Zwangsstörungen

Arten, Ursachen und Behandlung

Die Zwangsstörung ist eine der verbreitetsten psychischen Krankheiten unter Erwachsenen. Viele Personen, die davon betroffen sind, leiden unter großen Ängsten und Unsicherheiten und schämen sich sehr. Glücklicherweise können Zwangsstörungen therapiert werden, sodass sie keine Einschränkungen im Leben der Betroffenen mehr vornehmen. Wir stellen die bekanntesten Zwangsstörungen, deren Symptome und Behandlungsmethoden vor. 

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Bei einer Zwangsstörung, auch Zwangserkrankung genannt, verspüren betroffene Personen den Zwang, bestimmte Dinge zu tun oder zu denken. Die Zwangsstörung fällt unter die Kategorie der psychischen Störungen. 

    Erkrankten ist oft bewusst, dass der Drang, den sie verspüren, irrational ist, aber ihnen ist es meist nicht möglich, sich allein dagegen zu wehren und eingefahrene Verhaltensmuster zu ändern. Durch die Störung entstehen des Öfteren Beeinträchtigungen des Alltags, weshalb es ratsam sein kann, eine Therapie in Betracht zu ziehen, welche die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern kann.

    Zwangsstörungen können durch verschiedene Therapien behandelt werden. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann dafür sorgen, problematische Denk- und Handlungsmuster zu erkennen, zu hinterfragen und abzutrainieren. Des Weiteren sind Gesprächstherapien hilfreich, um die Ursache des Problems zu finden sowie Ängste und Unsicherheiten zu behandeln. Auch Entspannungstherapien helfen dabei, das Bedrohungsgefühl und Ängste abzulegen und geben den Betroffenen dadurch mehr Sicherheit. 

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    Was sind Zwangsstörungen?

    Zwangsstörungen zeigen sich, in dem Betroffene unter dem Zwang leiden, bestimmte Dinge denken oder tun zu müssen. Der Versuch, den Drang zu unterdrücken, bleibt meist erfolglos.

    Die zwanghaften Handlungen werden von den Betroffenen nicht als angenehm und erleichternd empfunden, sondern dienen als Vorbeugung. Erkrankte Personen sind oft der Ansicht, dass etwas Schlimmes passieren wird, wenn sie dem inneren Drang nicht nachgeben.

    Viele Betroffene wissen, dass ihre Zwangshandlungen irrational sind, können sich aber allein nicht aus den Denk- und Handlungsmustern befreien.

    In vielen Fällen leiden Personen mit einer Zwangsstörung unter dauerhafter Angst und Anspannung. Dem permanent existenten Bedrohungsgefühl wird oft mit Zwangshandlungen entgegengewirkt. Diese können aber mitunter Stunden dauern und somit den gesamten Tagesablauf der Betroffenen durcheinanderbringen. Dies kann in extremen Fällen auch dazu führen, dass ein normaler Alltag nicht mehr möglich ist. 

    Beispiele für Zwangsstörungen:

    Angst vor Ausgrenzung

    Oft fürchten sich Betroffene davor, verurteilt zu werden und ziehen sich deshalb aus ihrem sozialen Leben zurück. Statt sich jemandem anzuvertrauen, bleiben sie lieber für sich, wodurch sie die Angst allerdings verstärken kann.

    Für Personen, die von ihrer Zwangsstörung stark beeinträchtigt werden, ist eine Therapie ratsam. Spezialisten, die im Umgang mit solchen Problemen geschult sind, bieten ein offenes Ohr und werden ihren Patienten helfen, statt sie zu verurteilen. Oft ist eine Therapie in Extremfällen die einzige Möglichkeit, um wieder ein unbeschwertes Leben zu führen.

    Auch wenn der Gedanke daran beängstigend sein kann, sind die Aussichten auf eine stressfreie Rückkehr in das soziale Leben und den Alltag durchaus lohnend. 

    Wie entwickelt sich eine Zwangsstörung?

    In manchen Fällen sorgen genetische Faktoren durch Vererbung dafür, dass eine Zwangsstörung ausbrechen kann. Auch neurobiologische Faktoren wie hyperaktive Hirnareale oder ungesunde Erziehungsstile, beispielsweise zu kritische Verhaltensbewertungen oder zu frühes Übertragen von Verantwortung, können die Entwicklung einer Zwangsstörung begünstigen. Des Weiteren können auch prägende Erlebnisse im Leben wie der Verlust eines geliebten Menschen oder bestimmte Persönlichkeitsmerkmale zu dem Entstehen von Zwängen führen.

