Cardiophobie

Angst vor Herzerkrankungen

Die Cardiophobie beschreibt die Angst vor Herzerkrankungen wie einem Herzinfarkt. Die Angst vor einem Herzinfarkt kann durch hohe Belastung beim Sport verstärkt werden. Wie sich eine solche Phobie äußert und wie Sie lernen können, mit Ihrer Angst besser umzugehen, erklären wir im Artikel ausführlicher. 

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Unter einer Cardiophobie (auch Herzphobie, Herzangst oder Herzneurose), versteht man die Angst, eine Herzerkrankung zu erleiden oder einen Herzinfarkt zu bekommen. Es liegen keine körperlichen Erkrankungen vor, dennoch leiden manche Betroffene unter Beschwerden wie Herzrasen und Schmerzen in der Brust, die auf seelische Ursachen zurückzuführen sind. 

    Betroffene leiden häufig unter Panikattacken. Aus Angst, ihr Herz zu strapazieren, üben sie geringen bis keinen Sport oder andere anstrengende Aktivitäten aus. Viele betroffene Personen leiden unter ständiger Angst, was in vielen Fällen zu Depressionen führt. 

    Wer fest davon überzeugt ist, aufgrund von Beschwerden an einer Herzerkrankung zu leiden, kann sich zunächst in ärztliche Untersuchung begeben. Wenn der Arzt allerdings keine körperliche Ursache finden kann, ist das Problem meistens psychosomatisch – das bedeutet, die Beschwerden sind psychisch bedingt. Wer unter starker Angst lebt, die sein Alltagsleben erheblich einschränkt, sollte sich in psychiatrische Behandlung begeben. Wenn eine Cardiophobie unbehandelt bleibt, kann sie chronisch werden, weshalb eine Therapie zu empfehlen ist. Diese kann den Betroffenen helfen, mit ihrer Angst besser umzugehen und wieder ein normales und angstfreies Leben führen können. 

    Die Angst vor einem Herzinfarkt

    Cardiophobie ist ein Herzangst-Syndrom, das in die Kategorie der somatoformen Störungen fällt.

    Die internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) unterteilt das Herzangst-Syndrom in die Kategorien hypochondrische Störung und die somatoforme autonome Funktionsstörung. Unter die hypochondrische Störung fällt Herzangst, auch Cardiophobie oder Herzphobie genannt. Als somatoforme autonome Funktionsstörung gilt die Herzneurose, bekannt als Da-Costa-Syndrom oder Effort-Syndrom. 

    Die Betroffenen sind zumeist davon überzeugt, dass sie an einer Herzerkrankung leiden und weisen körperliche Beschwerden auf, für die keine körperlichen Ursachen gefunden werden können.

    Wie kommt es zu einer Cardiophobie?

    Verschiedene Faktoren können eine Cardiophobie begünstigen. Einerseits ist es allseits bekannt, dass Körper und Psyche sich gegenseitig beeinflussen.

    Viele Studien beweisen, dass die Angst vor etwas gewisse körperliche Reaktionen auslösen kann. Die Angst vor Herzinfarkten kann dadurch begünstigt werden, dass Personen, die beispielsweise unter Herzrasen oder Ähnlichem leiden, sich in ihrer Angst vor Herzinfarkten durch derartige Symptome bestätigt fühlen, wodurch es zu einem Angstkreislauf kommt – eine Panikattacke, die weitere Symptome auslöst, führt somit zu zunehmender Angst. 

    Familiäre Erfahrungen

    Des Weiteren können Todesfälle im Umfeld dafür sorgen, dass sich manche Menschen plötzlich verstärkt mit der eigenen Sterblichkeit beschäftigen und eine Angst vor Herzproblemen entwickeln.

    Falls jemand aus dem Freundeskreis oder der Familie an Herzproblemen leidet, kann es passieren, dass sehr sensible Personen die Verhaltensweise der Betroffenen übernehmen und deshalb eine Cardiophobie entwickeln. Besonders hoch ist das Risiko einer solchen Phobie bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben.

    Nach einem solch einschneidenden und lebensbedrohlichen Erlebnis ist das Bewusstsein, dass derartiges plötzlich eintreten kann, ebenso wie die Angst vor einem weiteren Herzinfarkt sehr nachvollziehbar.

    Dennoch darf eine Herzphobie nicht dazu führen, dass man sein Leben durch ständige Todesangst nicht mehr genießen kann. 

    Kindheit

    Zuletzt können bestimmte Verhaltensweisen in der Kindheit dazu führen, dass Ängste entwickelt werden. Dominante Eltern oder Vernachlässigung vonseiten der Familie bewirkt unter Umständen, dass die Kinder keine Bewältigungsstrategien erlernen.

    Stattdessen ist es möglich, dass eine Art Abwehrmechanismus stattfindet, infolgedessen die Kinder tiefgreifende Ängste produzieren, statt sich mit realen Problemen auseinanderzusetzen. Diese Ängste können eine Herzphobie begünstigen.

