Süchtig nach Tinder

Tipps gegen das Suchtverhalten in Bezug auf Dating Apps wie Tinder, Bumble & Co

Eine Dating-App wie Tinder soll eigentlich die Partnersuche erleichtern, doch es gibt Menschen, bei denen diese App eine Sucht auslöst. Die Gelegenheit zum Flirt aktiviert Glückshormone und macht es schwer, das Handy wegzulegen. Bald geht es nicht mehr darum, neue Freunde kennenzulernen. Stattdessen entwickelt sich eine Abhängigkeit nach diesem besonderen Glücksgefühl.

In diesem Artikel erklären wir, wie die Sucht nach Tinder entsteht und welche Faktoren die individuellen Gefühle triggern. Außerdem geben wir Tipps, wie sich die Tinder-Sucht überwinden lässt.

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Die App Tinder wendet sich an Menschen ab 18 Jahren. Die Teilnehmer müssen abhängig vom Standort ihre Volljährigkeit verifizieren. Diese Altersbegrenzung soll sicherstellen, dass die Nutzer über ausreichend Verantwortungsbewusstsein verfügen. Doch auch Personen über 18 können der Sucht verfallen.

    Für Tinder gibt es verschiedene Abo-Modelle, bei denen die Kosten laufzeit- und altersabhängig sind. Tinder Plus, Gold oder Platinum, die Art des Abos richtet sich nach den individuellen Wünschen und dem Nutzungsverhalten.

    Ein einfaches Jahresabo kostet beispielsweise unter 10 Euro monatlich. Ein Premium-Modell mit kürzerer Laufzeit und Zusatzfunktionen (Likes, Boost) kann hingegen über 30 Euro monatlich kosten.

    Ein preisgünstiges Abo ist jedoch keine Garantie gegen die Tinder-Sucht: Auch das Durchklicken der Profile kann süchtig machen – denn ohne die täglichen Likes entsteht das Gefühl, dass etwas fehlt.

    Wer bei Tinder seinen eigenen Marktwert checkt, kann eine Sucht nach Likes entwickeln. Dieses Verhalten basiert auf der oft tiefer sitzenden Sucht nach Anerkennung. Manchmal ist es auch der Wunsch nach Ablenkung oder die Suche nach sexuellen Kontakten.

    Wofür nutzt man Tinder?

    Was macht man eigentlich auf Tinder & Co?

    Apps wie Tinder sollen dabei helfen, einen Partner zu finden. Hier kommen viele Menschen zusammen, die auf Partnersuche sind. Ein Like zeigt an, dass das Interesse geweckt ist – und wenn ein Like zurückkommt, kann ein Chat beginnen.

    Dieses Modell ähnelt dem klassischen Kennenlernen. Doch die ständige Verfügbarkeit möglicher Partner verführt dazu, die Suche fortzusetzen. Das ist vor allem für Menschen reizvoll, die eine offene Beziehung führen und an polyamoren Beziehungen interessiert sind. So lässt sich die App langfristig nutzen – mit Open End.

    Vergleichbare Apps, verschiedene Funktionen:

     Eine ehemalige Tinder-Mitarbeiterin gründete die App Bumble. Hier sind nur Frauen berechtigt, Männer anzuschreiben. Männer dürfen zwar Likes setzen, aber keinen Chat beginnen. Damit soll vermieden werden, dass die Postfächer der Frauen überquellen. Die Mechanismen funktionieren ansonsten ähnlich wie bei Tinder.

    Laut TrustPilot sind Abstriche bei der Seriosität von Tinder nötig. Auf der Seite können Nutzer ihre Erfahrung mit Tinder niederschreiben. Das liegt unter anderem an zahlreichen Fake-Profilen und an scheinbar unberechtigt gesperrten Profilen. Offensichtlich arbeiten viele Marketing-Kampagnen mit gefälschten Fotos: So kommen die Moderatoren der Plattform nicht mit der Überprüfung hinterher.

