Angst vor Sex

Coitophobie - Die Angst vor Geschlechtsverkehr

Sex mag für manche Menschen eine schöne Nebensache sein, während andere Angst vor Geschlechtsverkehr haben. Die krankhafte Angst vor Sex nennt sich auch Coitophobie.

Wir klären auf woher die Angst kommt und welche Tipps bei der Überwindung gegen sexuelle Ängste hilfreich sein können. Außerdem erklären wir, welche Behandlungsmethoden bei Phobien wie dieser, effektiv sein können. 

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Als Coitophobie bezeichnet man eine übersteigerte Angst vor Geschlechtsverkehr, die meistens schon dann auftritt, wenn die Betroffenen nur an Sex denken. Aus diesem Grund gehen viele auch keine intimen Beziehungen ein.

    Ganz offensichtlich ist die Vermeidung von sexuellen Handlungen. Betroffenen fällt es daher auch schwer leidenschaftliche Beziehungen zu führen. Neben starken, irrationalen Ängsten leiden die Betroffenen meist auch an Schweißausbrüchen und körperlichen Anspannungen, manche entwickeln aufgrund der Phobie auch Depressionen.

    Oft hilft ehrliche und offene Kommunikation mit Partner, Familie oder Freunden. In schweren Fällen ist eine Therapie wie zum Beispiel eine Verhaltens- oder Sexualtherapie empfehlenswert. 

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    Angst vor Geschlechtsverkehr

    Wie macht sich die Angst bemerkbar?

    Wer an einer Coitophobie leidet, entwickelt starke Angstgefühle vor Sex. Besonders Frauen haben oftmals auch Angst davor, durch den Geschlechtsakt innerlich verletzt zu werden, andere wiederum fürchten sich vor ansteckenden Geschlechtskrankheiten. Körperliche Nähe wird dann sehr häufig abgewehrt, manche Betroffene zeigen sogar panische Reaktionen.

    Symptome und Anzeichen

    Wer Angst vor Sex hat, scheut nicht nur vor sexuellen Beziehungen zurück. Schon das Anschauen von erotischen Filmszenen kann eine beängstigende Wirkung haben. Die Betroffenen versuchen, solche Situationen zu meiden, und wehren eine körperliche Annäherung schnell ab.

    Das kann zu einem Gefühl der Vereinsamung führen oder zu einem gestörten Sozialverhalten. Wer einer möglichen Romanze aus dem Weg geht, trifft sich beispielsweise nur mit Freunden, bei denen keine Gefahr einer Annäherung besteht, oder blockt vertrauliche Gespräche ab.

    Einige Phobiker fühlen sich dadurch beziehungsunfähig und wertlos. Sie spüren, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Oft kommt eine gewisse Scham dazu. Schuldgefühle, Selbsthass und Traurigkeit verstärken das negative Selbstbild und schwächen das Vertrauen. Dadurch steigt die Gefahr von weiteren Angststörungen.

    Ob es sich tatsächlich um Coitophobie handelt, ist bei einem Blick auf die äußerlichen Symptome schwer zu sagen. Für eine umfassende Diagnostik gibt es deshalb spezielle Fragebögen sowie medizinische Untersuchungen, die sich zum Beispiel mit dem Hormonhaushalt und eventuellen Anomalien befassen. Je nach Situation findet möglicherweise eine Prüfung von anderen psychischen Störungen statt.

    Bei Menschen, die an einer Coitophobie leiden, treten vor allem folgende Symptome auf:

    Viele Betroffene glauben, dass der beste Weg sich zu schützen der ist, keine Beziehungen einzugehen. Das kann aber sehr häufig zu Isolation bzw. in weiterer Folge auch zu Depressionen führen. 

    Manche Betroffene wiederum erfinden Geschichten bezüglich ihres Sexuallebens, um sich dadurch interessanter zu machen.

    Ursachen und Auslöser

    Warum hat man Angst vor Sex?

    Sigmund Freud vermutete, dass tief verwurzelte Konflikte im Unterbewusstsein die Auslöser für sexuelle Störungen und Ängste sind. Carl Gustav Jung sprach in diesem Zusammenhang vom kollektiven Unterbewusstsein, das die Ängste und Gefühle prägt. Er sah darin die generationsübergreifende Entwicklung von kulturellen und religiösen Glaubenssätzen, die sich kaum durchbrechen lassen.

