Adipositas

Angst vor Übergewicht (Adipophobie)

Viele Menschen sorgen sich um ihr Gewicht – bis zu einem gewissen Grad ist dies vollkommen normal. Die übersteigerte Angst vor Adipositas kann allerdings auch zu psychologischen Belastungen und oft sogar zur Gewichtszunahme führen. Mit starkem Übergewicht können auf Dauer ernsthafte Folgeerkrankungen einhergehen. Personen, die große Angst haben, an Gewicht zuzunehmen, entwickeln unter Umständen Essstörungen wie Magersucht und Bulimie. 

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Betroffene einer Adipophobie fürchten sich davor, an Gewicht zuzunehmen und adipös zu werden oder sind bereits übergewichtig und leiden stark darunter. Zudem sind betroffene Personen in Bezug auf die Folgen von starkem Übergewicht verängstigt. Die Ängste der Folgen von starken Übergewicht sind teilweise auch berechtigt.

    Bei Personen, die unter der Angst leiden, übergewichtig zu sein oder zu werden, nimmt der Gedanke an ihr Essverhalten einen Großteil ihres Lebens ein. Zunehmend fühlen sie sich in ihrem Körper unwohl oder verachten ihn sogar regelrecht. Die Betroffenen essen heimlich, fasten, leiden unter Heißhungerattacken und womöglich unter Magersucht oder Bulimie. Sowohl mit starkem Unter- als auch mit Übergewicht gehen schwere gesundheitliche Probleme einher, weshalb in beiden Fällen eine Therapie in Betracht gezogen werden sollte. 

    Eine Psychotherapie kann dabei helfen, Essstörungen zu behandeln. Dadurch können Betroffene die Kontrolle der eigenen Angst erlernen und ungesunde Denk- und Verhaltensmuster verändern. Zudem wird des Öfteren ein Plan erstellt, der das richtige Maß an körperlicher Betätigung und eine gesunde Nahrungszufuhr beinhaltet, sodass der Umgang mit dem eigenen Essverhalten erlernt wird.  

    Wie entsteht die Angst vor Übergewicht?

    Einige Personen, die sich übersteigerte Sorgen um ihr Gewicht machen, meiden fettreiches Essen, treiben viel Sport, machen Diäten oder fasten, um Gewichtszunahme zu verhindern.

    In einigen Fällen kann besonders Fasten und ähnliches Verhalten zu Heißhunger und daraus resultierenden Essattacken führen, welche die Frustration und Sorge der Betroffenen weiterhin steigern. Durch ein derartiges Verhalten kommt es des Öfteren zu einem Angstkreislauf, bei dem die Angst das Fasten begünstigt, welches zu Essanfällen und verstärkter Angst führt, sodass die Betroffenen auf Dauer in einer Endlosspirale gefangen sind.

    In den meisten Fällen offenbaren sich derartige Essstörungen im Alter von 15 Jahren, aber auch früher können sie bereits entstehen. Auf Dauer können Depressionen und Magersucht auftreten. Auch Bulimie ist bei Betroffenen nicht selten.

    Neben Essstörungen treten oft Persönlichkeitsstörungen und emotionale Probleme gemeinsam auf, welche sich gegenseitig begünstigen und die Situation der Betroffenen verschlimmern. 

    Ängste verstärken Übergewicht

    Mittlerweile ist bekannt, dass die Angst vor bestimmten Dingen und die Suche nach Symptomen eben jene auslösen können.

    Das permanente Kalorienzählen sorgt dafür, dass Mahlzeiten nicht mehr genossen werden können. Zudem ist es bekannt, dass Gewichtszunahme in den meisten Fällen nicht nur durch mangelnde körperliche Betätigung oder zu viel und ungesundes Essen ausgelöst wird, sondern zusätzlich auch durch die permanente Angst zu essen. Wer sich während des Essens schlecht fühlt, verbindet damit nichts schönes und neigt häufiger dazu aus Frust zu essen. 

    Auch das gesellschaftliche Schönheitsideale verstärken die Angst. Die ständige Konfrontation mit Schlankheit in Zeitschriften, Filmen und anderen Medien führt schnell dazu, das eigene Selbst infrage zu stellen und als aus der Reihe fallend abzustempeln. Personen, die sich dadurch von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen, eifern in vielen Fällen auf ungesunde Weise diesem Schönheitsideal nach. 