    Unseriöse Geschäfte, die Jagd nach neuen Followern und Werbung – wer zu viel davon hat, kann sein Profil löschen und sein Abo kündigen. Tinder ist jedoch keine betrügerische Plattform. Doch die Nutzer sollten hinter die Fassade schauen, bevor sie Geld für Tinder ausgeben, vor allem, wenn durch persönliche Probleme ein erhöhtes Suchtrisiko besteht.

    Bestimmte Vorkommnisse können zur Sperrung eines Tinder-Profils führen. Ein typischer Grund dafür ist unangebrachtes Verhalten. Die Tinder-Mitarbeiter haben oft nicht die Zeit, jede negative Meldung zu lesen und gerecht zu entscheiden. Bei wiederholten Meldungen eines Profils ist deshalb mit einer baldigen Sperrung zu rechnen. Das ist für die Nutzer sehr unerfreulich, denn auch bei einer Neuinstallation der App bleibt ihr Profil permanent gesperrt.

    Ratsam ist es daher, sich so zu verhalten das andere Nutzer einen gar nicht erst melden können, somit gibt es keinen Anlass das Profil zu sperren. Dies verringert zumindest die Wahrscheinlichkeit das ein Profil gesperrt wird. 

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    Sucht nach Dating App's

    Warum Tinder & Co süchtig machen können

    Ebenso wie andere mobile Apps kann auch Tinder zu einem Suchtverhalten führen. 

    Dafür sind vor allem die folgenden Faktoren verantwortlich:
    Anerkennung und Bestätigung

    Die Suche nach mehr Anerkennung basiert oft auf einem Minderwertigkeitsgefühl. Darum wünschen sich die Betroffenen mehr Bestätigung. Wie sieht es mit dem eigenen Marktwert aus, was ist möglich – welche Menschen mögen mich? Was könnte laufen, wenn ich Single wäre? Diese Gedanken können sich zu einer regelrechten Sucht entwickeln.

    Sucht nach Likes und Instagram Follower

    Die meisten Menschen sehnen sich danach, gemocht zu werden. Im Internet geschieht das mit Likes. Die Verlinkung mit Instagram soll die Likes und Follower erhöhen. Der ständige Blick auf die Zahlen macht süchtig, ebenso wie die häufigen Aktualisierungen der Instagram-Bilder, um noch mehr Follower zu bekommen.

    Gefühl etwas verpassen zu können

    Wer unter dem Gefühl leidet, etwas verpassen zu können, wünscht sich immer noch etwas Besseres. Vielleicht ist das andere Profil doch ein besseres Match – oder kommt noch ein hübsches Gesicht? Wer ständig nach Optimierung sucht, gewöhnt sich an diese Haltung und fühlt sich bald abhängig von den vielen Bildern.

    Suche nach ständig neuen Partnern

    Ein neuer Partner, ein neuer Kick: Einige Tinder-Nutzer suchen nicht nach einer echten Beziehung, sondern sie möchten nur Spaß haben. Sie finden keine Befriedigung darin, jemanden ernsthaft kennenzulernen. Stattdessen entwickeln sie eine Sucht nach dem Unbekannten.

    Sucht nach Kommunikation und Chats

    Kommunikation ist viel wert, hat aber auch ein großes Suchtpotenzial. Das gilt auch für die Chats, die das soziale Leben kaum ersetzen können. Die Online-Antworten kommen sofort, doch anstelle einer echten Interaktion kommt es mit der Zeit zu einer sozialen Isolation.

    Instant Gratification

    Tinder sorgt für eine sofortige Belohnung und kann somit Glücksgefühle auslösen

    Tinder zeigt beispielhaft, wie das menschliche Belohnungssystem funktioniert. Ohne lange Vorbereitung können die Nutzer mit anderen Personen in Kontakt treten. Die Klicks und Likes aktivieren die Glückshormone. Das Gehirn speichert dieses positive Gefühl und der Mensch fühlt sich bestätigt.

