Was ist eine kognitive Verhaltenstherapie?

In der Psychotherapie ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) eine der am weitesten verbreiteten und am besten untersuchten Therapieformen. In ihr werden zwei Therapieansätze vereint: die kognitive Therapie sowie die Verhaltenstherapie.

Ob und wann eine kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz kommt, ist von der zugrundeliegenden Erkrankung oder Störung abhängig. Grundidee der kognitiven Verhaltenstherapie ist allerdings immer die gleiche: es hängt eng miteinander zusammen, was wir denken, wie wir uns verhalten und welche Gefühle durch andere in uns ausgelöst werden. All diese Faktoren sind für das Wohlbefinden ausschlaggebend.

Im Artikel wird von Julia Dernbach über die kognitiven Verhaltenstherapie aufgeklärt. 

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    FAQ zur kognitiven Verhaltenstherapie

    Häufige Fragen & Antworten in Kürze:

    Die kognitive Verhaltenstherapie befasst sich neben der äußeren Änderung des Verhaltens auch mit Veränderungen in Bezug auf kognitive und gedankliche Schemata des Menschen.

    Die Dauer einer kognitiven Verhaltenstherapie kann nicht pauschal festgelegt werden. Bei einigen Menschen sind schon wenige Sitzungen für eine Besserung ausreichend, während sich die Behandlung bei anderen über teils mehrere Monate zieht. Abhängig ist dies von der Art und Schwere der Probleme.

    In der kognitiven Verhaltenstherapie erfolgt zusammen mit dem Therapeuten eine Reflektion von Verhalten, Gedanken und Gefühlen mit Blick auf deren Angemessenheit. Außerdem werden Alternativen erarbeitet, mit denen problematischen Verhaltensmustern entgegengewirkt werden kann.

    Eine kognitive Störung kann jederzeit entstehen. So kommen etwa genetische Ursachen infrage, aber auch psychische Erkrankungen wie Demenz und Schizophrenie sowie Erkrankungen des Hirns (z. B. Schlaganfall, Parkinson, Multiple Sklerose, HIV, Borreliose) sowie Alkohol- oder Drogenmissbrauch.

    Ziel einer kognitiven Verhaltenstherapie

    Was genau ist eine kognitive Verhaltenstherapie?

    Der Begriff „kognitiv“ stammt vom lateinischen „cognoscere“ ab und bedeutet so viel wie „erkennen“. Dabei geht es während einer kognitiven Therapie darum, dass sich der Patient seiner Gedanken, Einstellungen sowie Erwartungen klar wird.

    Ziel ist es, belastende und falsche Überzeugungen zu erkennen und im Anschluss etwas daran zu ändern. Häufig sind es dabei nicht nur Dinge und Situationen, die zu Problemen führen. Mitunter gibt man diesen auch eine zu große Bedeutung.

    Mit Hilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie soll der Patient lernen, falsche Denkmuster durch weniger schädliche und vor allem realistische Gedanken zu ersetzen.

    Ein belastendes Denkmuster entsteht meist aus einem negativen Vorfall. Betroffene ziehen daraus verallgemeinernde Schlüsse und übertragen sie auf ähnliche Situationen. Die Psychologie bezeichnet dies als „Übergeneralisierung“. Auch die „Katastrophisierung“ ist ein belastender Denkfehler, der eintritt, wenn etwas Beunruhigendes passiert. Daraus resultieren in der Regel übertriebene Sorgen.

    Aus derartigen Denkmustern entwickelt sich mitunter eine „sich selbst erfüllende Prophezeiung“, die den Betroffenen das Leben schwer macht.

    Wie funktioniert die kognitive Verhaltenstherapie?

    Ihren Ursprung hat die Verhaltenstherapie im Behaviorismus. Entsprechend dieser Theorie ist das Verhalten des Menschen (engl. „behavior“) erlernt und kann daher auch verändert oder neu erlernt werden. Ziel der Verhaltenstherapie ist die Bestimmung von Verhaltensweisen, welche für Probleme sorgen und das Leben von Betroffenen erschweren. Der nächste Schritt ist der Versuch der Änderung dieser Verhaltensweisen.

    Zum Einsatz kommt die kognitive Verhaltenstherapie vor allem bei Angststörungen. Hier erlernen Patienten beruhigende Routinen wie bewusstes tiefes Ein- und Ausatmen. Diese Techniken helfen dabei, sich auf etwas anderes als den Angstauslöser zu konzentrieren. Die Verhaltenstherapie trägt dazu bei, dass Patienten wieder aktiver werden und sich nicht mehr zurückzuziehen.

