Schuhsucht

Süchtig nach Schuhen - Der Drang neue Schuhe zu kaufen

Die Schuhsucht ist ein Thema, welches in den Medien meist mit einem Augenzwinkern vorkommt. „Schuhsüchtig? Ach, ich doch nicht. Aber dieses eine Paar Schuhe musste ich unbedingt noch haben.“ Aus diesem einen Paar werden dann schnell zehn. Wir erklären wie sich Sucht nach Schuhen definieren lässt und was gegen den Drang immer wieder neue Schuhe kaufen zu müssen unternommen werden kann. Betroffene sollten sich für das Problem nicht schämen müssen.

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Die Schuhsucht ist eine psychologische Zwangsstörung. Keine offiziell anerkannte Suchterkrankung, aber als spezifische Ausprägung der Kaufsucht eben klar eine Zwangsstörung. 

    Da wären einerseits die finanziellen Auswirkungen. Wer immer mehr Schuhe kaufen will, benötigt immer mehr Geld. Oft verschulden sich Betroffene deshalb sogar. Die psychischen Effekte sollten ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden. Da Schuhsüchtige wissen, dass sie ein Problem haben, fühlen Sie sich schlecht und kultivieren negative Gedanken. Das Selbstwertgefühl wird schwächer, der Selbsthass hingegen nimmt zu und kann sogar in Depressionen müden.

    Von anderen Süchten bekannte Behandlungsmethoden sind auch bei der Schuhsucht zu empfehlen. Durch Kognitive Verhaltenstherapie und/oder Gruppentherapie lassen sich festgefahrene Verhaltensmuster lösen und positive Ersatzhandlungen finden. Zuletzt verschob sich der Fokus außerdem immer mehr auf die Beseitigung von zugrunde liegenden Traumata. In besonders schweren Fällen können Süchte auch medikamentös behandelt werden.

    Definition der Schuhsucht

    Die Schuhsucht ist keine klassische Sucht, zumindest ist sie nicht offiziell als eine solche anerkannt. Sie kann das Leben von Betroffenen dennoch stark negativ beeinflussen. Denn eine Schuhsucht ist tatsächlich eine psychische Zwangsstörung. Die Grenzen zwischen einer einfachen Vorliebe und einer psychologisch relevanten Verfasstheit sind dabei fließend.

    Wer für seine Schuhsammlung einen nicht unwesentlichen Teil der Wohnung reserviert oder gar einen eigenen Raum dafür freihält, der sollte sich allerdings auf jeden Fall Gedanken darüber machen, ob er nicht vielleicht schon schuh- bzw. kaufsüchtig ist und eine Therapie in Betracht ziehen sollte.

    Der zentrale Begriff bei der Schuhsucht ist wohl „Belohnungsverhalten“. Das Belohnungssystem im Gehirn wird immer dann aktiviert, wenn wir uns etwas Gutes tun. Es kommt zur Ausschüttung von Dopamin, dem sogenannten „Glücksbotenstoff“. Der körpereigene Stoff wirkt in etwa wie eine Droge. Und hier liegt auch das Problem von Süchtigen: Nach einer Zeit reicht eine „normale“ Dopamindosis nicht mehr aus. Entweder muss sie erhöht oder der Zeitraum zwischen den Verabreichungen verkürzt werden.

    Im Fall einer Schuhsucht bedeutet das: Mehr Schuhe kaufen. Denn nur der Kauf eines neuen Paar Schuhe stimuliert das Belohnungssystem ausreichend, um für ein (kurzes, aber intensives) Glücksgefühl zu sorgen.

    Symptome der Schuhsucht

    Die Schuhsucht ist eine spezielle Form der Kaufsucht. Deshalb stehen die und ihre Symptome im folgenden Absatz auch im Mittelpunkt.

    Charakteristisch für den Kaufzwang ist, dass bestimmte Güter weit über den eigentlichen Bedarf hinaus erworben werden. Die gekauften Gegenstände werden oftmals gar nicht ausgepackt, sondern irgendwo in der Wohnung aufbewahrt (Stichwort: Schuhzimmer).

