Depressionen

Angst vor Depressionen

Die Depression ist trotz häufiger Erscheinung weiterhin ein Tabuthema. Wir möchten Angstpatienten die Vorteile einer Behandlung näher bringen und geben Tipps wie Sie Ängste & Schamgefühle bei Depressionen überwinden können. 

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Wann eine Depression vorliegt, ist überraschend klar festgelegt. Von einer Depression wird dann gesprochen, wenn zumindest zwei Haupt- und zwei Nebensymptome auftreten. Was die Dauer angeht, müssen die Beschwerden für mindestens zwei Wochen bestehen.

    Das Verhalten eines depressiven Menschen ist meist von Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit geprägt. Bei einer Depression treten körperliche und psychische Symptome üblicherweise in Kombination auf.

    Da unterschiedliche Arten von Depressionen existieren, gibt es auch unterschiedliche Behandlungsarten. In den meisten Fällen sind Depressionen sehr gut behandel- und heilbar.

    Welche Arten von Depressionen gibt es?

    Die Bandbreite an depressiven Störungen ist groß. Die diversen Ausformungen zeigen sich anhand unterschiedlicher Symptome, die je nach Krankheitsbild auch unterschiedlich ausgeprägt sind.

    Folgende Depressionen sind aktuell bekannt:

    Nur wenn eine depressive Störung auch korrekt diagnostiziert wird, kann sie behandelt werden. Die unterschiedlichen Ausformungen präsentieren sich auf folgende Arten:

    Unterschiede erklärt

    Welche Symptome haben Depressionen?

    Bei der Diagnose achtet der Arzt oder Therapeut auf Haupt- und Nebensymptome.

    Die Hauptsymptome einer Depression umfassen:

    Die Nebensymptome sind mannigfaltiger aber in der Diagnostik ebenso wichtig wie die Hauptsymptome. 

    Die Nebensymptome einer Depression umfassen:

    Daneben gibt es körperliche Beschwerden, die unter Umständen auf eine Depression hindeuten können.

    Beispielsweise eine bleierne Müdigkeit, Druckgefühl im Brust- und Halsbereich, Atemnot, Kreislauf- und Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Verspannungen, verminderter sexueller Appetit, Gedächtnisstörungen und Konzentrationsprobleme.

    Welche Ursachen haben Depressionen?

    Einen isolierten Grund für die Entstehung einer Depression gibt es in den meisten Fällen nicht. Üblicherweise ist es eine Kombination unterschiedlicher Faktoren. Grundsätzlich spielen sowohl innere als auch äußere Faktoren eine Rolle. 

    Veränderungen im Stoffwechsel

    Wenn es im Gehirn zu einer Veränderung des Stoffwechsels kommt, kann das die Entstehung einer Depression begünstigen. Verglichen mit gesunden Menschen ist das Level von Neurotransmittern, Serotonin, Noradrenalin und Dopamin bei Depressiven niedriger. Das zeigt sich durch deutlich verminderten Antrieb und einer eingeschränkten Fähigkeit, Zufriedenheit oder Freude zu empfinden.

    Physische Erkrankung

    Eine Schilddrüsenunterfunktion kann ebenso eine Depression auslösen, wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Schmerzen, Diabetes oder Krebs. Auch Alkohol- und Drogenmissbrauch sind oftmals die Ursache, ebenso wie die Einnahme bestimmter Medikamente.

    Psychische Belastungen

    Oftmals sind einschneidende Lebensereignisse Auslöser von Depressionen. Tod, Verlust, Trennung oder Missbrauch hinterlassen ihre Spuren in der Psyche. Dazu gibt es äußere Faktoren, welche die Entstehung einer Depression begünstigen. So kann etwa ein Mangel an Tageslicht eine klassische Herbst-Winter-Depression nach sich ziehen.

    Genetische Prädisposition

    Sind innerhalb der Familie bereits früher vermehrt Depressionen aufgetreten, kann eine genetische Prädisposition für die Erkrankung vorliegen.

    Warum hat man Angst vor einer Depression?

