Hämatophobie

Die Angst vor Blut

Den meisten Menschen macht der Anblick von Blut wohl nicht sonderlich viel aus. Manche Menschen fühlen sich dabei eher unwohl. Und dann gibt es noch die, die regelrechte Angst vor Blut haben. Die leiden dann unter einer sogenannten Hämatophobie oder Blutphobie. Also einer Angst vor Blut.

Wo verläuft nun die Grenze zwischen einer Abneigung und einer Phobie? Und wie kann Zweiteres behandelt werden? Dieser Artikel liefert Antworten auf alle Fragen rund um das Thema Hämatophobie.

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Menschen, die an einer Hämatophobie leiden, haben Angst vor Blut. Bei manchen reicht schon der Gedanke daran, wieder andere bekommen sogar beim Anblick von Kunstblut Probleme. 

    Eine Blutphobie zeigt sich unmittelbar durch Kreislaufprobleme, Übelkeit und Ohnmachtsanfälle. Dazu kommen (ausgeprägte) Vermeidungsstrategien, die den Alltag des Betroffenen negativ beeinflussen. 

    Bei der Hämatophobie handelt es sich um eine sogenannte zweiphasige Angstreaktion. Nachdem zu Beginn der Kreislauf massiv nach oben schießt, fällt er nur Augenblicke später stark ab. Der Körper will dadurch den Blutverlust bei Verletzungen möglichst geringhalten. Das kann so weit gehen, dass es zu einer Ohnmacht kommt. Im Normalfall tritt die erst ein, wenn es zu einem Blutverlust von etwa 30 % gekommen ist. Bei Hämatophobikern wird dieser Vorgang bereits viel früher in Gang gesetzt.

    Definition von Hämatophobie

    Viele Menschen haben im Alltag mit mehr oder weniger starken ausgeprägten Ängsten – also mit Phobien – zu kämpfen. Das Wort leitet sich vom griechischen „Phasos“ ab, was nichts anderes bedeutet als „Angst“. Auch „Hämato“ stammt aus dem Griechischen. Das üblicherweise vorangestellte Wortbildungselement wird dann verwendet, wenn es thematisch um Blut geht.

    So ist die Hämatologie eben die Lehre vom Blut und den blutbildenden Organen. Sie umfasst die Themengebiete Physiologie (Zusammensetzung, Aufgaben) und Pathophysiologie (krankhafte Veränderungen).

    Das zusammengesetzte Wort „Hämatophobie“ ist somit der medizinische Ausdruck für die Angst vor Blut. Die Blutphobie wird zur Gruppe der Blut-, Verletzungs- und Spritzenphobien gezählt und drückt sich nicht nur durch dezenten Ekel oder leichtes Unwohlsein aus.

    Die Beschwerden können deutlich stärker sein und zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen führen. Dazu später etwas mehr. Zunächst soll der Blick auf die möglichen Gründe für die Entstehung einer Hämatophobie gelenkt werden.

    Echtes Blut oder Kunstblut?

    Hämatophobiker leiden übrigens nicht nur beim Anblick von echtem Blut. Selbst Kunstblut kann Probleme verursachen. Und manchmal muss der Reiz gar nicht optischer Natur sein. Es reicht schon eine detaillierte Erzählung blutiger Ereignisse, um eine Reaktion hervorzurufen.

    Warum hat man Angst vor Blut?

    Eine klare Ursache für das Auftreten einer Hämatophobie wurde bis heute nicht gefunden. Vielmehr bietet die Wissenschaft unterschiedlichste Erklärungsansätze. Bei ihnen handelt es sich allerdings um Theorien, die bisher weder falsifiziert und verifiziert wurden.

    Die Angst vor Blut ist dabei keine Angelegenheit von entweder/oder. Also entweder leidet jemand unter dieser Phobie oder nicht. Sie kann tatsächlich oft auch erst in einer späteren Lebensphase auftreten. Zudem sind tatsächlich vermehrt Menschen betroffen, die gerade eine Trennung durchgemacht haben. 

    Prähistorisches Überbleibsel

    Manche Experten nehmen an, dass es sich bei der Blutphobie um einen Gruß unserer Vorfahren handeln könnte. Fiel ein Urahn nach einer Verletzung mit Blutaustritt in Ohnmacht, machte ihn das nicht nur für Verfolger uninteressanter. Auch die Blutgerinnung wurde dadurch beschleunigt, was die Gefahr, zu verbluten, deutlich minimierte.