    In besonders schwerwiegenden Fällen entfällt sogar die Lagerung, die Produkte landen direkt im Müll. Negative Konsequenzen wie beispielsweise Verschuldung werden ignoriert.

    Der Betroffene ist sich der Unsinnigkeit seiner Handlungen dabei bewusst, kann allerdings nicht dagegen ankämpfen. Unterlässt er die Kaufhandlung, stellen sich Entzugserscheinungen ein.

    Schuhsucht oder Konsumismus?

    Der Konsumismus ist der Drang, dem Bedürfnis nach dem Erwerb neuer Konsumgüter immer und immer wieder nachzugeben. Treibende Kraft dahinter ist der Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung, die Suche nach Glück und Identität. Von Konsumismus betroffene Menschen sehen im Konsum ihren persönlichen Lebenssinn.

    Der Unterschied zur Kauf- bzw. Schuhsucht. Das Problembewusstsein fehlt. Der persönliche Konsumismus wird durch unterschiedlichste Argumentationen legitimiert, das Problem negiert. Vom Konsumismus ist der Weg allerdings nicht mehr weit in eine Kaufsucht.

    Auslöser einer Schuhsucht

    Die Kaufsucht ist eine psychische Störung der Persönlichkeit, meist basierend auf einem geringen Selbstwertgefühl. Durch die Kaufhandlung werden die negativen Gedanken kurzfristig vertrieben.

    Wie bei vielen psychischen Störungen, ist die Ursache häufig ein persönliches Trauma. Eine gestörte Impulskontrolle kann ebenfalls ihren Teil zur Entstehung der Sucht nach neuen Schuhen beitragen.

    Eine gewichtige Rolle spielt auch der klassische „Frustkauf“. Die Konsumation, um negative Gefühle und Gedanken ausblenden zu können. Aus dem gelegentlichen Kauf kann schnell eine Angewohnheit werden. Anstatt sich also gezielt mit negativen Erfahrungen und Gefühlen auseinanderzusetzen, wird eine Ersatzhandlung ausgeführt.

    Interessantes Detail: Die Kaufsucht, wie auch die Sucht danach neue Schuhe kaufen zu wollen, als medizinisches Problem existiert in relevantem Ausmaß lediglich in der westlichen Welt. Also dort, wo großen Bevölkerungsteilen ein entsprechendes Einkommen zur Verfügung steht und aus einem unüberschaubar großen Warenangebot gewählt werden kann.

    Wann ist die Schuhsucht gefährlich?

    Eine Schuhsucht wirkt sich auf zwei Ebenen aus. Da wäre zunächst die offensichtliche Komponente: Das Finanzielle. Schuhe kosten Geld. Und viele Schuhe kosten viel Geld. Ist dies nicht im notwendigen Ausmaß vorhanden, muss sich der Schuhsüchtige verschulden. Es entstehen schwerwiegende finanzielle Probleme, die sich im Laufe der Zeit noch verschlimmern – sollte der Absprung nicht geschafft werden.

    Manche Patienten geraten deshalb sogar auf die schiefe Bahn, begehen Ladendiebstahl oder versuchen, auf illegale Art und Weise schnell an viel Geld zu kommen.

    Die zweite Ebene ist die psychisch-soziale. Schuhsüchtige sind sich ihrer Lage durchaus bewusst. Sie wissen, dass sie ein Problem haben. Und das nagt am Gemüt. Die Folge sind negative Gedanken, die sich bis hin zum Selbsthass und sogar einer Depression auswachsen können.

    Der Schuhsüchtige zieht sich mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück, geht auf Distanz zu seinem persönlichen Umfeld. Die durch Vereinsamung ausgelösten negativen Gefühle lassen sich am einfachsten und schnellsten mit einem Dopaminausstoß vertreiben. Und den holen sich Schuhsüchtige klarerweise am liebsten durch den Kauf von neuen Schuhen.