    Viele Menschen leiden unter einer Cardiophobie und sind somit in ihrem alltäglichen Leben durch ihre Angst stark eingeschränkt. Glücklicherweise ist es durch eine therapeutische Behandlung problemlos möglich, den richtigen Umgang mit der Angst zu erlernen und dadurch wieder ein stressfreies Leben führen zu können. 

    Cardiophobie durch Hochleistungssport

    Einige Extremsportarten wie High Intensity Interval Training (HIIT) stellen eine starke Belastung für den Körper dar. Viele Menschen fürchten sich deshalb, durch anstrengende Sportarten mit einer hohen Herzfrequenz einen Herzinfarkt zu erleiden.

    Plötzliche Herzinfarkte können während des Trainings auftreten, wenn unsportliche Menschen rasant ihr Training beginnen und von ihrem untrainierten Körper Höchstleistungen erwarten. Wer langsam einsteigt und sein Training von Woche zu Woche steigert, läuft für gewöhnlich keine Gefahr. 

    Ist Sport gut oder schlecht für das Herz?

    Generell gilt regelmäßige sportliche Betätigung als Präventionsmaßnahme für Herzprobleme. Bei Personen, die ausreichend Sport treiben, erhöht sich die Herzfrequenz und die Blutgefäße weiten und stabilisieren sich langfristig. Somit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Gefäße verstopfen.

    Regelmäßiges Training senkt das Risiko für Herzinfarkte. Dennoch gilt: nicht zu viel des Guten. Übermäßiges Training kann Entzündungsreaktionen im Körper verursachen und Verkalkungen der Herzkranzgefäße begünstigen. Dies betrifft aber nur Menschen, die viel trainieren, vor allem Ausdauersportler wie Marathonläufer oder Triathleten. 

    Nichtsdestotrotz unterscheiden sich die Kalkablagerungen bei Sportlern von den Gefäßablagerungen bei Nicht-Sportlern: Bei Sportlern sind sie stabiler und reißen weniger leicht ein. Demnach ist das Risiko eines Herzinfarktes bei Extremsportlern immer noch erheblich geringer als bei unsportlichen Menschen.

    Eine Cardiophobie kann sowohl geübte Sportler als auch Trainingsanfänger betreffen. Wer sich durch Herzangst nicht mehr traut, sich körperlich zu betätigen, kann eine Therapie in Betracht ziehen.

    Symptome einer Cardiophobie

    Die Betroffenen leiden unter ständiger Angst vor Herzerkrankungen oder Herzinfarkten. Dies kann Panikattacken auslösen, zu denen außerdem Begleiterscheinungen auftreten.

    Die Personen, die der Ansicht sind, an einer schweren Herzerkrankung zu leiden, weisen deshalb tatsächlich passende Symptome auf – beispielsweise Herzrasen, Schwindel, Schmerzen im Brustkorb und Atemnot. Die Betroffenen bilden sich keine Symptome ein, sondern sie liegen tatsächlich vor.

    Allerdings lassen sich die Beschwerden bei einer Cardiophobie nicht auf eine Herzerkrankung zurückführen, sondern haben psychische Ursachen und werden durch unterbewusste Angst verursacht. Die körperlichen Beschwerden treten meist anfallsartig auf, oft nachts. Die Symptome können dabei variieren. 

    cardiophobie

    Betroffene fühlen sich oft unverstanden und in ihrer Angst allein gelassen. In solchen Situationen ist es oft hilfreich, sich mit anderen unter Herzangst leidenden Personen auszutauschen. Die Erkenntnis, dass man mit seinen Beschwerden nicht allein ist, kann bereits sehr beruhigend sein. Im Übrigen ist auch eine Therapie ratsam, um die Angst zu lindern und das richtige Verhalten im Falle einer Panikattacke einüben zu können. 

    Was bewirkt eine Cardiophobie?

    Personen, die an einer Cardiophobie leiden, erleben starke Einschränkungen in ihrem Alltag. Da die ständige Angst vor einem Herzinfarkt oder anderen Herzerkrankungen zu ihrem Begleiter wurde, ziehen sich Betroffene oft vollständig aus ihrem sozialen Umfeld zurück und leben in Isolation. Sie geben ihre alltäglichen Beschäftigungen auf und treiben oft keinen Sport, da sie befürchten, der erhöhte Puls und die körperliche Belastung würden ihr Herz womöglich zu stark strapazieren.

    Dies ist besonders problematisch, da mangelnde körperliche Fitness das Risiko für Herzinfarkte erhöht. 

    Betroffene leiden zudem des Öfteren unter Panikattacken, mit denen Begleiterscheinungen wie Herzrasen, Schmerzen oder Engegefühl in der Brust und Atemnot einhergehen. Viele Betroffene leben in dauerhafter Todesangst. Depressionen können die Folge sein.

    Wie wird eine Herzphobie diagnostiziert?

