Höhenangst

Angst vor Höhen (Akrophobie)

Wer mit Höhenangst zu kämpfen hat, fühlt sich in großen Höhen extrem unwohl. Diese Angst ist auch als Batophobie bzw. Bathophobie bekannt, die Angst vor Tiefen und Schwindel.

Wir erklären die Auslöser, Symptome und Ursprünge der Höhenangst. Außerdem geben wir wertvolle Tipps zur Überwindung der Höhenangst und erklären wie eine therapeutische Behandlung erfolgen kann. 

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Bei der Akrophobie handelt es sich um eine spezifische Angststörung. Die Betroffenen fürchten sich in großen Höhen. Die Angstzustände erschweren es ihnen, bestimmte Aktivitäten auszuführen. Das gilt vor allem die Personen, die schon Probleme mit geringeren Höhen haben. Diese vermeiden es, auf Leitern zu steigen oder auf einen Balkon zu treten.

    Wer unter Akrophobie leidet, gerät auf Berggipfeln oder auf Türmen ins Schwitzen. Oft kommt es zu Schwindelgefühlen, begleitet von Herzrasen, Atemnot und Benommenheit.

    Normalerweise ist die Akrophobie eine erlernte Angststörung. Das bedeutet, dass sie sich aktiv abtrainieren lässt. Durch Exposition in Verbindung mit einer Verhaltenstherapie finden die Betroffenen ihre Sicherheit wieder. Auch Entspannungstechniken helfen dabei, die Höhenangst zu überwinden. Dafür ist jedoch Geduld nötig: Um langjährige, gewohnte Ängste loszuwerden, braucht es Zeit.

    Jeder hat seine eigene Angsthöhe

    Viele Angstpatienten fühlen sich erst in großen Höhen bedroht. Doch die Angsthöhe kann auch deutlich niedriger liegen. Einigen bricht schon auf einem Balkon im ersten Stock der Schweiß aus.

    Habe ich Höhenangst?

    Ist meine Höhenangst normal oder übertrieben?

    Die Angst vor Höhe basiert auf einer realen Angst und hat damit eine gewisse Berechtigung. Ohne diese Furcht würden sich die Menschen gedankenlos in Gefahr begeben, weil sie zu nah an einen Abgrund treten oder nicht aufpassen.

    Beim Bergsteigen ist die Angst ein Warnsignal: Sie sorgt dafür, dass die Menschen vorsichtig sind. Verantwortlich dafür ist der Überlebensinstinkt.

    Bei der Akrophobie handelt es sich jedoch um eine unangemessene, übertriebene Furcht. In den meisten angstauslösenden Situationen besteht keine Gefahr oder zumindest nur ein minimales Risiko.

    Höhenangst – eine evolutionär bedingte Angst?

    Wissenschaftler vermuten, dass die Akrophobie nicht unbedingt eine psychische Erkrankung sein muss. Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass es sich um eine begründete Reaktion handeln könnte, die mit falschen Einschätzungen von Distanzen und Höhen zu tun hat.

    Realität, Angstgefühle und Erkenntnisse

    Bei einigen Angstpatienten löst die Akrophobie nur im Freien die typischen Symptome aus. Das bedeutet, dass diese Phobiker keine Probleme haben, wenn sie sich in einem hohen Gebäude aufhalten und hinausschauen.

    Offensichtlich basiert die Akrophobie auf falschen Verknüpfungen, die sich im Laufe der Zeit verfestigt haben. Das Problem ist, dass die Betroffenen der Höhensituation ausweichen, weil sie die Angst nicht aushalten können.

    Der Fluchtreflex bzw. die Vermeidung können jedoch die Phobie verstärken. Hier zeigt sich, wie stark die Angst vor der Angst das Leben beeinflussen kann.

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    Höhenangst und Höhenschwindel

    Der Höhenschwindel hat nichts mit der Höhenangst zu tun. Er wird von den Sinnesorganen ausgelöst, die dafür zuständig sind, die eigene Position und Bewegungsrichtung zu bestimmen. Die Sinne sind fein ausbalanciert, doch dieses Gleichgewicht kann durch verschiedene Faktoren gestört werden: ein schwankender Untergrund oder eine Fahrt im Zug.