    Die Diagnose einer Depression geht auch heute oftmals noch mit einer gewissen sozialen Stigmatisierung einher. Das kommt nicht überraschend in einer Gesellschaft, in der „Reiß dich zusammen und stell dich nicht so an!“ ein adäquater Therapieansatz zu sein scheint.

    Zum Glück hat sich in den letzten Jahren vieles zum Positiven verändert hinsichtlich der sozialen Anerkennung der Depression als Krankheit. Das erleichtert Betroffenen den Gang zum Arzt.

    Warum eine große Zahl trotzdem weiterhin davor zurückschreckt?

    Schamgefühl:

    Das kann einerseits eben mit Schamgefühl zu tun haben. In einer Welt, die auf dem Leistungsprinzip aufgebaut zu sein scheint, schickt es sich nicht, nicht zu funktionieren. Sich einzugestehen, dass etwas nicht stimmt, ärztlichen Rat zu suchen und mit einer entsprechenden Diagnose vielleicht sogar noch an die Öffentlichkeit zu gehen, erfordert viel mehr Mut und Stärke, als eigentlich gesund sein würde.

    Angst vor der Diagnose:

    Ein weiterer Grund für die Verweigerung einer ärztlichen Untersuchung ist Möglichkeit das sich die Befürchtung bewahrheitet. Die Angst vor einer Diagnose, welche das eigene Leben von Grund auf ändern könnte. Hier hilft es, sich vor Augen zu führen, was die Alternative wäre. Als Betroffener ist man sich ja schon darüber im Klaren, dass etwas nicht stimmt. Überlässt man dieses Problem sich selbst, lässt man es ungehindert wachsen, kann es eines Tages überhandnehmen. Verdrängung ist in keinem Krankheitsfall eine gute Idee. Und ganz besonders nicht bei einer Depression.

    Unwissenheit:

    Dann gibt es noch die Unwissenheit. Die meisten Menschen wissen wohl kaum über die Symptome einer Depression oder deren Anfänge Bescheid. Die Diagnose ist auch nicht so einfach, sie in Eigenregie zu treffen beinahe unmöglich. Deshalb schieben die meisten Betroffenen ihre Beschwerden auf andere Gründe, übersehen gleichzeitig aber das zu Grunde liegende Problem. Es ist also weniger Angst vor einer Diagnose, sondern vielmehr fehlendes Problembewusstsein.

    Wie kann der Arzt eine Depression feststellen?

    Die Diagnose einer Depression ist keine besonders einfache Angelegenheit.

    Allgemeinmediziner stoßen dabei oft an ihre Grenzen, da sich Depressionen auch in körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Druckgefühlen auf der Brust oder Atembeschwerden manifestieren. Die Aufmerksamkeit wird auf die Symptome und nicht auf die Ursachen gelegt. 

    Deshalb ist es ungemein wichtig, sich beim Verdacht auf Depressionen auch an Fachleute zu wenden. Im Zentrum der psychotherapeutischen Problemfindung steht ein ausführliches Gespräch.

    Dabei achtet der Spezialist nicht nur auf das gesprochene Wort, sondern auch auf Faktoren wie das allgemeine Verhalten, die Sprache selbst, die Kleidung oder die Körperhaltung. Oft wenden sich Therapeuten auch an enge Bezugspersonen der Patienten. Die können danke ihrer Beobachterperspektive Veränderungen in der Persönlichkeit oder im Verhalten gut erkennen und schildern. 

    Ehrliche Kommunkation

    Je ehrlicher der Betroffene im Gespräch ist, desto klarer wird das Bild, welches der Therapeut zeichnen kann. Liegt eine Depression vor? Wenn ja, wie schwer ist der Patient erkrankt? Die Offenheit ist auch wichtig, um etwaige andere Ursachen für depressive Verstimmungen ausschließen zu können. 

    Der Spezialist arbeitet im Gespräch Punkt um Punkt seines Fragenkatalogs ab. „Haben Sie Zukunftspläne?“ ist dabei eine ebenso gängige Frage wie „Haben Sie zuletzt die Freude an Ihren Hobbys verloren?“, „Fühlen Sie sich oft schuldig?“ oder „Schlafen Sie aktuell besser oder schlechter als sonst?“

    Zwei Fragen für die „Selbstdiagnose“

    Im Bereich der Psychotherapie existiert der sogenannte „Zwei-Fragen-Test“. Mit seiner Hilfe kann überraschend genau festgestellt werden, ob einer Person depressiv ist oder nicht.

