Schuhsucht

Süchtig nach Schuhen - Tipps und Hilfe zur Überwindung der Schuhsucht

Die Schuhsucht ist ein Thema, welches in den Medien meist mit einem Augenzwinkern vorkommt. „Schuhsüchtig? Ach, ich doch nicht. Aber dieses eine Paar Schuhe musste ich unbedingt noch haben.“ Aus diesem einen Paar werden dann schnell zehn. Wir erklären wie sich Sucht nach Schuhen definieren lässt und was gegen den Drang immer wieder neue Schuhe kaufen zu müssen unternommen werden kann. Betroffene sollten sich für das Problem nicht schämen müssen.

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    Süchtig nach Schuhen

    Was beschreibt eine Schuhsucht?

    Die Schuhsucht ist keine klassische Sucht, zumindest ist sie nicht offiziell als eine solche anerkannt. Sie kann das Leben von Betroffenen dennoch stark negativ beeinflussen. Denn eine Schuhsucht ist tatsächlich eine psychische Zwangsstörung. Die Grenzen zwischen einer einfachen Vorliebe und einer psychologisch relevanten Verfasstheit sind dabei fließend.

    Wer für seine Schuhsammlung einen nicht unwesentlichen Teil der Wohnung reserviert oder gar einen eigenen Raum dafür freihält, der sollte sich allerdings auf jeden Fall Gedanken darüber machen, ob er nicht vielleicht schon schuh- bzw. kaufsüchtig ist und eine Therapie in Betracht ziehen sollte.

    Der zentrale Begriff bei der Schuhsucht ist wohl „Belohnungsverhalten“. Das Belohnungssystem im Gehirn wird immer dann aktiviert, wenn wir uns etwas Gutes tun. Es kommt zur Ausschüttung von Dopamin, dem sogenannten „Glücksbotenstoff“.

    Der körpereigene Stoff wirkt in etwa wie eine Droge. Und hier liegt auch das Problem von Süchtigen: Nach einer Zeit reicht eine „normale“ Dopamindosis nicht mehr aus. Entweder muss sie erhöht oder der Zeitraum zwischen den Verabreichungen verkürzt werden.

    Immer mehr Schuhe kaufen:

    Im Fall einer Schuhsucht bedeutet das: Mehr Schuhe kaufen. Denn nur der Kauf eines neuen Paar Schuhe stimuliert das Belohnungssystem ausreichend, um für ein (kurzes, aber intensives) Glücksgefühl zu sorgen.

    Anzeichen einer Schusucht

    Wie macht sich die Sucht nach neuen Schuhen bemerkbar?

    Die Schuhsucht ist eine spezielle Form der Kaufsucht.  Charakteristisch für den Kaufzwang ist, dass bestimmte Güter weit über den eigentlichen Bedarf hinaus erworben werden.

    Die gekauften Gegenstände werden oftmals gar nicht ausgepackt, sondern irgendwo in der Wohnung aufbewahrt (Stichwort: Schuhzimmer).

    In besonders schwerwiegenden Fällen entfällt sogar die Lagerung, die Produkte landen direkt im Müll. Negative Konsequenzen wie beispielsweise Verschuldung werden ignoriert.

    Der Betroffene ist sich der Unsinnigkeit seiner Handlungen dabei bewusst, kann allerdings nicht dagegen ankämpfen. Unterlässt er die Kaufhandlung, stellen sich Entzugserscheinungen ein.

    Schuhsucht oder Konsumismus?

    Der Konsumismus ist der Drang, dem Bedürfnis nach dem Erwerb neuer Konsumgüter immer und immer wieder nachzugeben. Treibende Kraft dahinter ist der Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung, die Suche nach Glück und Identität. Von Konsumismus betroffene Menschen sehen im Konsum ihren persönlichen Lebenssinn.

    Der Unterschied zur Kauf- bzw. Schuhsucht. Das Problembewusstsein fehlt. Der persönliche Konsumismus wird durch unterschiedlichste Argumentationen legitimiert, das Problem negiert. Vom Konsumismus ist der Weg allerdings nicht mehr weit in eine Kaufsucht.

    Gefahren der Schusucht

    Wann wird eine Schuhsucht gefährlich?

    Eine Schuhsucht wirkt sich auf zwei Ebenen aus. Da wäre zunächst die offensichtliche Komponente: Das Finanzielle. Schuhe kosten Geld. Und viele Schuhe kosten viel Geld. Ist dies nicht im notwendigen Ausmaß vorhanden, muss sich der Schuhsüchtige verschulden. Es entstehen schwerwiegende finanzielle Probleme, die sich im Laufe der Zeit noch verschlimmern – sollte der Absprung nicht geschafft werden.

    Manche Patienten geraten deshalb sogar auf die schiefe Bahn, begehen Ladendiebstahl oder versuchen, auf illegale Art und Weise schnell an viel Geld zu kommen.

    Die zweite Ebene ist die psychisch-soziale. Schuhsüchtige sind sich ihrer Lage durchaus bewusst. Sie wissen, dass sie ein Problem haben. Und das nagt am Gemüt. Die Folge sind negative Gedanken, die sich bis hin zum Selbsthass und sogar einer Depression auswachsen können.

