschiedlich sind die Symptome, zu vielfältig die Krankheitsbilder. Dennoch gibt es Kerncharakteristika, die besonders häufig vorkommen. Da wären zunächst die sogenannten „positiven Symptome“. Typisch dafür sind folgende Störungen:

    Halluzinationen

    Es gibt unterschiedliche Arten von Sinneshalluzinationen. Der Betroffene nimmt Reize wahr, die gar nicht existieren. Er erliegt sogenannten Trugwahrnehmungen. Dazu gehören optische und akustische Halluzinationen ebenso wie Geschmacks- und Geruchshalluzinationen oder Trugwahrnehmungen den Tastsinn betreffen.

    Wahnvorstellungen

    Falsche Interpretationen der (Um)Welt. Selbst durch glasklarste Fakten lassen sich Betroffene nicht vom Gegenteil überzeugen. So glauben viele Patienten, dass sie über besondere Fähigkeiten verfügen oder mit besonderen Mächten in Verbindung stehen.

    Verfolgungswahn

    Eine spezielle Ausformung der Wahnvorstellung. Betroffene fühlen sich (zu Unrecht) ständig verfolgt, sehen sich in einer andauernden Opferrolle.

    Schizophrenie

    Betroffene erleben ihre Umwelt signifikant anders als gesunde Menschen. Nicht nur Wahrnehmungen und Gedanken verändern sich, auch das Selbstbild, die eigenen Gefühle und die Sprache sind betroffen.

    Neben diesen klaren Symptomen bleiben viele Anzeichen unentdeckt, da sie zwar wahrgenommen werden, in ihrer Bedeutung aber unterschätzt bleiben. Hier ist die Rede von sogenannten „negativen Symptomen“. Ein starkes Anzeichen dafür ist aggressives Verhalten.

    Aggressives Verhalten

    Menschen, die an einer Psychose leiden, sind emotional überfordert. Sie kommen mit der Realität nicht mehr zurecht. Die daraus resultierende Antriebsarmut führt oft zu einem Rückzug aus der Öffentlichkeit. In vielen Fällen schlagen die damit einhergehenden Stimmungsschwankungen aber in aggressives Verhalten gegenüber sich selbst und anderen Menschen um.

    Eine dritte Gruppe möglicher Anzeichen sind die sogenannten „kognitiven Symptome“, allgemein verständlich als Verwirrtheit zu beschreiben. Sie sind gekennzeichnet durch Konzentrationsstörungen

    Konzentrationsstörungen

    Charakterisiert durch die Unfähigkeit, seine Gedanken auf eine einzige Aufgabe zu bündeln. Oftmals treten auch eine gewisse Hyperaktivität und Rastlosigkeit, kombiniert mit schneller Ermüdbarkeit auf.

    Nun ist es natürlich so, dass Stimmungsschwankungen, Aggressivität oder Konzentrationsstörungen im Alltag immer wieder einmal auftreten, ohne dabei ein Anzeichen für eine Psychose zu sein.

    Der Gang zum Psychotherapeuten ist bei einer emotionalen Verstimmung oder einem zerstreuten Tag definitiv nicht notwendig. Treten die Symptome allerdings über einen längeren Zeitraum auf, ist ein Besuch beim Psychologen dennoch ratsam. Und sei es nur, um etwaige Bedenken zu zerstreuen und die Gewissheit zu haben, nicht an einer Psychose zu leiden. Allein diese gute Nachricht hilft mitunter dabei, die Laune dauerhaft zu heben.

    Welche Arten von Psychosen gibt es?

    Eine Psychose kann sich auf viele unterschiedliche Arten manifestieren. Entsprechend wird in der Psychologie zwischen diversen Arten von Psychosen unterschieden.

    Grundsätzlich werden Psychosen in zwei große Gruppen eingeteilt: Primäre und sekundäre Psychosen. Bei der primären Variante treten vornehmlich psychotische Veränderungen (Wahnvorstellungen, Halluzinationen) auf, bei der sekundären kommen Zustände der Verwirrtheit sowie Störungen von Bewusstsein und Gedächtnis hinzu.