    Gerade in früheren Zeiten galt Sex als ursprünglich, wild und sündhaft – in einigen Familien ist das auch heute noch der Fall.

    Vererbte Ängste und typisches Rollenverhalten machen es schwer, die bisherige Einstellung zu verändern. Dazu können mentale Störungen kommen, die in einigen Familien anscheinend vererbt werden. Eine genetische Veranlagung erhöht das Risiko einer Angststörung oder psychischen Erkrankung. Übervorsichtige Warnungen der Eltern oder ein traumatisches Erlebnis können in einer kritischen Situation eine Panikattacke auslösen.

    Eine weitere mögliche Ursache ist die Angst vor Unverständnis und Intoleranz, vielleicht sogar vor Verachtung. Junge Menschen mit Coitophobie schieben das „erste Mal“ möglichst lange auf. Das hilft aber nicht gegen die Angst, sondern lässt sie nur noch anwachsen.

    Weitere Gründe für die Angst vor Sex:

    Eine Coitophobie entwickelt sich sehr häufig aufgrund eines schweren Traumas. Das kann zum Beispiel eine Vergewaltigung sein, die eine extreme Verletzung des Geistes bzw. des Körpers darstellt. Meistens kommt es nach einer Vergewaltigung zu sehr heftigen psychischen Reaktionen, die einer posttraumatischen Belastungsstörung gleichen.

    Gehört man zu einer religiösen oder kulturellen Gruppe, in der Sex als etwas Negatives angesehen wird, so kann sich unter Umständen dann eine Phobie entwickeln, wenn man zum Beispiel zu einem anderen Glauben wechselt. In diesem Fall können Selbstzweifel oder Schuldgefühle auftreten, die dann das Risiko für eine Coitophobie erhöhen.

    Vor allem Menschen, die noch sexuell unerfahren sind, haben oftmals Angst, einem Partner nicht genügen zu können. Männer haben zum Beispiel Angst davor, dass die Erektion ausbleibt, während Frauen sich davor fürchten, nicht zum Orgasmus zu kommen. Meistens sind solche Angstgefühle nur gering ausgeprägt, sie können sich unter Umständen aber auch zu einer Phobie entwickeln.

    Die Angst vor Geschlechtskrankheiten ist zu einen gewissen Rahmen durchaus verständlich, denn durch Sex können auch verschiedenste Krankheiten übertragen werden. Die meisten Menschen können die Risiken gut einschätzen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen. Es gibt aber auch Menschen, die der Ansicht sind, dass Geschlechtsverkehr äußerst gefährlich ist und große Angst vor der Übertragung von Krankheiten haben.

    Der Psychoanalytiker Erik Erikson ist der Ansicht, dass man nur durch die entsprechende Entwicklung des Urvertrauens auch später zu Intimität in der Lage ist. Eine Coitophobie kann also unter Umständen auch auf Eltern bzw. Bezugspersonen zurückzuführen sein, die dem Kind emotional distanziert begegnet sind oder es auch sexuell ausbeuteten.

    Des Weiteren kann eine Coitophobie folgende Ursachen haben:

    Tipps gegen Angst vor Sex

    Angst vor Geschlechtsverkehr überwinden
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    Sehr wichtig bei einer sehr großen Angst vor Sex ist es, die Gründe dafür zu finden, bzw. zu reflektieren, wodurch die Ängste getriggert werden.

    Wer vor dem Geschlechtsverkehr Angst hat, kann keine Lust und Freude daran empfinden. Durch den Angststress können die Betroffenen die liebevollen Berührungen nicht genießen. Doch mit Geduld und viel Behutsamkeit lässt sich die Angst allmählich bewältigen.

    Für die Selbsthilfe empfehlen sich Bücher, die sich mit dem Thema Sexualität beschäftigen. Auch das gute Verhältnis zum eigenen Körper verhilft den Menschen zu mehr Selbstbewusstsein und reduziert die Angstgefühle. Mit alternativen Heilansätzen lassen sich zudem die Angstsymptome lindern.