    Auf die Störungen reagiert der Organismus mit Schwindel, der bis zum Unwohlsein und zur Übelkeit führen kann. Auch der Aufenthalt auf einer ungewohnt hohen Position kann die Balance der Sinnesorgane durcheinanderbringen. Der Blick in die Tiefe löst ein Gefühl aus, zu fallen – doch die anderen Sinne melden, dass der Körper an seinem Standort bleibt. Das Gehirn gerät durch diese verschiedenen Wahrnehmungen aus dem Takt: So kommt es zum Höhenschwindel.

    Wenn Höhenschwindel Angst auslöst

    Die von der Höhe verursachten Schwindelgefühle können eine Angstreaktion auslösen: Der Körper schüttet Stresshormone aus, sodass sich Atem und Puls beschleunigen. Wenn noch ein Gefühl von Hilflosigkeit dazu kommt, kann aus dem Höhenschwindel eine ausgeprägte Akrophobie werden.

    Der Vertigo-Effekt

    Alfred Hitchcock gelang es, den Höhenschwindel für den Film Vertigo durch einen perspektivischen Trick visuell darzustellen: Damit wirkt die verzerrte Sinneswahrnehmung sehr authentisch.

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    Auslöser von Höhenangst

    Die auslösenden Situationen sind sehr unterschiedlich, denn jeder Angstpatient hat seine eigene Schmerzgrenze bzw. Angsthöhe.

    Typische Angst-Orte für Akrophobiker sind:
    Höhenangst und andere Phobien:

    Oft geht die Akrophobie mit anderen Angststörungen einher, zum Beispiel mit Flugangst oder mit der Angst vor Kontrollverlust.

    Ursachen von Höhenangst

    Für die Angst vor Höhen kann es verschiedene Ursachen geben. Teilweise haben die Betroffenen eine angeborene Hochsensibilität, die das Wohlbefinden beeinflusst.

    In anderen Fällen entsteht die Akrophobie durch frühere Unfälle bzw. Stürze. Geschichten von verunfallten Bergwanderern oder Bilder von schrecklichen Hochhaus-Katastrophen können die Höhenangst noch verstärken.

    Wie anfällig die Menschen für Angststörungen sind, zeigt sich oft schon in der Kindheit. Psychisch labile Kinder lassen sich leicht von übervorsichtigen Eltern beeinflussen und halten automatisch großen Abstand zum Balkongeländer.

    Beispiele für Höhenangst

    Wer unter Höhenangst leidet, fürchtet sich davor, von einem Berg, von einem hohen Abgrund oder über ein Geländer zu stürzen. Die Betroffenen halten sich lieber im Hintergrund, anstatt die Aussicht von oben zu genießen.

    Andere Menschen reden beruhigend auf die Angstpatienten ein: Das Balkongeländer ist stabil, die Seilbahn wird ständig kontrolliert und von dem Berg ist noch niemand herabgestürzt. Doch diese Worte sind für die Phobiker keine große Hilfe, denn gegen die Angststörung helfen keine sachlichen Argumente.

    Die Angst vor Kontrollverlust

    Oft lösen traumatische Erfahrungen oder andere psychische Erkrankungen die Akrophobie aus. Dazu kommt die Angst davor, die Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Die Betroffenen glauben, dass selbst der stabilste Schutz nicht hilft.

    Die Angst vor Kontrollverlust verursacht nicht nur Höhenangst, sie beeinträchtigt auch das Alltagsleben. Die Phobiker fühlen sich in vielen Situationen bedroht: im Bus, im Fahrstuhl und in großen Menschenansammlungen. Daraus können sich weitere Phobien entwickeln, die möglicherweise in die soziale Isolation führen.

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    Symptome und Anzeichen

    In einer angstauslösenden Situation – auf einer Aussichtsplattform oder im Flugzeug – leiden die Akrophobiker unter folgenden Symptomen:

    Um diese körperlichen Symptome zu vermeiden, weichen die Angstpatienten den vermeintlich gefährlichen Orten aus. Berge und Flüge lassen sich problemlos vermeiden. Wenn Besuche im oberen Stockwerk oder die Fahrt auf der Rolltreppe im Einkaufscenter zum Problem werden, sind die Ausweichmöglichkeiten begrenzt.

