Tomophobie

Angst vor Operationen und medizinischen Eingriffen

Die Angst vor Operationen verleitet Menschen dazu, chirurgische Eingriffe aufzuschieben. Dies kann jedoch die Gesundheit gefährden. Darum kann es in einigen Fällen sehr wichtig sein, die Tomophobie zu überwinden.

Wir klären über die Ursachen und Symptome einer Tomophobie auf und geben wertvolle Tipps zur Überwindung

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Wörtlich übersetzt bedeutet Tomophobie Angst vor Schnitten. Der Begriff bezieht sich auf die Angst vor medizinischen bzw. chirurgischen Eingriffen. Es handelt sich um eine spezifische Phobie, also um eine übersteigerte Angst vor Operationen.

    Tomophobiker verspüren einen starken Drang, zu fliehen, wenn ihnen eine Operation bevorsteht. Sie schieben den OP-Termin auf und versuchen, ihn komplett zu vermeiden. Im Verhältnis zum Ausmaß der vermeintlichen Gefahr ist die Phobie jedoch stark übertrieben, vor allem, wenn ein lebenswichtiger Eingriff nötig ist.

    Wenn die Angststörung die medizinischen Möglichkeiten einschränkt, ist eine Therapie nötig. Als besonders wirksam hat sich die kognitive Verhaltenstherapie bewährt, oft in Kombination mit einer Exposition. Für Erwachsene und Kinder, die unter Tomophobie leiden, ist eine Visualisierung hilfreich.

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    Symptome einer Tomophobie

    Die meisten Menschen haben Angstgefühle, wenn ein medizinischer Eingriff geplant ist. Doch wenn der normale Grad der Angst überschritten wird, kann diese übersteigerte Furcht zu einem gesundheitsbedrohenden Vermeidungsverhalten führen.

    Anstatt sich ärztlich untersuchen zu lassen, verschieben die Phobiker den nächsten Arzttermin und weichen der Operation aus.

    In einem solchen Fall empfehlen die Mediziner möglicherweise eine genauere Untersuchung der Patienten. Denn die Tomophobie braucht ebenso wie andere Angststörungen eine gezielte Therapie, um überwunden zu werden. Nur dann kann der Arzt den möglicherweise lebensrettenden Eingriff durchführen.

    Typische Symptome:
    Erwachsene versuchen oft, ihre Angstsymptome zu unterdrücken. Bei Kindern kann es passieren, dass sie zu schreien beginnen oder aus dem Behandlungsraum fliehen.
    Verknüpfung mit einer Arztphobie

    Oft geht die Tomophobie mit einer Arztphobie einher. Die Betroffenen haben also nicht nur Angst vor Operationen, sondern auch vor medizinischen Diagnosen und Behandlungen. Dies ist ein großes Risiko für die Gesundheit, denn die wenigsten Menschen sind langfristig gesund und können dauerhaft auf ärztliche Hilfe verzichten.

    Leben mit einer Tomophobie

    Vor einem Arztbesuch machen sich viele Menschen Sorgen. Manche Personen können kein Blut sehen, andere befürchten, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hat. Diese Bedenken sind keine Seltenheit und werden als Normal angesehen.

    Doch bei der Tomophobie ist die Angst übermäßig groß. Sie beeinträchtigt das vernünftige Handeln und bringt die Betroffenen dazu, selbst lebenswichtige Eingriffe aufzuschieben.

    In einigen Fällen scheint die Angst vor Operationen rationale Gründe zu haben: Möglicherweise ist der medizinische Eingriff schmerzhaft oder er beeinträchtigt zumindest zeitweise die Beweglichkeit.

    So ist es nicht verwunderlich, dass Tomophobiker auf regelmäßige Arztbesuche verzichten. Lieber nehmen sie Krankheitssymptome in Kauf, als dass sie sich „unters Messer legen“.

    Angst vor irrational

    Bei einem genauen Blick auf die Möglichkeiten der modernen Medizin wird deutlich, wie übertrieben die Angst vor chirurgischen Eingriffen ist. Immer kleiner sind die Schnitte und immer effizienter sind die Behandlungsmethoden und die Chancen auf Heilung.

    Tomophobie kann Lebensbedrohlich sein

    Die meisten Phobien beeinträchtigen die alltäglichen Aktivitäten. Bei der Tomophobie sieht es anders aus: Diese Angststörung nimmt Einfluss auf den Gesundheitszustand der Betroffenen. Das vermeiden von Operationen kann lebensbedrohliche Folgen haben.

    Keine Angst vor Routineeingriffen

    Die Angst vor Operationen macht die nötigen chirurgischen Behandlungen zum Problem.

    Doch wer einen Blick auf die OP-Statistiken wirft, erkennt, dass es sich oft um Routineeingriffe handelt. Zu den häufigsten vollstationären Operationen gehören Eingriffe an der Wirbelsäule, Behandlungen am Auge und an der Nase sowie Herzschrittmacher-OPs.1Die 50 häufigsten Operationen der vollstationären Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern | gbe-bund.de

    Auslöser der Angst vor Operationen

    Die Ursachen und Auslöser der übermäßigen Angst vor operationellen Eingriffen ist schwer zu ergründen. Doch die Psychologen vermuten oft ein traumatisches Erlebnis.

    Wer beispielsweise einen schmerzhaften Stich oder Schnitt hinter sich hat, bei dem steigert sich die Angst. Auch eine frühere OP mit negativem Verlauf kann Tomophobie auslösen.

    Wenn der Körper auf den Angstauslöser überreagiert, sprechen Mediziner von einer vasovagalen Synkope. Dadurch kommt es zu Herzrasen oder zum Blutdruckabfall. In der Folge verlieren die Betroffenen vor Schmerzen oder Angst ihr Bewusstsein. Auch dies löst womöglich ein Trauma aus.