    Intimität ist mehr als Sex:

    Sanftes Kuscheln und Händchenhalten wirken sich positiv auf die innere Einstellung aus. Im Gespräch mit dem Partner schwinden die Ängste allmählich, während die Vertrautheit anwächst.

    Bei der Recherche zum Thema zeigt sich die Verwandtschaft zu anderen Ängsten wie Genophobie oder Gymnophobie. Auch die Angst vor dem Versagen kann damit verbunden sein. Wer seine eigenen Probleme erkennt, geht damit gegen die Nervosität und Angstgefühle an. Das hilft, mit sich selbst vertrauter zu werden und über die Ängste zu sprechen.

    Asexuell leben?

    Einige Menschen verzichten komplett auf Sex. Auch ohne sexuelle Beziehung können sie ein erfülltes und sinnvolles Leben führen. Doch wer diese Entscheidung wegen der Angst vor Sex trifft, wird nicht glücklich damit, denn die Vermeidungsstrategie wirkt wie ein ungewollter, erzwungener Verzicht auf Nähe. Ein asexuelles Leben bietet nur denen Erfüllung, die sich angstfrei dafür entscheiden.

    Hilfreiche Tipps gegen Sexangst:

    Selbstbewusstsein aufbauen

    Fühlen Sie sich zum Beispiel sehr unsicher, so sollten Sie versuchen, an Ihrem Selbstbewusstsein zu arbeiten. Umgeben Sie sich am besten mit Menschen, die Ihre Unsicherheit verstehen, oder sprechen Sie mit Personen, denen es ähnlich geht.

    Offene Kommunikation

    Sollten Sie einen Partner bzw. eine Partnerin haben, sprechen Sie Ihre Ängste an und versuchen Sie, ihm oder ihr Ihre Gefühle zu erklären.

    Weniger Koffein

    Große Mengen an Kaffee können Angstgefühle noch verstärken. Daher empfiehlt es sich, den Koffeinkonsum zu reduzieren, um auch auf diese Weise Angst abbauen zu können.

    Meditation

    Es gibt sehr viele verschiedene Meditationsformen, die auch für Menschen mit einer Coitophobie hilfreich sein können. Vor allem die Achtsamkeitsmeditation hat sich hier als sehr effektiv erwiesen. So lernt man dadurch beispielsweise, wie man bei einer Panikattacke seine Aufmerksamkeit auf den Atem lenkt und dadurch auch Angstgefühle reduziert werden.

    Therapie bei Angst vor Sex

    Professionelle Behandlung

    Werden Beziehungen bzw. das Alltagsleben der Betroffenen durch ihre Angst vor Sex sehr stark beeinträchtigt, so ist es sinnvoll, sich therapeutische Hilfe zu suchen. Sehr hilfreich kann beispielsweise eine Verhaltenstherapie sein, bei der die Betroffenen lernen, ihre irrationalen Ängste zu verstehen und an ihnen zu arbeiten.

    Sexualtherapie

    Eine weitere Möglichkeit stellt eine Sexualtherapie dar, bei der den Betroffenen auch erklärt werden kann, dass es auch andere Möglichkeiten der sexuellen Befriedigung, wie zum Beispiel Oralsex, Massagen oder Sexspielzeug, gibt. Darüber hinaus lernen die Betroffenen, wie man eine gesunde sexuelle Beziehung zu jemandem aufbauen kann.

    Medikamentöse Behandlung

    Bei einer sehr schweren Form der Coitophobie kommen oftmals auch Medikamente zum Einsatz, durch die vor allem Panikattacken verhindert werden können. Die verschriebenen Medikamente sollten allerdings immer mit einer Therapie kombiniert werden, um auch die Ursache der Phobie zu behandeln.

    Hilfe annehmen

    Therapeuten finden und Hilfe annehmen

    Um möglichst schnell einen geeigneten Therapeuten zu finden, eignet sich z.B. die Ärztesuche auf Jameda. Dort lassen sich auch Sexualtherapeuten aus der Nähe anzeigen und nach Bewertungen sortieren. 

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Fear of Sex (Genophobia) and Sexual Intimacy – Healthline

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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