    Was gibt es für Zwangsstörungen?

    Es gibt unzählige Formen der Zwangsstörungen, welche sich nicht alle auflisten lassen, da diese sehr individuell sind. Es lassen sich allerdings die bekanntesten Zwangsstörungen auflisten und dessen unterschiedlichen Formen erklären.

    Waschzwang

    Betroffene verspüren kontinuierlich das Gefühl, ihren Körper und/oder ihre Kleidung reinigen zu müssen. Besonders stark ist dieses nach Kontakt mit vermeintlich unreinen Gegenständen und anderen Menschen. Meist sind es die Hände, die exzessiv und wiederholt gewaschen werden. Ausgelöst wird diese Zwangsstörung meist durch traumatische Erlebnisse wie etwa Todesfälle im näheren persönlichen Umfeld. Die Grundlagen dafür bilden sich aber oftmals schon früher, etwa durch zu strenge Erziehung. Auch die genetische Disposition spielt eine Rolle. Ein Waschzwang bringt auf mehreren Ebenen Probleme mit sich. Übermäßiges Waschen greift die Haut an, sie wird trocken und rissig. Daneben kommt es zu Verwerfungen im sozialen Umfeld, woraus wiederum Depressionen und andere psychische Probleme entstehen können. Eine Psychotherapie ist ein sehr guter Ansatz, um einen Waschzwang zu überwinden.

    Putzzwang

    Betroffene verbringen den Großteil ihrer Freizeit damit, immer und immer wieder Dinge bzw. Flächen zu reinigen. Der Zwang belastet das Privatleben eines Betroffenen massiv. Beziehungen und Freundschaften. Die Ursachen hinter diesen Ritualen und Zwangshandlungen sind bis heute nicht endgültig geklärt. Betroffene berichten oftmals von einem Gefühl des Kontrollverlusts. Der vielversprechendste Ansatz zur Behandlung von Putzzwängen ist die kognitive Verhaltenstherapie. Ziel ist es, die Kontrolle über das Verhalten wiederzuerlangen.

    Kontrollzwang

    Ist der Herd abgedreht? Ist die Wohnungstür verschlossen? Steht die Obstschüssel noch immer an ihrem Platz? Wurde die Mail wirklich verschickt? Das Leben von Menschen, die unter Kontrollzwang leiden, müssen ständig Objekte oder Tätigkeiten kontrollieren und nachprüfen. Oftmals ist es die Angst davor, durch unvorsichtiges Verhalten einen Fehler zu begehen. Kontrollzwang kann durch traumatische Erlebnisse ausgelöst werden. Die Ursachen liegen aber meist weiter in der Vergangenheit und haben oft mit einer schwierigen Kindheit bzw. einer sehr strengen Erziehung zu tun. Genetische Veranlagungen spielen ebenfalls eine Rolle. Durch den Kontrollzwang stehen Betroffene unter permanentem psychischem Druck, Privat- und Berufsleben werden negativ beeinflusst.

    Ordnungszwang

    Personen, die unter Ordnungszwängen leiden, werden durch jede Art von Unordnung sehr nervös. Oft entwickeln sie Ordnungssysteme, beispielsweise werden Bücher und Kleidung nach Farbe oder Größe sortiert. Zudem werden Dinge genauestens gefaltet und müssen gerade liegen. Der Gedanke an Reisen oder Besuch setzt Betroffene enorm unter Druck, da dies ihre äußere und auch innere Ordnung gefährdet.

    Wiederhol- und Zählzwang

    Diese Art von Zwangsstörung beinhaltet, dass die Betroffenen bestimmte Aktivitäten, beispielsweise den Ankleideprozess, bis zu dem Erreichen einer bestimmten Anzahl wiederholen müssen. Auch das Zählen von Obst oder ähnlicher Dinge im Supermarkt kann für die Personen zu einem Zwang werden. Wenn Erkrankte dem inneren Drang des Zählens oder Wiederholens nicht nachgeben, empfinden sie starke Unruhe oder befürchten, dass ihnen ein Unglück widerfährt. Wenn die Betroffenen abgelenkt oder unterbrochen werden, starten sie den Zähl- und Wiederholungsprozess erneut, bis er abgeschlossen ist.