    Solche Erfahrungen führen dazu, dass empfindliche Menschen eine verstärkte Angst entwickeln, beispielsweise Tomophobie oder Trypanophobie (Angst vor Spritzen).

    Angst vor den Folgen einer Operation:

    Ein weiterer möglicher Grund ist eine unerwünschte Folge einer medizinischen Behandlung, auch iatrogenes Trauma genannt. Wer diese Erfahrung macht, bei dem wächst die Angst, dass die Medizin eher einen Schaden anrichtet als nutzt.

    Diagnose einer Tomophobie

    Die Diagnose der Tomophobie basiert auf der genauen Definition von Angststörungen. Dabei orientieren sich die Psychologen an den Subtypen der spezifischen Phobien.

    Das reine Angstempfinden ist oft noch kein Hinweis auf eine Phobie. Doch wenn die Patienten ein bestimmtes Vermeidungsverhalten zeigen und Zeichen der Beeinträchtigung auffallen, sind dies deutliche Hinweise auf eine Angststörung.

    Die Angst vor Operationen wirkt sich nicht direkt auf das Alltagsleben aus. Doch sie schränkt die Fähigkeit ein, sich um die angemessene medizinische Versorgung zu kümmern. Daher diagnostizieren die Psychologen oder Psychotherapeuten in einem solchen Fall die Tomophobie und empfehlen eine zielorientierte Therapie.

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    Tipps gegen Angst vor Operationen

    Eine leichte Tomophobie lässt sich auch aus eigener Kraft überwinden. Es gibt ein paar nützliche Tipps die dabei helfen können die Angst vor einer Operation zu reduzieren. 

    Dabei helfen vor allem:
    Ängste unbedingt überwinden

    Die übersteigerte Angst vor einem medizinischen Eingriff kann lebensbedrohlich werden. Darum sollten die Tomophobiker rechtzeitig handeln und mit ihrem Arzt über das Problem sprechen. So lässt sich die Angst bewältigen und eine angemessene ärztliche Behandlung ist möglich.

    Gesundheit geht vor

    Wer jemanden kennt, der vor Ärzten und Operationen Angst hat, sollte das Gespräch suchen und auf die gesundheitlichen Gefahren hinweisen.

    Die Phobie mag im gewissen Maß begründet sein, sie darf jedoch keine lebensrettenden Maßnahmen behindern. Wenn die Angstpatienten die Gefahr erkennen, können sie in Notsituationen ihre Panik überwinden und ärztliche Hilfe annehmen – ohne Angstsymptome.

    Behandlung der Tomophobie

    Wenn die Tomophobie zum Hinderungsgrund für eine nötige medizinische Behandlung wird, brauchen die Betroffenen professionelle Unterstützung. Mit einer Psychotherapie gewinnen die Angstpatienten mehr Sicherheit und sehen der Operation etwas entspannter entgegen.

    Psychotherapie – kognitive Verhaltenstherapie

    Die kognitive Verhaltenstherapie – kurz CBT – führt bei der Behandlung von spezifischen Phobien zu einer deutlichen Verbesserung. Die Therapeuten arbeiten eng mit den Angstpatienten zusammen. Eingeschliffene Denkmuster und übermäßige Ängste lassen sich allmählich überwinden und verändern.

    Exposition und Visualisierung

    Viele Psychotherapeuten setzen bei der Angstbewältigung auf die expositionsbasierte Behandlung. Hier kommen systematische Techniken zur Desensibilisierung zum Einsatz, um die Betroffenen auf den operativen Eingriff vorzubereiten. Sehr hilfreich ist dabei die Visualisierung des anstehenden Ereignisses.

    Fotos oder Videos vom medizinischen Eingriff helfen dabei, die Behandlung zu verstehen: Verständnis schwächt die Angst vor dem Unbekannten. Im Rahmen der systematischen Desensibilisierungstechniken sehen sich die Betroffenen Bilder und Filme von Injektionen an. Diese Art der Exposition oder Konfrontation löst zunächst einen gewissen Schrecken aus, doch mit der Zeit lässt das Angstgefühl nach.

    Medikamente vor Operationen

    Abhängig vom Schweregrad der Tomophobie können die Ärzte oder Psychotherapeuten Medikamente für die Einnahme vor einer Operation verschreiben.

    Diese meist verschreibungspflichtigen Medikamente sollen die Nerven beruhigen und die Angstzustände vor der Operation lindern. Meist können die Medikamente auch direkt vor Ort eingenommen werden.

    Medikamente in Extremfällen ratsam

    Wenn eine möglichst baldige Operation wichtig ist, sind Medikamente empfehlenswert. In bestimmten Fällen kann ein Aufschub des Operationstermins sehr riskant sein. Dann fehlt die Zeit für eine langfristige Therapie, sodass Medikamente die bessere Lösung sind.

    Psychologen kontaktieren

    Um eine Therapie zu beginnen kann ein Termin mit Psychologen ausgemacht werden. Wer unter einer Arztphobie leidet und nicht gerne mit Ärzten oder Therapeuten spricht kann sich in unserer Selbsthilfe Tipps gegen die Angst vor Ärzten einholen. 

    Auf Jameda.de lassen sich Psychologen in unmittelbarer Nähe finden. Doch auch über das Internet können Psychologen für ein Beratungsgespräch kontaktiert werden. Über das Internet profitieren Betroffene von einer schnellen Terminvergabe und einer gewissen Anonymität

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      Quellen:

      1. Die 50 häufigsten Operationen der vollstationären Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern | gbe-bund.de
      2. Tomophobia: Understanding the Fear of Medical Procedures – healthline.com

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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