    Wer beide Fragen für sich selbst mit „Ja“ beantworten kann, der sollte sich um einen Psychotherapie-Termin bemühen. Eine Verbesserung ist bei einer frühzeitigen Behandlung sehr wahrscheinlich.

    Wie kann eine Depression behandelt werden?

    Die gute Nachricht: Depressionen sind heute gut behandelbar. Egal, um welche Ausformung es sich auch handelt. Grundsätzlich stehen vier Ansätze zur Verfügung.

    Die jeweils passende Therapieform legen Patient und Arzt/Therapeut am besten gemeinsam fest. Entscheidungsgrundlage ist ein ausführliches und offenes Beratungsgespräch.

    Psychotherapie bei Depressionen

    Die Überwindung zur Psychotherapie gegen Depressionen kann sich nur lohnen. Noch immer gilt die psychologische Behandlung als die effektivste langfristige Behandlung von Depressionen.

    Zentrales Instrument ist das Gespräch, der Rahmen kann dabei stark variieren (Einzel-, Paar-, Gruppentherapie). Innerhalb des großen Themenbereichs „Psychotherapie“ existiert wiederum eine große Bandbreite an diversen Ausformungen/Ansätzen. 

    Verhaltenstherapie

    Bei der kognitiven Verhaltenstherapie wird beispielsweise versucht, depressive Denk- und Verhaltensmuster aufzuspüren und sie nach und nach zu ändern.

    Psychotherapie

    Mit der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie und der analytischen Psychotherapie sollen über einen längeren Zeitraum unbewusste Konflikte entdeckt und bearbeitet werden.

    Umfeldanalyse

    Die systemische Therapie setzt nicht nur beim Patienten selbst an, sondern nimmt auch dessen Umfeld unter die Lupe.

    Interpersonellen Psychotherapie

    Der interpersonellen Psychotherapie liegt die Annahme zugrunde, dass eine Depression mehrere Ursachen hat. Sie ist eine Mischform aus Verhaltenstherapie und psychodynamischer Therapie.

    Gesprächspsychotherapie

    Die Gesprächspsychotherapie ist auch unter der Bezeichnung „klientenzentrierte Psychotherapie“ bekannt. Dabei wird versucht, das Selbstbild mit dem realen Bild des Patienten in Einklang zu bringen und den Betroffenen so weit zu stärken, dass er seine Probleme selbst lösen kann.


    Die Wirksamkeit einer Psychotherapie ist auch abhängig vom Grad der Depression. Besonders bei leichten und mittelschweren Krankheitsbildern ist die Erfolgsaussicht hoch. Die Psychotherapie weist zudem einen höheren Schutz vor einem Rückfall auf als rein medikamentöse Behandlungen.

    Nicht alle Menschen sind allerdings gleich gut für eine Psychotherapie geeignet. Offenheit, Motivation sowie die Bereitschaft und überhaupt das Vorhandensein der Fähigkeit zur Selbstreflexion sind Grundvoraussetzungen.

    Medikamente bei Depressionen

    Durch die medikamentöse Behandlung von Depressionen wird mittels chemischer Prozesse in den Gehirnstoffwechsel eingegriffen.

    Meist werden dabei die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin beeinflusst. Die sogenannten „Antidepressiva“ müssen konstant über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, erste Verbesserungen zeigen sich meist schon in der ersten oder zweiten Woche.

    Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Präparaten, die natürlich auch auf unterschiedliche Arten wirken.

    Alternative Methoden bei Depressionen

    Neben den zwei Hauptansätzen gibt es noch weitere Möglichkeiten, eine Depression zu behandeln.