    Doch diese sofortige Belohnung hat nichts mit langfristiger Zufriedenheit zu tun. Wer eine richtige Beziehung mit einem neuen Partner aufbaut, für den gibt es zunächst einen Belohnungsaufschub (delayed gratification). Die spätere Belohnung bietet deutlich mehr Erfüllung als der süchtig machende, abgekürzte Belohnungs-Kick.

    Bei jeder Nachricht und jedem Like wird Dopamin ausgeschüttet: Davon können die Tinder-Nutzer gar nicht genug bekommen. Ohne Likes verschlechtert sich die Stimmung sofort – die Abhängigkeit von den unechten Gefühlen ist eindeutig zu erkennen.

    Die Dosis macht das Gift

    Tinder als Partner-App kann durchaus funktionieren. Nicht jeder wird davon süchtig. Wer seine Nutzung gut dosiert, findet womöglich einen neuen Lebenspartner. Doch Tinder sollte nicht das Alltagsleben beeinträchtigen. Darum ist es sinnvoll, die Nutzungsdauer zu kontrollieren und es nicht zu übertreiben.

    Bin ich süchtig nach Tinder?

    Der Test ob du süchtig nach Tinder und andern Dating Apps bist...

    Ist das schon eine Tinder- oder Dating-Sucht, oder noch normal? Wenn das Smartphone immer griffbereit ist und jeder Blick sofort zu den neuen Tinder-Matches geht, stimmt etwas nicht. Wer Angst hat, süchtig nach Tinder zu sein, findet dies mit den folgenden Testfragen heraus.

    Frage dich selbst:

    Anhand der Antworten lässt sich feststellen, ob bereits eine gewisse Abhängigkeit besteht. Bei der heimlichen Nutzung, beispielsweise in der Schule, der Uni oder im Büro, kann die eigene Leistung leiden. Das wirkt sich wiederum auf die gesamte Lebensqualität aus.

    Auch andere Hobbys können durch die Sucht nach der Dating App deutlich zu kurz kommen. Auch die Qualität der Hobbys kann darunter leiden. Wer zum Beispiel beim Sport immer wieder Pausen einlegt um auf das Handy zu sehen und Likes zu verteilen oder Nachrichten zu schrieben, der empfindet einerseits weniger Spaß beim Sport, anderseits leidet auch die Qualität darunter. Gewonnen ist dadurch also nichts. 

    Wer ständig aufs Handy schaut, für den erhöht sich das Unfallrisiko im Straßenverkehr. Das gilt nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Fußgänger. Die allgegenwärtige App beeinflusst die Arbeit und das Privatleben. Selbst nachts im Bett fühlen sich die Betroffenen unsicher, wenn das Handy nicht in Reichweite liegt. Nur noch einmal anklicken …

    Der finanzielle Schaden ist zwar begrenzt, trotzdem sollten die suchtgefährdeten Menschen ihre Tinder-Nutzung einschränken. Einen richtigen Mehrwert für die Kosten gibt es nicht. Genau genommen sind selbst die Glücksgefühle nicht echt, denn sie beruhen auf einer verfälschten Wahrnehmung.

    Wer in einer festen, monogamen Beziehung lebt, sollte besonders vorsichtig sein. Die übertriebene Nutzung von Tinder gefährdet die bestehende Partnerschaft. Wer es dennoch nicht lassen kann, ist mit großer Wahrscheinlichkeit süchtig.

    Die Signale erkennen und ernst nehmen

    Anhand dieser Anzeichen ist das Suchtverhalten mehr oder weniger deutlich zu erkennen. Auch andere Symptome können auf die Tinder-Abhängigkeit hinweisen. Wenn bereits eine Handy-Sucht vorliegt, erhöht sich die Gefahr. Auch die Sucht nach Anerkennung beeinflusst das Risiko einer verstärkten Abhängigkeit.

