Gelotophobie

Angst davor ausgelacht zu werden

Die Gelotophobie bezeichnet die Angst, ausgelacht zu werden. Wer unter dieser Angststörung leidet, empfindet das Lachen als negativ. Wir klären über die Angststörung auf und geben Tipps zur Linderung

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Die Gelotophobie ist die Angst vor dem Ausgelachtwerden. Die Betroffenen empfinden Heiterkeit als eine Art Bedrohung und fühlen sich vom Gelächter herabgesetzt. Die Angststörung hat Anzeichen von Paranoia, da die Angstpatienten das Lachen von anderen Menschen fehlinterpretieren und zumeist als aggressiv wahrnehmen.

    Für Gelotophobiker ist das Lachen nichts Positives, sondern eine unangenehme soziale Erfahrung. Gelächter löst bei ihnen Angst aus. Das verringert die Lebensfreude und Spontanität der Betroffenen. In der Folge wirken sie oft kalt, distanziert und humorlos.

    Für eine erfolgreiche Therapie der Gelotophobie empfiehlt sich ein Ansatz aus mehreren Richtungen, also eine multimodale Therapieform. Oft greifen Tiefen-, Verhaltens- und Entspannungstherapie ineinander, unterstützt von einer Medikation.

    Das Pinocchio-Syndrom

    Menschen, die bei anderen ein herabsetzendes Lachen erzeugen und so zur Zielscheibe fremden Spottes werden, möchten am liebsten im Boden versinken. Ihr Drang, sich möglichst unauffällig zu verhalten, verursacht jedoch oft einen gegenteiligen Effekt: Die Bewegungen wirken verkrampft, sodass die Betroffenen noch unbeholfener erscheinen. Der hölzerne Eindruck wird mit dem Begriff Pinocchio-Syndrom treffend dargestellt.

    Ursachen für Gelotophobie

    Warum hat man Angst davor ausgelacht zu werden?

    Manchmal sind spezielle Erlebnisse die Auslöser für die Angststörung, doch die ungewöhnliche Scham, die oft mit der Gelotophobie zusammenhängt, kann sich auch mit der Zeit entwickeln. Typischerweise leiden die Angstpatienten unter einem geringen Selbstwertgefühl. Wenn sie zusätzlich unter Schikanen von anderen Menschen leiden, verschlimmert sich die Angst vor der Lächerlichkeit.

    Ursprünge in der Kindheit?

    Eine Kindheit in einer schwierigen Umgebung erhöht das Risiko einer Angststörung. Desinteressierte Eltern und emotionale Kälte wirken sich ungünstig auf die gesunde psychische Entwicklung von Kindern aus.

    Mobbing als Ursache?

    Schlechte Erfahrungen wie Mobbing in der Schule und Hänseleien können zu einem traumatischen Erlebnis werden und die Angst vor Lächerlichkeit verstärken. Auch im Erwachsenenalter ist die Gefahr vor Mobbing nicht gebannt, vor allem bei sensiblen Menschen mit schwachem Selbstbewusstsein.

    Die subjektive, selektive Wahrnehmung

    Jeder Mensch hat seine eigene Sichtweise, die eng mit den Erwartungen und Ängsten verbunden ist. Wer wiederholt ausgelacht wird, geht davon aus, dass er überall Gelächter auslöst, und bezieht jedes Lachen auf seine eigene vermeintliche Ungeschicktheit. Die Betroffenen nehmen dabei die Dinge wahr, die sie erwarten. Auch wenn das Lachen einen anderen Grund hat, meinen sie trotzdem, dass sie ausgelacht werden.

    Diagnose & Anzeichen

    Wie merkt man ob man unter einer Gelotophobie leidet?

    Die Diagnose der Angst vor Lächerlichkeit erfolgt auf der Basis von verschiedenen Bestimmungsmerkmalen. Experten greifen dabei auf einen Fragebogen zurück, der auch Illustrationen von lachenden Personen enthält. Die Angstpatienten sollen einschätzen, wie es zu der Situation gekommen ist und wie das Lachen auf Außenstehende wirkt.

    Bei der Feindiagnostik der Angststörung geht es vor allem um die Ursachenforschung. Diese führt der Psychotherapeut oder Psychologe gemeinsam mit dem Patienten durch.

    Seit 2008 gibt es wissenschaftliche Studien zur Gelotophobie. Der Psychotherapeut und Psychoanalytiker Michael Titze führte den Begriff 1995 ein. Die Angst, von anderen Menschen ausgelacht zu werden, verstärkt das Gefühl, lächerlich zu wirken. Sie führt dazu, dass die Betroffenen in allen Situationen nach Anzeichen suchen, die diesen Eindruck bestätigen. Wenn jemand lacht, glauben sie, dass es sich um ein spöttisches, herabsetzendes Lachen handelt, dass sie stets auf sich selbst beziehen. Hier zeigt sich die Nähe zur Paranoia.

    Lachen – etwas Negatives?

    Grundsätzlich haben Gelotophobiker Probleme mit Gelächter. Sie empfinden Lachen nicht als fröhlich und lassen sich demzufolge nicht davon anstecken. Sie schätzen sich selbst als humorlos ein. Spezifische Testergebnisse zeigen jedoch, dass auch Gelotophobiker Humor haben können.

    Folgen

    Typische Folgen einer Gelotophobie

    Wer Angst vor der Lächerlichkeit hat, vermeidet oft soziale Kontakte, denn diese bergen die Gefahr, ausgelacht zu werden.

    Wenn jemand einen Scherz macht, beziehen sie das anschließende Gelächter auf sich. In der Folge fühlen sie sich herabgesetzt und schlecht. Diese paranoide Reaktion erschwert es, gesellschaftliche Bindungen einzugehen oder ein fröhliches Gespräch zu führen.