    Bei der Elektrokrampftherapie (EKT) steht ein durch kurze Stromreize ausgelöster epileptischer Anfall im Mittelpunkt. Durchgeführt wird die Behandlung unter Vollnarkose. Die Wachtherapie setzt auf Schlafentzug und bringt kurzfristig gute Ergebnisse, allerdings dauern die positiven Effekte nicht lange an.

    Die Lichttherapie wird besonders während der dunklen Jahreszeit angewendet und soll gegen saisonal abhängige Depression helfen.

    Die repetitive transkranielle Magnetstimulation ist verhältnismäßig neu. Magnetfelder regen dabei bestimmte Areale im Gehirn an. Im Zuge der Vagus-Nerv-Simulation wird ein Schrittmacher eingesetzt, der den betreffenden Nerv mittels elektrischer Signale stimuliert.

    Sport und Bewegung

    Außerdem haben Sport und körperliche Bewegung einen positiven Einfluss auf depressive Verstimmungen. Zwar konnte noch nicht ermittelt werden, welche Arten von Bewegung in welchem Ausmaß nun genau helfen, die Grundaussage gilt dennoch: Bewegung hilft.

    Sport ist tatsächlich gut für die Psyche und für die Physis sowieso. Patienten müssen dabei keineswegs an ihre Grenzen gehen, üblicherweise reicht mäßige Bewegung aus, eine gewisse Regelmäßigkeit sollte nach Möglichkeit aber schon gegeben sein.

    Selbsthilfe bei Depressionen

    In der jüngeren Vergangenheit haben sich zu unterschiedlichen Krankheiten immer mehr Selbsthilfegruppen gebildet. So auch für Depressionen. Sich mit anderen auszutauschen zeigt Betroffenen, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind.

    Scham und Angst werden minimiert, da auf der „anderen Seite“ Menschen sitzen, denen die Situation nicht unbekannt ist, die Verständnis haben. Durch den Austausch mit Betroffenen sollen Veränderungen angestoßen werden, die bis in die persönliche Lebenswelt und den Alltag hineinreichen. 

    Üblicherweise arbeiten Selbsthilfegruppen ohne professionelle Betreuung, die beratende Kooperation mit Spezialisten ist allerdings üblich. Selbsthilfegruppen gibt es übrigens nicht nur für Patienten, sondern auch für deren Angehörige.

    Angst vor Depression: Tabu brechen, Hilfe suchen

    Auch wenn sich auf dem Gebiet in den letzten Jahren vieles zum Positiven verändert hat, gehört die Depression weiterhin zu den gesellschaftlichen Tabuthemen.

    Betroffene werden oft von Schuld- oder Schamgefühlen geplagt. Die Angst vor sozialer Stigmatisierung ist groß und verbaut vielen Patienten den Weg zur Heilung oder zumindest zur Behandlung. Das muss aber nicht sein. Niemand muss sich für eine Depression oder eine depressive Verstimmung schämen.

    Außerdem ist eine Diagnose kein finales Urteil. Denn: Eine Depression ist heute gut behandelbar. Der Bogen der zur Verfügung stehenden Therapieformen reicht dabei von Selbsthilfe über Gespräche und Psychotherapien bis hin zu Medikamenten. 

    Auch wenn sie nicht unbedingt einfach zu diagnostizieren ist, stehen Ärzten und Therapeuten heute doch recht treffsichere Instrumentarien zur Verfügung. Durch die exaktere Diagnose kann Patienten zielgerichteter geholfen werden. 

    Experten finden

    Ihr Hausarzt hilft Ihnen als erste Ansprechperson mit Sicherheit gerne weiter. Wollen Sie hingegen gleich die Meinung eines Experten einholen, dürfen wir Ihnen an dieser Stelle das Portal jemeda.de ans Herz legen.

    Dort finden Sie Ärzte zu jedem Fachgebiet und können die Suche zudem regional eingrenzen. Wir selbst arbeiten aktuell ebenfalls am Aufbau einer Ärzte-Datenbank, welche sich dann auch speziell um Patienten mit einer Arztphobie widmen. Dieses Projekt wird allerdings noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Stiftung Deutsche Depressionshilfe deutsche-depressionshilfe.de
      2. Depression – Symptome, Diagnostik, Therapie | Gelbe Liste

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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