    Hilfe bei Schuhkaufsucht

    Die Schuhsucht ist, wie erwähnt, eine Zwangsstörung. Und obwohl sie offiziell nicht als Sucht anerkannt ist, eignet sich die entsprechende Therapie natürlich auch in diesem Fall.

    Die besondere Schwierigkeit: Suchtkranken wird in der Regel dazu geraten, sich keiner Versuchung auszusetzen und den Kontakt zum Suchtmittel zu vermeiden. Nun müssen Menschen aber einkaufen gehen – und Schuhe sollten sie auch tragen, sobald sie das Haus/die Wohnung verlassen.

    Einen Bogen um beide Dinge zu machen, funktioniert nicht. Die Therapie einer Schuhsucht spielt sich üblicherweise auf drei Ebenen ab:

    Medikamente

    Wie bei allen anderen Süchten auch, können bestimmte Medikamente eingesetzt werden. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn der Betroffene zusätzlich zur Schuhsucht noch an Depressionen leidet.

    Psychotherapie

    Bei der Therapie von psychischen Störungen kommt besonders oft die kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz. Deren vereinfachte Stoßrichtung: Schädliches angelerntes Verhalten wieder „entlernen“. Dazu ist eine grundlegende Auseinandersetzung mit sich selbst, seiner Persönlichkeit und seinen Lebensumständen. Das geschieht entweder im ausführlichen und wiederholten Zwiegespräch mit dem Therapeuten oder im Rahmen einer Gruppentherapie.

    Ursachenforschung

    Die Psychotherapie geht bereits in die Richtung, mit der Ursachenforschung wird aber immer mehr der Fokus auf die Auslöser der Kauf- bzw. Schuhsucht gelegt. Die Behandlung der Symptome rückt dabei mehr in den Hintergrund. Betroffene sollen lernen, mit negativen Impulsen/Emotionen auf andere Art und Weise umzugehen. Besonders erfolgversprechend: Die Angewöhnung von Ersatzhandlungen. Wird der Drang, Schuhe zu kaufen zu groß, stattdessen „einfach“ mal Sport machen oder sich mit Freunden treffen.

    Der erste Schritt in die richtige Richtung ist es, sich einzugestehen, dass ein Problem vorliegt und dieses Problem auch lösen zu wollen. Kleinere Umstellungen im Alltag erhöhen die Erfolgsaussichten. Der Verzicht auf eine Kreditkarte und die damit einhergehende Fokussierung auf Bargeld ermöglichen einen besseren Überblick über die Ausgaben, das Führen eines Haushaltsbuches hat denselben Effekt. Ebenfalls ein guter Ansatz: Einkaufen immer nur in Begleitung von nicht (schuh)süchtigen Freunden.

    Hilfe finden und annehmen

    An einer Zwangsstörung zu leiden ist belastend. Betroffene sind sich der Unsinnigkeit und der Gefährlichkeit ihrer Handlungen durchaus bewusst. Dennoch schaffen Sie es nicht, das Muster zu durchbreche: Das Muster von Frustration hin zum Impulskauf über den Dopaminausstoß wiederum hin zu Frustration. Durch den Schuhkauf erfahren sie zwar kurzfristige Erleichterung, von echter Freude kann aber keine Rede sein.

    Obwohl offiziell nicht als eigenes Krankheitsbild anerkannt, kann die Schuh- bzw. Kaufsucht auf dieselbe Art behandelt und therapiert werden wie alle anderen „anerkannten“ Süchte. Kognitive Verhaltenstherapie und Gruppentherapien haben sich bewährt. In schweren – mit Depressionen zusammenhängenden – Fällen ist die medikamentöse Behandlung ein gängiger Weg.

    Wichtig ist aber ohnehin die Einsicht, dass etwas nicht stimmt. Die ermöglicht den Gang zum Arzt. Betroffene können entsprechende Ärzte über die Arztsuche auf Jameda finden oder über das Internet Psychologen (z.B. über Instahelp) in Anspruch nehmen. 

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      Quellen:

      1. Kaufsucht: Wenn Konsum zur Krankheit wird – AOK

      Foto: qnula | shutterstock.com

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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