    Primäre Psychosen sind nicht auf körperliche Ursachen zurückzuführen. Sie werden auch „nicht-organische“ oder „funktionelle“ Psychosen genannt. 

    Sekundäre Psychosen werden meist durch körperliche Vorgänge wie beispielsweise Erkrankungen (Enzephalitis, Tumore, Epilepsie, AIDS etc.) ausgelöst und sind deshalb auch als „organische“ bzw. „symptomatische“ Psychosen bekannt. Sie werden in zwei weitere große Untergruppen eingeteilt: akute und chronische organische Psychosen.

    Akute organische Psychose:

    Charakterisiert durch plötzliches Auftreten von Desorientierung und Bewusstseinsveränderung. Durch treffsichere Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen gut behandelbar.


    Chronische organische Psychose

    Entsteht durch chronische Erkrankungen des Gehirns. Wird charakterisiert durch Gedächtnisprobleme, verminderte kognitive Fähigkeiten und veränderte Psychomotorik. Kann außerdem durch Suchtmittelmissbrauch hervorgerufen werden (drogeninduzierte Psychose).

    Wie entsteht eine Psychose?

    Auf diese Frage eine pauschale Antwort zu geben, ist nicht möglich. Und zwar aus dem einfachen Grund, die Ursachen für primäre und sekundäre Psychosen unterschiedlich sind.

    Bei einer primären Psychose liegen die Ursachen für die Entstehung zum Teil noch im Dunkeln. Eine endgültige Antwort konnte noch nicht gefunden werden. Fest steht, dass manche Menschen anfälliger für derartige Psychosen sind als andere.

    Mittlerweile wurden einige Risikogene identifiziert, welche das Auftreten dieser psychischen Störungen begünstigen. Allerdings sind Psychosen keine klassischen Erbkrankheiten, allgemeingültige Aussagen gibt es also nicht.

    Die Wissenschaft geht derzeit von einem sogenannten „multifaktoriellen“ Ursachenmix aus. Dabei wirken diverse biologische, soziale und psychische Faktoren gleichzeitig.

    Sekundäre Psychosen werden hingegen immer durch äußere Umstände ausgelöst. Darunter fallen Erkrankungen (Epilepsie, Multiple Sklerose …) Schädigungen des Gehirns (Schädel-Hirn-Trauma, Demenz …) Infektionen oder Stoffwechselerkrankungen. Daneben können Medikamente oder Drogen eine sekundäre Psychose auslösen.

    Wie können Psychosen behandelt werden?

    In der Psychologie gibt es keine Patentrezepte. Klar existieren allgemein vielversprechende Ansätze, da aber jeder Mensch anders ist, müssen diese Ansätze jedes Mal neu angepasst und eingestellt werden. Die Behandlung von Psychosen stellt dabei keine Ausnahme dar. 

    Grundsätzlich besteht die aus zwei großen Strängen:

    Eine gute Therapie vereint beide Bereiche in sich, die Grundlage wird im Idealfall durch eine gute und vertrauensvolle Basis zwischen Therapeuten und Betroffenem gelegt. Darauf lässt sich dann aufbauen, sie bestimmt das weitere Vorgehen.

    Medikamentöse Behandlung

    Bei der medikamentösen Behandlung wird auf sogenannte „Antipsychotika“ gesetzt. Ihre Wirkung richtet sich gegen die Hauptsymptome der Psychose, weshalb rasch eine Wirkung einsetzt und die Beschwerden gelindert werden.

    Um ein Wiederaufflammen der Störung zu verhindern, nehmen viele Betroffene die Präparate auch nach Abklingen der Psychose weiterhin ein. Wie lange, das ist von Patient zu Patient verschieden, bestimmen kann das nur ein spezialisierter Arzt. Üblicherweise erstreckt sich die fortgesetzte Einnahme aber über mehrere Jahre. In schweren Fällen wird eine dauerhafte Einnahme empfohlen.

    Nebenwirkungen & Risiken?