    Zunächst muss ausgeschlossen werden, dass die Symptome keine körperlichen Ursachen haben. Dafür untersucht ein Herzspezialist das Organ. Dieser Kardiologie hört das Herz ab und misst den Puls und Blutdruck. Anschließend wird zumeist ein EKG bzw. ein Belastungs-EKG angeordnet.

    Dies beinhaltet, dass unter Belastung und im Ruhezustand ein Gerät die Arbeitsweise des Herzens überwacht und feststellt, ob Herzrhythmusstörungen oder ähnliche Probleme vorliegen. Zudem wird das Blut analysiert.

    Wenn keine dieser Untersuchungen eine mögliche Ursache für die Beschwerden findet, können weitere folgen, beispielsweise eine Kernspintomografie, Herzultraschall, eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs oder eine Herzkatheteruntersuchung. Falls diese ebenfalls kein Resultat zutage fördern, kann eine Cardiophobie die Ursache des Problems sein.

    Der behandelnde Arzt überweist daraufhin den Patienten an einen Psychiater oder Psychologen, welcher in einem persönlichen Gespräch mit dem Betroffenen die Diagnose stellen und die Phobie behandeln kann. Die vielen körperlichen Untersuchungen, die notwendig sind, um eine Cardiophobie zu diagnostizieren, können leider unter Umständen strapazierend sein.

    Nichtsdestotrotz lohnt es sich, diesen Prozess zu durchlaufen, damit Betroffene die nötige Hilfe bekommen, um ihre Ängste zu lindern und ein stressfreies Leben führen zu können. 

    Wie wird eine Cardiophobie behandelt?

    Bei einer Therapie ist der erste Schritt, den Patienten zu verdeutlichen, dass ihre Probleme psychisch bedingt sind und keine körperliche Ursache haben. Dies zu realisieren ist sehr wichtig, da die Betroffenen andernfalls kaum in die Therapie einwilligen werden, weil sie nicht für nötig gehalten wird.

    Anschließend lernen die Betroffenen die richtige Deutung ihrer Herzbeschwerden, indem tief verwurzelte innere Konflikte und unterbewusste Ängste aufgearbeitet werden.

    Zudem werden Entspannungstechniken wie Yoga oder Freizeitsportarten wie Walken oder Schwimmen als Selbsthilfe angewendet – dies soll bewirken, dass der Patient ein besseres Körpergefühl entwickelt. Somit wird das Selbstvertrauen gestärkt und die ständige Angst vor Herzinfarkten verschwindet langsam. 

    Die Einnahme von Medikamenten ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Lediglich wenn andere Therapiekonzepte nicht die gewünschte Wirkung erzielen, kann eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden. 

    Hilfe suchen

    Betroffene, die unter einer Cardiophobie leiden und sich vor Herzerkrankungen fürchten, brauchen sich keineswegs zu schämen, denn dies geht vielen Menschen so. Falls die Angst überhand nimmt oder im Alltag zu Problemen führt, ist es ratsam, Hilfe zu suchen.

    Betroffene, die unter einer Herzphobie leiden, können mithilfe eines Experten lernen, mit der Phobie besser umzugehen, sodass der Alltag einfacher wird. Möglich ist außerdem der Besuch von Selbsthilfegruppen. Vielen Menschen hilft es, sich zunächst mit anderen Betroffenen auszutauschen und somit die Erfahrung zu machen, dass sie mit ihren Problemen und Ängsten nicht allein sind. 

    Personen, die sich vor einer Therapie fürchten, hilft es vielleicht, sich daran zu erinnern, dass ein Leben ohne Ängste sehr viel einfacher und erträglicher ist. Denken Sie zudem daran, dass die Experten täglich mit Leuten, die unter den gleichen oder ähnlichen Problemen leiden, zu tun haben.

    Die Tatsache, dass für Therapeuten die ärztliche Schweigepflicht gilt, kann ebenfalls ein sehr beruhigender Gedanke sein. Zudem empfinden es viele Patienten generell als hilfreich, jemandem ihre Ängste mitzuteilen, der Verständnis dafür aufbringt und gemeinsam mit der betroffenen Person eine Lösung entwickelt.

    Wenn Sie es schaffen, ihre Angst vor dem Arztbesuch und einer Therapie zu überwinden, sind die Aussichten sehr lohnend.

    Online Hilfe

    Wer sich aufgrund einer Arztphobie nicht traut, einen Arzt oder Therapeuten aufsuchen, kann sich über das Internet Hilfe suchen und an Online-Coachings oder einer telefonischen Beratung teilzunehmen.

    Zudem existieren viele Hotlines für Betroffene, an die sich der Patient in einem dringenden Notfall anonym wenden kann.

    Auf jameda.de können Patienten selbstständig Ärzte in Ihrer Umgebung finden und Erfahrungsberichte lesen. Auf Instahelp.me können online Psychologen in Anspruch genommen werden. 

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Belastungs-EKG – Wie funktioniert es? | Praxis KardioMUC
      2. Belastungs-EKG: Was es sagt und was nicht | Kardiologie.org

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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