    Folgen der Adipophobie

    Über- als auch Untergewicht kann auf Dauer zu gesundheitlichen Problemen führen.

    Unterernährung kann aufgrund mangelnder Nährstoffzufuhr zu Muskelschwund, Haarausfall oder Hormonstörungen führen. Ständiges Erbrechen z.B. im Falle von Bulimie, schädigt zudem die Speiseröhre sowie die Zähne.

    Außerdem ist ein unterernährter Körper anfälliger für Infektionen und Krankheiten, da das Immunsystem nicht ausreichend funktionieren kann. Mangelnde körperliche und geistige Kraft sind ebenfalls Folgen von Mangelernährung. 

    Auch Übergewicht schadet dem Körper enorm und kann zahlreiche Folgeerkrankungen auslösen. Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkprobleme oder Diabetes können stark übergewichtige Personen bereits früh betreffen.

    Durch Sport und ausgewogene Ernährung kann erfolgreich versucht werden, das Gewicht in einem gesunden Rahmen zu halten. In einer Therapie kann aber erlernt werden, die Angst zu lindern, eingefahrene Verhaltensmuster zu überdenken und das Gewicht in einem konstanten und gesunden Maß zu halten oder zu reduzieren. Langfristig wird somit das Selbstwertgefühl gesteigert und ein normales und stressfreies Leben ermöglicht.

    Therapie von Adipositas

    Mithilfe einer Behandlung ist es möglich, das Gewicht auf ein gesundes Maß zu bringen und das richtige Essverhalten zu erlernen. Besonders eine ambulante Behandlung kann bei Personen, die aufgrund ihrer Angst vor Übergewicht eine Essstörung entwickelt haben, Erfolge bringen.

    Dadurch können die Betroffenen weiterhin zu Hause wohnen und sind von ihrem sozialen Umfeld umgeben, welches sie unterstützt und ihnen Kraft gegeben kann.

    Dafür wird regelmäßig die Praxis eines Arztes oder Psychotherapeuten aufgesucht, welcher als Kontaktperson medizinische Betreuung zur Überwindung der Essstörung bietet.

    Je nach Ausprägung der psychischen Erkrankung wird ein individueller Behandlungsplan erarbeitet. In den meisten Fällen umfasst die Therapie Gespräche, die eine Veränderung des Essverhaltens bewirken sollen. Dabei werden problematische Denkmuster abgewandelt, das Selbstwertgefühl des Patienten soll gesteigert werden, ein besseres Körpergefühl wird angestrebt und Themen wie eigene Identität und emotionale Probleme und Konflikte werden angesprochen und therapiert. 

    Verhaltenstherapie bei Übergewicht

    Bei Personen mit starkem Übergewicht kann ebenfalls eine Verhaltenstherapie helfen. Ohne Unterstützung fällt es den meisten Menschen sehr schwer, alltägliche Gewohnheiten zu verändern, weshalb die Hilfe eines Experten vonnöten ist.

    Dieser entwickelt neue Handlungsmuster mit dem Patienten, die beim Einkaufen der richtigen Lebensmittel bis zur Kontrolle des Ess- und Bewegungsrhythmus ansetzen.

    Ziel einer solchen Behandlung ist es, langsam und dauerhaft das Gewicht auf ein gesundes Maß zu bringen, sodass die Gefahr von Folgeerkrankungen wie Gelenkproblemen, Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesenkt wird.

    Angst vor Übergewicht: Was tun?

    Angst ist ein evolutionär bedingter Komplex, der dazu führt, dass wir kein rücksichtsloses Verhalten zeigen oder uns benehmen, als wären wir unbesiegbar und deshalb zu Schaden kommen.

    Wenn die Angst jedoch zu stark wird und anfängt, das Leben negativ zu beeinflussen oder ein normales Leben sogar unmöglich macht, ist es an der Zeit, um über helfende Maßnahmen wie eine Therapie nachzudenken.

    Niemand gibt gern zu, dass er Hilfe benötigt und es allein nicht schafft. Nichtsdestotrotz beginnt der Heilungsprozess, sobald die Einsicht erfolgt, dass die Situation ohne Hilfe nicht bewältigt werden kann. Sich einzugestehen, dass man andere braucht, ist keineswegs schwach, sondern Selbsterkenntnis zeugt von Stärke und Selbstvertrauen. 