    Die Betroffenen gehen mit sich selbst sehr kritisch um und glauben, dass sie einfach kein Talent zum Humor und zur normalen Kommunikation haben. Dieser niedrige Selbstwert löst Minderwertigkeitskomplexe aus, die das Verhalten zusätzlich beeinflussen.

    Anzeichen für Gelotophobie:

    Der kurze Weg zur Paranoia

    Jemand in der Nähe lacht laut los und steckt die anderen damit an, doch der Gelotophobiker erstarrt vor Schreck. Sicherlich ist er gemeint; ein Witz wurde über ihn gemacht. Das Problem ist: Die Menschen, die sich vor Lächerlichkeit fürchten, bewerten das Lachen von anderen Personen falsch. Diese paranoide Bewertung verschlimmert die Situation und kann zu dramatischen Folgen führen – beispielsweise durch eine übermäßig aggressive Reaktion.

    Symptome

    Typische Merkmale einer Gelotophobie

    Eine Gelotophobie äußert sich teilweise ähnlich wie eine soziale Phobie. Allerdings ist sie spezifischer als die generalisierte Angst vor Zurückweisung. Daher gibt es auch bei den Symptomen gewisse Unterschiede.

    Typische Symptome für die Angst vor Lächerlichkeit sind:
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    Tipps gegen Gelotophobie

    Was hilft gegen die Angst vor dem Ausgelachtwerden

    Wer unter dem Gefühl leidet, ständig ausgelacht zu werden, erkennt oft nicht, dass dies gar nicht der Fall ist. Darum ist es schwierig, die Gelotophobie ohne fremde Hilfe zu überwinden.

    Scham und Schuldgefühle können die Situation noch verschlimmern und die Lebensqualität drastisch verringern. Nahestehenden Personen können helfen, gegen das seelische Leid anzukämpfen, wenn die Angstpatienten noch Vertrauen zu ihnen haben. Im Vordergrund steht dabei die Stärkung des Selbstwertgefühls.

    Eine ausgewogene Ernährung, sportliche Aktivitäten und ein interessantes Hobby steigern die innere Ausgeglichenheit der Betroffenen. Das ist wichtig für ein positives Selbstbild.

    Mit Achtsamkeitsübungen ist es möglich, Angstsymptome wie Kurzatmigkeit zu lindern. Auch Gespräche können helfen, das Bewusstsein und die Selbsteinschätzung der Betroffenen zu verbessern. Doch oft ist die Angststörung so weit fortgeschritten, dass eine professionelle Therapie erforderlich ist.

    Mit Geduld gegen die Angst angehen

    Wenn die Gelotophobie frühzeitig erkannt und behandelt wird, sind die Erfolgschancen gut. Allerdings kann es Monate oder Jahre lang dauern, bis die Angstbeschwerden komplett verschwinden. Wer von dieser Angststörung betroffen ist, durchlebt eventuell noch lange Zeit danach paranoide Momente.

    Doch die Strategien aus der Verhaltens- und Entspannungstherapie helfen dabei, solche Situationen durchzustehen, ohne einen Rückfall zu erleiden. Dafür ist es wichtig, dass die Angstpatienten die Diskrepanz zwischen ihrer paranoiden Vorstellung und der Realität erkennen.

    Bei schweren Fällen lässt sich die Angst vor der Lächerlichkeit nicht therapieren. Ohne eine Behandlung kann die Gelotophobie weitere psychische Erkrankungen auslösen. Neben einer Paranoia sind das beispielsweise soziale Ängste und Depressionen. Entsprechend schwierig ist eine erfolgreiche Therapie, was sich negativ auf die Prognose auswirkt.

    Therapie

    Professionelle Therapie gegen Gelotophobie

    Die Verhaltenstherapie für Gelotophobiker beinhaltet das Training von Strategien für den Alltag: Es geht darum, die angstauslösenden Situationen zu meistern.

    Oft beginnt die Therapie mit einem Blick in die Vergangenheit, um die Ursachen für die Angststörung zu finden. Möglicherweise sind Erziehungsfehler für die Überempfindlichkeit und Angst verantwortlich.

    Je eher die Therapie beginnt, umso größer ist die Aussicht auf Erfolg. Schon für Kinder kann eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein. Dabei darf jedoch nicht zu viel Druck entstehen, sonst verstärkt sich das ungewöhnliche Verhalten womöglich.

    Multimodale Therapieformen

    Die Psychologen, Psychoanalytiker und Psychotherapeuten empfehlen oft einen multimedialen Therapieansatz. Multimodal bedeutet, dass die Therapie mehrere Bereiche umfasst.

    Die Verhaltenstherapie dient dazu, dem erhöhten Stresserlebnis etwas entgegenzusetzen und die zwanghaften Gedanken abzuschwächen. Auf diese Weise lernen die Angstpatienten, ihren Alltag angstfrei zu bewältigen.

    Weitere Elemente dieser Behandlung sind die Tiefenpsychologie und die Entspannungstherapie. Als begleitende Maßnahme empfehlen die Ärzte oft eine medikamentöse Therapie. Diese dient vorwiegend der Linderung der Symptome

    Psychologen konsultieren:

    Wer Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann Psychologen sowohl vor Ort besuchen als auch über das Internet buchen. Die Jameda Arztsuche liefert Adressen von naheliegenden Ärzten & Psychologen, sortiert nach Entfernung und Bewertung

    Alternativ lassen sich Psychologen über das Internet konsultieren, was den Vorteile einer schnellen Terminvergabe und einer gewissen Anonymität hat. 

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      Quellen:

      1. Gelotophobia: living a life in fear of laughter – BBC News
      2. Gelotophobie – Wikipedia

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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