    Wenn die Angst vor der Angst wächst

    Die ursprüngliche Höhenangst kann sich zur Angst vor den eigenen Angstreaktionen entwickeln. Hier tritt die Akrophobie in den Hintergrund, dafür steigert sich die Furcht vor den Angstsymptomen. Ein weiteres Problem ist die Übertragung der Angst auf früher harmlose Orte und Situationen: Diese schränkt das Leben immer stärker ein.

    Tipps gegen Höhenangst

    Überwindung der Angst vor Tiefen und Schwindel

    Zu Überwindung der Höhenangst können anfänglich bereits Tipps helfen. Wem die Tipps nicht genügen, der kann sich auch über eine professionelle Therapie gegen Höhenangst informieren. 

    Entspannung

    Vermeidung hilft nicht dabei, die Akrophobie zu bewältigen. Wer die eigene Angst vor Höhen überwinden möchte, sollte sich bewusst an die angstauslösende Situation annähern. Dabei helfen Entspannungstechniken wie Atemübungen. Mit einer verständnisvollen Begleitung versuchen die Betroffenen, bis ans Geländer des Aussichtsturms zu gehen.

    Ablenkung

    Angstpatienten lassen sich gerne begleiten. Wenn sie ins Gespräch vertieft sind, fühlen sie sich von der Höhe weniger bedroht.

    Wagniserziehung

    Die allmähliche Annäherung an die Angstreaktion hilft dabei, die eigenen Ängste zu reflektieren. Diese pädagogische Heranführung ist als Wagniserziehung bekannt. Sie eignet sich nicht nur für ängstliche Kinder, sondern auch für erwachsene Angstpatienten. Durch die verantwortungsbewusste Betreuung erlernen die Betroffenen, mit gefahrenhaltigen oder angstauslösenden Situationen und Unternehmungen klarzukommen. Dazu gehören auch ein angemessenes Risikomanagement und der richtige Umgang mit Bedrohungen.

    Psychotherapeutische Hilfe

    Bei stark eingeschränkter Lebensqualität empfiehlt sich eine professionelle Therapie der Akrophobie. Die kognitive Verhaltenstherapie ist die klassische Behandlung von Angststörungen. Hier geht es darum, die Ursachen zu ergründen, um eine individuelle Therapie daran anzuschließen. Exposition ist ein wichtiges Stichwort: Hier lernen die Angstpatienten im Rahmen der Psychotherapie, die bedrohliche Situation zu ertragen. Auf diese Weise lässt sich das Angstniveau allmählich senken, bis die Symptome absinken oder sogar komplett abklingen.

    Flooding

    Abhängig vom Schweregrad der Akrophobie kann ein Flooding sinnvoll sein. Hier beginnt die Expositionstherapie mit der stärksten Situation, die Höhenangst auslöst. Danach wirken die anderen bedrohlichen Situationen deutlich harmloser.

    Medikamente

    Gegen Angststörungen gibt es bestimmte Mittel wie Antidepressiva, die die Therapie begleiten können. Doch bei der Exposition oder im Haushalt können die Medikamente die Reaktionszeit beeinflussen: Das wiederum erhöht die Gefahr eines Unfalls, was unbedingt vermieden werden sollte.

    Hilfe finden

    Um eine Therapie zu beginnen, können Betroffene einen Psychologen konsultieren. Hierfür können über Portale wie Jameda passende Therapeuten in der Nähe gefunden werden.

    Alternativ können auch über das Internet Psychologen oder Ärzte konsultiert werden. Dies ist besonders für schnelle Termine und einer gewissen Anonymität vom Vorteil. 

    Alternativ gibt es auch Kurse von professionellen Anbieter wie z.B. der Alpinschule Garmisch. Dabei wird die Trittsicherheit und Gehtechnik trainiert. Zusätzlich wird auf die Überwindung der Höhenangst eingegangen.

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Acrophobia (Fear of Heights): Symptoms & Treatment – my.clevelandclinic.org
      2. Acrophobia (The Fear of Heights): Are You Acrophobic? – psycom.net

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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