    Einteilung in schädliche und neutrale Denkmuster

    Die kognitive Verhaltenstherapie soll dabei helfen, schädlichen Denkmustern in neutrale zu verwandeln. In der nachfolgenden Tabelle finden sich einige Beispiele.

    Reaktion schädliche Denkmuster neutrale Denkmuster
    Gedanken: Sie ignoriert mich – sie kann mich nicht leiden. Sie hat mich nicht bemerkt – eventuell bedrückt sie etwas. Vielleicht sollte ich sie wieder mal anrufen und fragen, wie es ihr geht.
    Gefühle: Wer glaubt, er wird ignoriert, fühlt sich traurig, niedergeschlagen und von der Person zurückgewiesen. Wer sich klar macht, dass es keine Absicht der anderen Person war, wird sich weder traurig noch niedergeschlagen oder zurückgewiesen fühlen.
    Verhalten: Menschen, die sich zurückgewiesen fühlen, werden den Kontakt zur jeweiligen Person meiden, auch wenn die eigene Vermutung möglicherweise falsch ist. Ein Mensch, der sich bewusst ist, dass er unbeabsichtigt nicht bemerkt wurde, wird Kontakt mit der Person aufnehmen und vielleicht auch hinterfragen, ob alles in Ordnung ist.

    Unterschiede zu anderen Psychotherapien

    Was sind die Unterschiede einer kognitiven Verhaltenstherapie zu anderen Psychotherapien?

    Bei der kognitiven Verhaltenstherapie handelt es sich um eine problemorientierte Therapie, bei der konkrete aktuelle Probleme bearbeitet werden. Sie fördert die „Hilfe zur Selbsthilfe“.

    Die kognitive Verhaltenstherapie soll dazu beitragen, dass das Leben auch ohne therapeutische Hilfe so schnell wie möglich wieder bewältigt werden kann.

    Vergangene Geschehnisse werden in einer kognitiven Verhaltenstherapie vollständig ausgeblendet, belastende Denkmuster und Verhaltensweisen erkannt und verändert.

    Die analytische Psychotherapie hingegen nutzt andere Methoden. Als klassische Psychoanalyse werden mit Hilfe des Therapeuten Probleme und deren tiefere Ursachen aufgedeckt und gelernt, diese zu verstehen.

    Wann wird die kognitive Verhaltenstherapie angewandt?

    Die kognitive Verhaltenstherapie kommt bei folgenden Problemen zum Einsatz:

    Die Eigeninitiative des Patienten ist ein wichtiger Baustein für den Erfolg der kognitiven Verhaltenstherapie.

    Nur, wer in den Sitzungen aktiv und offen mit dem Therapeuten spricht und zwischen den einzelnen Sitzungen aktiv an den eigenen Problemen arbeitet wird, kann in der Therapie erfolgreich sein.

    Vor allem bei schweren psychischen Erkrankungen (z. B. ausgeprägte Depressionen oder Angststörungen) erfordert das viel Kraft. Zunächst werden deshalb meist Medikamente eingesetzt, welche die Symptome kurzfristig lindern und somit eine Psychotherapie möglich machen.

    Ob eine kognitive Verhaltenstherapie durchgeführt wird, ist von den festgelegten Zielen abhängig. Besteht beim Patienten das Bedürfnis, die Ursachen für die eigenen Probleme tiefer zu beleuchten, ist die kognitive Verhaltenstherapie die falsche Wahl. Sinnvoll ist sie immer dann, wenn konkrete Probleme zu bewältigen sind, ohne die Gründe dafür zu hinterfragen.

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    Ablauf und Dauer

    Eine enge und vor allem vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Patient und Therapeut ist bei der kognitiven Verhaltenstherapie die Grundvoraussetzung. Mitunter dauert es eine Weile, bis der richtige Therapeut gefunden ist. 

    Die kognitive Verhaltenstherapie setzt sich dabei aus mehreren Schritten zusammen:

    Im Erstgespräch spricht der Patient über seine Probleme und äußert seine Erwartungen und Wünsche hinsichtlich der Behandlung.

    Im Anschluss werden die Ziele festgehalten und gemeinsam ein Therapieplan erstellt. Ändern sich im Therapieverlauf die Ziele, erfolgt eine entsprechende Anpassung.

    Teil der kognitiven Verhaltenstherapie ist es, dass der Patient seine eigenen Gedanken über einen bestimmten Zeitraum in einem Tagebuch festhält. Zusammen mit dem Therapeuten wird dann geschaut, ob der Patient die erlebten Dinge auch realistisch einschätzt.