    Tinder Sucht überwinden

    Tipps um die Sucht nach Tinder und anderen Dating Apps zu überwinden

    Um die Sucht nach Tinder zu bewältigen, braucht es eine gewisse Disziplin. Zudem sind Tipps zur Selbsthilfe sinnvoll. Damit können die Betroffenen aus eigener Kraft gegen die Gewohnheit und Abhängigkeit angehen.

    Weniger Zeit am Handy verbringen und damit die Selbstkontrolle zurückgewinnen – dies ist ein besonders wichtiger Punkt. Auch die Suche nach Ablenkung und die Stärkung des Selbstwertgefühls helfen dabei, die Tinder-Sucht zu überwinden.

    App verstecken oder deaktivieren

    Weniger Zeit mit dem Smartphone verbringen, die App deaktivieren und andere Anwendungen nutzen, um die Ablenkung durch das Mobilgerät zu minimieren.

    Handyfreie Zeit einrichten

    Bestimmte Zeiten definieren, in denen das Smartphone ungenutzt bleibt, eigene Ruhezeiten beachten, das Mobilgerät aus dem Schlafzimmer verbannen.

    Digital Detox

    Digital Detox: Am Wochenende auf mobile Apps verzichten. Die Selbstbeobachtung hilft dabei, das eigene Befinden in den Fokus zu rücken.

    Alternativen finden

    Mit anderen Aktivitäten das Glückshormon Dopamin aktivieren, Sport treiben, Freunde treffen. Dadurch lässt der negative Einfluss der virtuellen Apps nach.

    Nutzung hinterfragen

    Wer sich bewusst mit seinem Nutzungsverhalten auseinandersetzt, erkennt die typischen Fallen von Dating-Apps. Bringt Tinder wirklich ein positives Element ins Leben? Ist es das geeignete Tool, um einen neuen Partner zu finden? Begegnungen in der Wirklichkeit lösen echte Gefühle aus – und authentische Reaktionen.

    Profesionelle Hilfe

    Therapie bei einer Handysucht im allgemeinen

    Gegen Tinder-Sucht und Handy-Abhängigkeit hilft manchmal nur eine professionelle Therapie. Ebenso wie im Kampf gegen die Sucht nach Anerkennung oder Masturbation befasst sich der Psychotherapeut intensiv mit den Ursachen. In den gemeinsamen Therapiesitzungen finden die Patienten und Therapeuten einen geeigneten Lösungsweg aus der Sucht heraus.

    Bei einem krankhaften Suchtverhalten handelt es sich um eine psychische Erkrankung. Im Anschluss an die Diagnose empfehlen die Psychotherapeuten eine kognitive Verhaltenstherapie. In ausführlichen Gesprächen lässt sich die Abhängigkeit vom Smartphone und von Tinder allmählich überwinden.

    Die Behandlung der Handy-Sucht ist ein relativ neues Thema, daher gibt es nur begrenzte Erkenntnisse aus bisherigen Therapien. Doch die kognitive Verhaltenstherapie hat sich bereits in vielen anderen Bereichen bewährt. Mit dem sogenannten Reality Approach gelingt es den Betroffenen, ihre Gewohnheiten ins Positive zu verändern und das Mobilgerät öfters wegzulegen.

    Hilfe finden und annehmen:

    Wer akzeptiert, dass er Unterstützung braucht, kann sich an eine Beratungsstelle wenden und sich umfassend über das Thema informieren. Wichtig ist, dass die Suchtpatienten die angebotene Hilfe auch in Anspruch nehmen. Auch Selbsthilfegruppen können eine gute Lösung sein, um die Tinder- oder Handy-Sucht zu bewältigen.

    Im Extremfall empfiehlt es sich, einen Therapeuten in der Umgebung aufzusuchen, der sich auf die persönliche Situation einstellt und eine geeignete Therapie einleitet.

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Erfahrungsberichte über Tinder – TrustPilot

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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