    Zwanghaftes Sammeln

    Gegenstände, die anderen wertlos erscheinen, beispielsweise Milchpackungen oder auch Zeitungen, werden von den unter dieser Zwangsstörung leidenden Personen gehortet. Oft werden Ausreden vorgeführt, dass die Gegenstände nützlich sind und jederzeit gebraucht werden könnten, um den eigenen Sammelzwang zu verschleiern, während aber eigentlich die Zwangsstörung für das Sammeln verantwortlich ist.

    Zwanghaftes Rückversichern

    Personen, die unter dieser Art der Zwangsstörung leiden, sind oft sehr unsicher. Sie versuchen deshalb, durch die objektive Meinung von anderen, sich zu versichern, dass alles in Ordnung ist. Dieser Rückversicherungszwang kann sich beispielsweise darin zeigen, dass der Kassierer den ausgezahlten Geldbetrag noch einmal zählen soll. Diese Art von Zwangsstörung wird nur auffällig, wenn die betroffene Person in unterschiedliche Geschäfte geht und auf bestimmtes Personal trifft. Um dieses Verhaltensmuster zu vermeiden, gehen Betroffene oft nicht einkaufen oder lassen sich nur von Personen begleiten, die dieses Verhalten noch nicht von ihnen kennen.

    Zwanghafte Langsamkeit

    Während viele Zwangsstörungen dazu führen, dass sich das Leben der erkrankten Person verlangsamt, weil die Ausübung der Zwänge teilweise sehr viel Zeit erfordert, ist bei dieser Art der Störung die Langsamkeit selbst der Auslöser. Betroffene brauchen beispielsweise sehr lange für das Zähneputzen, weil sie in langsamen kreisenden Bewegungen jeden Zahn ganz genau säubern wollen. Ein anderes Beispiel wäre das Kämmen jedes einzelnen Haares, wodurch einfache Prozesse extrem in die Länge gezogen werden.


    Berührzwang

    Bei einem Berührzwang möchten Betroffene unbedingt ein Objekt berühren, oder die Berührung vermeiden. Es kann sich dabei auch um Lebewesen oder Naturverbundene Objekte handeln. Meist ist dieser Zwang harmlos und kann selbst überwunden werden. In manchen Extremfällen ist eine Therapie allerdings empfehlenswert.

    Zwangsstörung und Psychose: Was ist der Unterschied?

    Bei einer Zwangsstörung liegt ein obsessives Verhalten des Betroffenen vor, welches diesem jedoch bewusst ist. Obwohl die Person ihr Verhalten als irrational ansieht, kann sie sich jedoch meist nicht allein von den Zwängen befreien und gibt dem inneren Drang nach.

    Bei einer akuten Psychose hingegen liegen Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder Denkstörungen vor. Die Menschen verlieren ihren Bezug zur Realität und bemerken nicht, dass sie der Urheber der eigenen verstörenden Gedanken sind. Beides lässt sich jedoch mit einer Therapie behandeln.

    Diagnose und Behandlung

    Damit eine Zwangsstörung vorliegt, müssen die Zwangsgedanken über einen längeren Zeitraum als zwei Wochen auftreten und von den Betroffenen als qualvoll angesehen werden oder auch das Leben der Person beeinträchtigen.

    Mithilfe von Verhaltensbögen, gezielten Befragungen der Betroffenen und einer Verhaltensbeobachtung kann die Zwangsstörung und ihr Schweregrad festgestellt werden. 

    Therapie von Zwangsstörungen

    Es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten, die eine Zwangsstörung heilen können und den Betroffenen die dauerhafte Angst und Anspannung ersparen können.

    Eine erfolgreiche Therapie besteht darin, hyperaktive Hirnareale, welche die Informationsbeschaffung und die Ausschüttung von Serotonin negativ beeinflussen und dadurch Zwangsstörungen begünstigen, zu normalisieren. Dies kann mithilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie vorgenommen werden. Dabei geht es darum, eingefahrene Verhaltens- und Denkmuster zu erkennen und Alternativen einzuüben.

    Zudem werden die Personen mit ihren Reizen konfrontiert und eine Reizverhinderung wird vorgenommen. So können alternative Verhaltensweisen trainiert und Hirnareale umprogrammiert werden. 