    So gut Antipsychotika auch wirken mögen, frei von Nebenwirkungen sind sie nicht. Deshalb ist es unbedingt notwendig, die Dosis regelmäßig zu überprüfen. Dies kann nur im Zusammenspiel zwischen Arzt und Patient geschehen. 

    Die medizinische Forschung ist ein Feld andauernder Entwicklungen und Fortschritte. So gibt es neben den altbekannten typischen Antipsychotika wie beispielsweise Haloperidol mittlerweile auch atypische Präparate (z. B. Clozapin, Ziprasidon oder Aripiprazol). Die neuer Varianten der Medikamente weisen weniger Nebenwirkungen im Bereich der Motorik aus, beeinflussen dafür aber den Stoffwechsel stärker.

    Keine Angst vor einer unbegründeten Abhängigkeit!

    Oftmals sind Betroffene hinsichtlich einer medikamentösen Behandlung unsicher. Sie befürchten, von den Präparaten abhängig zu werden. Diese Angst ist allerdings definitiv unbegründet. Antipsychotika sind so konzipiert, dass sie auf keinen Fall abhängig machen.

    Psychotherapie

    Therapeutische Gespräche und andere Verfahren können bereits während einer Akutphase zur Linderung der Beschwerden beitragen. Vordergründiges Ziel ist eine Minderung der Reizüberflutung, welche für den psychotischen Schub verantwortlich ist.

    Oft liegt der erste Schritt aber darin, den Patienten überhaupt zur Einsicht zu bewegen, dass er unter eine Psychose leidet. 

    Die Bandbreite an unterschiedlichen Psychotherapien ist enorm. Je nach Persönlichkeit des Patienten bzw. Art der Psychose hilft etwa die Kognitive Verhaltenstherapie oder die Psychoedukation besser.

    Manchmal ist eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie notwendig, manchmal müssen gleichzeitig eine Sucht- oder eine Familientherapie durchgeführt werden. In anderen Fällen sind wiederum Ansätze wie eine Tanz-, Kunst- oder Ergotherapie erfolgversprechender.

    Für die Behandlung einer Psychose gibt es mittlerweile also unzählige Ansätze. Sozusagen ein Baukastensystem, aus dem Therapeuten je nach Patient und Situation die richtigen Komponenten wählen und zu einer passenden Behandlung zusammensetzen.

    Das Heimtückische an einer derartigen Krankheit ist, dass die meisten gar nicht wissen, dass sie an einer Psychose leiden. Sollten Sie also das Gefühl haben, dass mit Ihnen eventuell etwas nicht stimmen könnte, suchen Sie umgehend professionelle Hilfe auf. Vertrauen Sie sich Ihrem Hausarzt an, suchen Sie eine psychotherapeutische Ambulanz auf oder wenden Sie sich gleich an einen niedergelassenen Therapeuten.

    Früherkennung bei Psychosen ist wichtig

    Die Gründe für das Auftreten von Psychosen sind immer besser und besser erforscht. Die Symptomatik wird klarer und klarer. Warum es bei manchen Menschen zu entsprechenden Episoden kommt und bei manchen nicht, warum einige Betroffene dauerhaft und andere wiederum nur ein einziges Mal an einer Psychose leiden, ist allerdings noch nicht klar. 

    Fest steht: Je früher eine Psychose behandelt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten.

    Mittlerweile gibt es zahlreichen Hilfsangebote, von Ambulanzen über spezialisierte Kliniken bis hin zu niedergelassenen Psychotherapeuten. Das Angebot ist groß, die schiere Menge kann verwirrend sein.

    Deshalb arbeiten wir aktuell an einer umfassenden Datenbank, die Sie mit nur wenigen Klicks zielgerichtet durchforsten können. Noch sind wir aber nicht ganz fertig. Bis es so weit ist, empfehlen wir Ihnen das Ärztesuch-Service unserer Kollegen von jameda.de.

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Schizophrenie Gesundheitsberichterstattung – Themenhefte, Mai 2010 | gbe-bund.de

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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