    Lernprozesse

    Wie so vieles im Leben könnte eine Blutphobie auch angelernt sein. Kinder imitieren während ihrer Entwicklung ihr unmittelbares Umfeld. Lernen sie dort, dass Blut etwas ist, vor dem sie Angst haben sollen, übernehmen sie diese Verhaltensweisen unhinterfragt.

    Trauma

    Wer einen Unfall mit viel Blutaustritt erleidet oder eine schwere Krankheit durchmacht, bei der Blut eine zentrale Rolle spielt, der kann dadurch eine Hämatophobie entwickeln.

    Angst vor Blut - Was ist mit der Menstruation?

    Eine Frage, die eigentlich auf der Hand liegen würde, hat bisher in der Wissenschaft erstaunlich wenig Beachtung gefunden. Kann Sie eine Hämatophobie auslösen? Oder sie durch einen Gewöhnungseffekt möglicherweise gar kurieren? Wie gesagt: Die Publikationslage rund um die Phobie und die Monatsblutung ist aktuell leider noch viel zu dünn.

    Wie zeigt sich eine Hämatophobie?

    Wer unter einer Hämatophobie leidet, hat vermutlich mit einer Fehlschaltung im Gehirn zu kämpfen.

    Der Körper reagiert auf Blutaustritt mit der Senkung des Blutdrucks. Das hat den Zweck, den Blutverlust so gering wie möglich zu halten. Üblicherweise wird dieser Vorgang aber erst in Gang gesetzt, wenn der Verlust an die 30 % beträgt. Die Folge dieses Schutzmechanismus‘ ist eine Ohnmacht.

    Genau das ist der große Unterschied zu allen anderen Phobien. Wer beispielsweise Angst vor Spinnen, vor dem Fliegen oder dem Zahnarzt hat, der reagiert mit erhöhter Herzfrequenz. Der Kreislauf fährt nicht nach unten, sondern ganz im Gegenteil: Er fährt massiv hoch. Das ist zwar zunächst bei der Angst vor Blut auch der Fall, schon nach wenigen Augenblicken geht es allerdings abwärts. Experten sprechen deshalb von einer zweiphasigen Angstreaktion.

    Ohnmacht & weitere Symptome

    Bei von Blutphobie Betroffenen wird der Shutdown des Kreislaufs jedenfalls viel zu früh in Gang gesetzt.

    Sie fallen – wie weiter oben bereits erwähnt – oftmals schon bei der plastischen Schilderung von blutigen Verletzungen in Ohnmacht. Andere Patienten wiederum haben lediglich Probleme mit fremdem Blut, der Anblick ihres eigenen stört sie nicht. Oder: Es ist genau umgekehrt. 

    Es geht allerdings nicht immer nur um die Ohnmacht. Die Hämatophobie kann sich auf durch andere Symptome bemerkbar machen.

    Warum kann eine Hämatophobie gefährlich sein?

    Wie bei vielen anderen Phobien können auch die (potenziellen) Auswirkungen einer Hämatophobie grob in zwei Kategorien unterteilt werden: Physische und psychische Probleme. 

    Verletzungsgefahr

    Eine ganz banale Gefahr, die von einer Hämatophobie ausgeht, ist die Verletzungsgefahr. Wer beim Anblick von Blut oder beim Gedanken an Blut weiche Knie bekommt oder gar ohnmächtig wird, der kann hinfallen und sich bei diesem unkontrollierten Sturz doch ernsthaft verletzten. 

    Vermeidungsstrategien

    Die psychischen Probleme wie beispielsweise das Entwickeln von Vermeidungsstrategien können am Ende des Tages auch körperliche Probleme mit sich bringen. Von einer Hämatophobie geplagte Menschen vermeiden es nämlich meist strikt, einen Arzt aufzusuchen.

    Oft auch aus einem falschen Schamgefühl heraus. Ihre Angststörung ist ihnen peinlich. Sie wissen zwar, dass sie unbegründet ist, können aber nichts dagegen tun.

    Eine Blutabnahme stellt in so einem Setting jedenfalls ein schier unüberwindbares Problem dar, die Erstellung eines Blutbildes wird beinahe unmöglich.

    Das erschwert wiederum in unzähligen Bereichen eine umfassende und tiefergehende Diagnostik. Krankheiten bleiben lange Zeit unentdeckt und können deshalb erst viel zu spät behandelt werden.