    Es wird hinterfragt, was passieren könnte, wenn er sich in einer bestimmten Situation anders als bisher verhält. In den Sitzungen werden zudem die erreichten Fortschritte sowie mögliche Probleme regelmäßig besprochen.

    Die kognitive Verhaltenstherapie umfasst außerdem Übungen zur Entspannung sowie zur Stress- oder Schmerzbewältigung. Weiterhin werden Vorgehensweisen zur Problemlösung erlernt.

    Verglichen mit einer analytischen Psychotherapie handelt es sich bei der kognitiven Verhaltenstherapie um eine kurzzeitige Behandlung. Eine pauschale Aussage über die konkrete Dauer lässt sich allerdings nicht treffen.

    Bei einigen Patienten zeigt sich oft schon nach wenigen Sitzungen eine Besserung, bei anderen ist eine Therapie über mehrere Monate hinweg nötig.

    Die Therapiedauer ist von Art und Schwere der vorhandenen Probleme abhängig. Eine Einzelsitzung dauert in der Regel etwa eine Stunde, üblicherweise finden Sitzungen einmal pro Woche statt.

    Therapeutische Praxen, Kliniken sowie Reha-Einrichtungen sind Ansprechpartner für Patienten, die eine kognitive Verhaltenstherapie wünschen. Manchmal wird diese auch als Gruppentherapie oder online mit Hilfe digitaler Medien durchgeführt.

    Kosten einer kognitive Verhaltenstherapie

    Wer übernimmt die Kosten für eine kognitive Verhaltenstherapie?

    Die Kosten für eine kognitive Verhaltenstherapie werden bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Zwangs- oder Angststörungen sowie bei Suchterkrankungen von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

    Gleiches gilt, wenn sie bei Beschwerden aufgrund von chronischen Erkrankungen durchgeführt wird, um den Leidensdruck der Betroffenen zu mindern.

    Psychotherapeutische Praxen können in der Regel zwei bis vier Probesitzungen mit der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen. Bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Menschen mit geistiger Behinderung sind es sogar bis zu sechs Probesitzungen. So kann der Therapeut seinen Patienten kennenlernen und feststellen, welche Probleme konkret vorliegen und ob eine Therapie überhaupt Sinn macht.

    Antrag während der Probesitzungen stellen:

    Nach den Probesitzungen wird gemeinsam der Antrag für die gesetzliche Krankenkasse vorbereitet, in dem eine Begründung für die Therapie aufgeführt wird.

    Vor Therapiebeginn muss dieser Antrag vom Patienten bei der Krankenkasse eingereicht werden. Erforderlich ist zudem auch ein hausärztlicher Bericht, der bescheinigt, dass es sich um nicht körperlich bedingte Beschwerden handelt und auch keine medizinischen Gründe gegen die Psychotherapie sprechen.

    Unerwünschte Nebeneffekte einer KVT

    Sind bei einer kognitiven Verhaltenstherapie auch unerwünschte Wirkungen möglich?

    Psychotherapien können mitunter auch unerwünschte Wirkungen mit sich bringen. Es ist keine Seltenheit, dass die Auseinandersetzung mit den eigenen Problemen und Ängsten auch eine Belastung ist und zu Verunsicherung führt.

    Unter Umständen verschlechtern sich auch Beziehungen zu anderen Menschen. Treten Schwierigkeiten auf, sollten Patienten sich nicht scheuen, mit dem Therapeuten darüber zu sprechen. Nur so können die Probleme gezielt angegangen werden. 

    Therapie beginnen

    Wo bekomme ich eine kognitive Verhaltenstherapie?

    Wenn aufgrund von psychologischer Probleme eine kognitive Verhaltenstherapie erwünscht ist, sollten Patienten sich nicht scheuen, mit einem Therapeuten darüber zu sprechen.

    Wer sich aufgrund von Angst vor Therapeuten, oder einer allgemeinen Angst vor Ärzten scheut, einen Therapeuten persönlich aufzusuchen oder keine Zeit findet, kann auch im Rahmen einer Online-Sprechstunde seine Probleme besprechen. 

    Im Internet finden sich immer mehr Therapeuten die über das Internet eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ermöglichen.

    Wir können Tipps zur Selbsthilfe geben, um die Angst vor Ärzten zu überwinden:

    Quellen:

    • Overview – Cognitive behavioural therapy (CBT) – www.nhs.uk

    Bilder: Photographee.eu, Microgen, melitas @ shutterstock.com

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