    Schönheitsideale ignorieren

    Wichtig ist vor allem, sich nicht zu sehr an bestehenden Schönheitsidealen zu orientieren.

    Fakt ist: Nur wenige Prozent der Bevölkerung haben die angeblich perfekten Körpermaße oder ein den Idealen nach als schön geltendes Aussehen, welches in vielen Fällen extrem nachbearbeitete Models in Zeitschriften oder im Fernsehen zur Schau stellen. Somit wird dadurch nicht die Mehrheit der Bevölkerung repräsentiert. Zudem sind derartige Ideale aktuell im Wandel. Nach und nach erweitert sich das Feld an Persönlichkeiten und Charakteren, welches in den Medien präsentiert wird.

    Zudem hilft es zu bedenken, dass kaum jemand zu hundert Prozent mit dem eigenen Körper zufrieden ist. Wer allerdings unter Selbsthass oder starken Depressionen leidet, sollte über die Option einer Therapie nachdenken, um das Selbstvertrauen zu stärken und mit dem eigenen Selbst besser umgehen zu können. 

    Hilfe von Ärzten

    Leider gehen viele Menschen nicht gern zu einem Arzt. Diverse Gründe können zu einem solchen Vermeidungsverhalten führen, beispielsweise die Angst vor einer möglichen Diagnose, der Unwille, sich fremden Personen anzuvertrauen, oder eine generelle Arztphobie kann vorliegen.

    In den meisten Fällen verstärken sich die Symptome oder Beschwerden aber leider, wenn kein Spezialist hinzugezogen wird. Da es in den meisten Fällen schwierig ist, aus einem Angstkreislauf auszubrechen, wenn sich dieses Verhalten einmal eingestellt und gefestigt hat, sollte sich auf andere Weise Hilfe gesucht werden.

    Wer aus persönlichen Gründen keinen Arzt aufsuchen möchte, kann sich zunächst anderen anvertrauen. Vielen Menschen hilft es sehr, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Da ein Großteil der depressiven Personen vor allem unter Unverständnis und dem Gefühl der Isoliertheit leidet, kann bereits eine Besserung der Situation eintreten, wenn die Person mit anderen Betroffenen redet.

    Sich diesen anonym zu öffnen, fällt vielen leichter, da in derartigen Gruppen niemand verurteilt wird. Personen, die sich Fremden gegenüber nicht öffnen möchten und für die Gruppentherapien deshalb nicht infrage kommen, können sich im eigenen Umfeld eine vertraute Person suchen, beispielsweise einen guten Freund oder ein Familienmitglied. Sich den Kummer von der Seele zu reden und mit seinen Problemen und Gedanken nicht allein zu fühlen, kann bereits Wunder auf dem Weg zur Heilung bewirken. 

    Hilfe durch Psychologen

    Personen, die Angst davor haben, einen Arzt persönlich aufzusuchen, können auf telefonische oder digitale Beratung über eine Hotline oder ein Gespräch per Videocall zurückgreifen.

    Eine weitere Möglichkeit sind Internetforen und Gruppen in sozialen Netzwerken, in denen der Austausch mit anderen Betroffenen ermöglicht wird, sodass Tipps und Ratschläge eingeholt werden können.

    Wer den Entschluss gefasst hat, einen Psychologen aufsuchen, kann auf jameda.de geeignete Personen im näheren Umkreis oder auf Instahelp über das Internet suchen.

    Diese können dem Betroffenen helfen, den Umgang mit tiefsitzenden Ängsten zu erlernen, sodass die Person in ihrem Alltag nicht mehr von ihnen kontrolliert und zurückgehalten wird und in ihr normales und stressfreieres Leben zurückkehren.

    Hilfe kann sich lohnen

    Auch wenn der Gedanke, sich mit den eigenen Sorgen auseinanderzusetzen zunächst einmal sehr unangenehm klingt, sind die Aussichten auf einen angstfreien Alltag lohnend und die Geduld und Mühe sicherlich wert.  

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Adipositas und Übergewicht: Mögliche Folgen – stiftung-gesundheitswissen.de
      2. Bildnachweis: Maya Kruchankova| shutterstock.com

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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