    Oft haben Betroffene auch große Angst vor Spritzen, was bei notwendigen Impfungen natürlich alles andere als optimal ist.

    Was kann man gegen der Angst vor Blut tun?

    Die gute Nachricht: Eine Hämatophobie ist auf jeden Fall behandelbar.

    Ausgehend vom Schweregrad der Angststörung ist eine Behandlung auch gar nicht immer nötig. So lange beispielsweise eine Blutabnahme ohne große Probleme über die Bühne gehen kann, ist eigentlich alles im grünen Bereich. Mit ein wenig Unwohlsein kommt der Mensch im Allgemeinen gut zurecht. Leidet allerdings das soziale Leben oder die eigene Gesundheit unter der Blutphobie, ist es Zeit zu handeln. 

    Kognitive Verhaltenstherapie

    Die wirkungsvollste Methode ist die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei handelt es sich um eine Verbindung von kognitiver Therapie und Verhaltenstherapie. Um zu verstehen, wo die KVT ansetzt, ist es hilfreich, beide Teil-Therapien etwas näher unter die Lupe zu nehmen.

    Bei der kognitiven Therapie steht die Beschäftigung mit sich selbst im Mittelpunkt. Wer sich selbst, seine Einstellungen und die Gründe für diese Einstellungen besser kennenlernt, der kann einfacher etwas ändern.

    Sehr oft zeigen Phobie-Patienten eine Tendenz zur Verallgemeinerung und zum Schwarzmalen. Wer dieses Muster durchbrechen und anhand realistischerer Einschätzungen durchs Leben gehen kann, hat viel erreicht.

    Ziel der Verhaltenstherapie

    Die Verhaltenstherapie setzt an einem der möglichen Gründe für das Entstehen von Hämatophobie an. Am angelernten Verhalten. Wer negative Muster identifizieren kann, kann diese natürlich auch ändern. Und genau das ist das Ziel der Verhaltenstherapie.

    Gearbeitet wird in diesem Feld an Routinen, mit denen sich Betroffene im Alltag selbst beruhigen und aus belastenden Situationen herausholen können. 

    Beginn: Grundlagengespräch

    Am Beginn der kognitiven Verhaltenstherapie selbst steht ein Grundlagengespräch.

    Auf dieser Grundlage werden gemeinsam die Therapieziele und die passende Vorgehensweise festgelegt. In Stein gemeißelt ist die nicht, sie kann bei Bedarf angepasst werden.

    Hilfreich: Tagebuch

    Oft rät der Therapeut seinen Patienten dazu, ein Tagebuch zu führen. Die Einträge sind ein aussagekräftiges Spiegelbild des Betroffenen und zeigen, wie dieser die Welt sieht und Dinge um ihn herum einschätzt. Zusätzlich steht das Erlernen von Problemlösungsstrategien und Entspannungsübungen auf dem Programm. Die Therapieeinheiten finden üblicherweise in einem Wochenrhythmus statt.

    Optional: Hypnosetherapie

    Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist die Hypnosetherapie. Diese wird generell oft bei der Behandlung von Angststörungen angewendet und eignet sich deshalb auch für die Hämatophobie.

    Angst vor Blut kann überwunden werden

    Wer an einer besonders schweren Form von Blutphobie leidet, muss die Chance, im Alltag mit Blut in Berührung zu kommen, minimieren. Bei diesem Vorgehen handelt es sich um eine sogenannte Vermeidungsstrategie. Und die kann nur so lange gutgehen, wie es die eigene Gesundheit nicht betrifft.

    Spätestens dann, wenn die Angst vor Blut einer notwendigen Untersuchung im Weg steht, besteht Handlungsbedarf.

    Die gute Nachricht: Hämatophobie ist gut behandelbar!

    Eine Behandlung erfolgt entweder mittels kognitiver Verhaltenstherapie oder Hypnosetherapie.

    Verstecken Sie sich nicht aus Schamgefühl zu Hause! Es gibt nichts, weshalb sich Hämatophobiker schämen müssten. Nehmen Sie sich die Zeit, im Internet nach geeignet Ärzten in Ihrer Umgebung zu suchen.

    Wir arbeiten aktuell daran, eine umfassende Datenbank mit Ärzten für Angstpatienten aufzubauen. Noch sind wir allerdings nicht ganz fertig. 

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Hemophobia: Understanding and Overcoming Fear of Blood – healthline.com
      2. Coping With the Fear of Blood – Verywell Mind

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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