    Oft kann auch eine Gesprächstherapie unterstützen. Dabei werden auch die Ursachen der Zwangsstörung erforscht und tiefliegende Ängste therapiert. Des Weiteren können auch Entspannungstherapien wie Yoga oder kognitive Muskelentspannung helfen, eine Rückkehr in ein zwang- und stressfreies Leben zu ermöglichen. 

    Zwangsstörung: Keine Angst vor Verurteilung

    Zwangsstörungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen im Erwachsenenalter, weshalb viele von Zwangsgedanken geplagt werden.

    Unter einer Zwangsstörung zu leiden oder Angst davor zu verspüren, zu erkranken, ist kein Grund, sich zu schämen. Leider fürchten sich Betroffene oft davor, sich ihrem Umfeld anzuvertrauen und sich Hilfe zu suchen, da sie fürchten, gesellschaftliche Ablehnung und Ausgrenzung zu erfahren.

    Es ist aber wichtig, sich mit Menschen zu umgeben, die Betroffenen Halt geben und durch ein offenes Ohr verhindern, dass sie sich einsam und verunsichert fühlen, wodurch sich das zwanghafte Verhalten oft verschlimmert. 

    Angst vor dem Arztbesuch

    Viele Betroffene trauen sich nicht, einen Spezialisten aufzusuchen.

    Die Gründe dafür können vielfältig sein – manche verlassen nur ungern ihre vertrauten vier Wände, andere haben Angst davor, verurteilt zu werden und manchmal liegt auch eine Arztphobie vor, sodass Personen sich zu sehr vor dem Arztbesuch fürchten.

    Leider werden Symptome und Erkrankungen nur schlimmer, wenn sie unbehandelt bleiben. Wer sich vor dem Arztbesuch fürchtet, findet vielleicht Trost darin, dass die Spezialisten täglich mit derartigen Problemen konfrontiert werden und deshalb niemanden verurteilen werden.

    Da sie im Umgang mit Patienten und Erkrankungen geschult sind, sind sie in der Lage, eine Diagnose zu stellen und mit den Betroffenen den Umgang mit eigenen Zwängen oder Ängsten zu erlernen, sodass ein normales Leben wieder möglich ist. 

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    Arztsuche & Hilfe bei Zwangsstörungen

    Personen, denen es nicht möglich ist, einen Arzt aufzusuchen, können auch andere Hilfsangebote in Anspruch nehmen.

    Eine Selbsthilfegruppe bietet die Möglichkeit, sich mit weiteren Betroffenen auszutauschen. Sich anderen zu öffnen und von den eigenen Problemen zu erzählen, kann beängstigend sein.

    Eine Selbsthilfegruppe stellt aber ein Umfeld zur Verfügung, was die eigenen Schwierigkeiten selbst erfahren hat und dadurch niemanden verurteilt, sondern Verständnis und sogar Tipps und Hilfe im Umgang mit den eigenen Alltagsschwierigkeiten geben kann.

    Des Weiteren ist es auch möglich, sich in Online-Foren mit anderen Erkrankten auszutauschen. Zudem besteht die Möglichkeit, sich anonym an eine Hotline zu wenden oder Hilfe über eine Videosprechstunde zu suchen.  

    Den passenden Arzt finden

    Wer sich entscheidet, einen Arzt aufzusuchen, kann auf jameda.de geeignete Psychotherapeuten & Psychologen im näheren Umkreis finden.

    Zudem können dort Bewertungen zu den Ärzten durchgelesen werden, welche die Angst vor dem Arztbesuch lindern können und dem Betroffenen helfen, den richtigen Arzt zu finden.

    Auch wenn der Gedanke an das Gespräch mit anderen und an eine Behandlung sehr furchteinflößend sein kann, hilft es den Betroffenen vielleicht, sich daran zu erinnern, dass eine Therapie oftmals die einzige Möglichkeit ist, wieder in ein unbeschwertes Leben zurückzukehren und einen stressfreien Alltag ohne Einschränkungen erleben zu können.

    Wer lieber online mit nach Hilfe sucht und etwas Diskretion bewahren möchte, kann sich beispielsweise an Coachings wie von den Lebensidealisten wenden. 

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Zwangsstörung – Wikipedia
      2. Zwangsstörungen: Entstehung und Aufrechterhaltung | IVAH

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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