    Der Schuhsüchtige zieht sich mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück, geht auf Distanz zu seinem persönlichen Umfeld. Die durch Vereinsamung ausgelösten negativen Gefühle lassen sich am einfachsten und schnellsten mit einem Dopaminausstoß vertreiben. Und den holen sich Schuhsüchtige klarerweise am liebsten durch den Kauf von neuen Schuhen.

    Auslöser der Schuhsucht

    Warum wird man süchtig nach neuen Schuhen?

    Die Kaufsucht ist eine psychische Störung der Persönlichkeit, meist basierend auf einem geringen Selbstwertgefühl. Durch die Kaufhandlung werden die negativen Gedanken kurzfristig vertrieben.

    Wie bei vielen psychischen Störungen, ist die Ursache häufig ein persönliches Trauma. Eine gestörte Impulskontrolle kann ebenfalls ihren Teil zur Entstehung der Sucht nach neuen Schuhen beitragen.

    Eine gewichtige Rolle spielt auch der klassische „Frustkauf“. Die Konsumation, um negative Gefühle und Gedanken ausblenden zu können. Aus dem gelegentlichen Kauf kann schnell eine Angewohnheit werden. Anstatt sich also gezielt mit negativen Erfahrungen und Gefühlen auseinanderzusetzen, wird eine Ersatzhandlung ausgeführt.

    Interessantes Detail: Die Kaufsucht, wie auch die Sucht danach neue Schuhe kaufen zu wollen, als medizinisches Problem existiert in relevantem Ausmaß lediglich in der westlichen Welt. Also dort, wo großen Bevölkerungsteilen ein entsprechendes Einkommen zur Verfügung steht und aus einem unüberschaubar großen Warenangebot gewählt werden kann.

    Einfluss von Werbung auf die Schuhsucht

    Einfluss von Werbung und sozialen Medien auf die Schuhsucht

    Die ständige Präsenz von neuen Modetrends und Rabattaktionen in der Werbung kann dazu beitragen, dass sich das Verlangen nach neuen Schuhen verstärkt.

    Die gezielte Ansprache bestimmter Zielgruppen durch die Werbeindustrie kann auch dazu führen, dass Personen mit geringem Selbstwertgefühl vermehrt dazu neigen, durch den Kauf neuer Schuhe ihren Selbstwert aufzubessern.

    Besonders in der heutigen Zeit, in der soziale Medien eine große Rolle spielen, werden neue Schuhtrends schnell verbreitet und erhöhen somit den Druck, immer topmodisch zu sein.

    Betroffene können dadurch in einen Kreislauf geraten, in dem sie immer wieder neue Schuhe kaufen, um sich selbst zu bestätigen oder um Anerkennung von anderen zu bekommen.

    Warum kauf man neue Schuhe?

    Verlangen und Kompensationsverhalten

    Eine Schuhsucht kann sich in verschiedenen Verlangen und Kompensationsverhalten äußern. In der folgenden Tabelle haben wir einige dieser Verhaltensmuster zusammengetragen und verglichen, um ein besseres Verständnis für die Mechanismen hinter der Schuhsucht zu gewinnen.

    Verlangen Kompensationsverhalten
    Stress Schuhe kaufen als Beruhigung
    Langeweile Schuhe kaufen als Zeitvertreib
    Drang nach Anerkennung Schuhe kaufen als Statussymbol
    Niedriges Selbstwertgefühl Schuhe kaufen als Selbstbestätigung
    Sammlerinstinkt Ständiges Sammeln und Aufbewahren von Schuhen

    Tipps gegen Schuhsucht

    Hilfreiche Tipps gegen die Sucht nach neuen Schuhen
    Problem erkennen:

    Der erste Schritt besteht darin, Ihr eigenes Verhalten zu erkennen und zu akzeptieren, dass eine Schuhsucht vorliegen kann. Nur dann können Sie beginnen, etwas dagegen zu unternehmen. Reflektieren Sie regelmäßig Ihr Kaufverhalten und fragen Sie sich, ob Sie wirklich neue Schuhe brauchen oder ob es nur eine kurzfristige Befriedigung ist. So können Sie Ihr Kaufverhalten besser kontrollieren und einschränken.

    Grenzen setzen:

    Es kann hilfreich sein, sich selbst Grenzen zu setzen, wie beispielsweise nur eine bestimmte Anzahl von Schuhen im Jahr zu kaufen. So können Sie Ihren Konsum kontrollieren und einschränken.

    Auslöser erkennen:

    Versuchen Sie herauszufinden, welche Auslöser dazu führen, dass Sie immer wieder neue Schuhe kaufen, wie beispielsweise Stress oder Langeweile. So können Sie gezielt gegensteuern und alternative Bewältigungsstrategien finden.

    Alternativen finden:

    Suchen Sie nach alternativen Aktivitäten, um negative Gefühle oder Langeweile zu bekämpfen, anstatt immer wieder neue Schuhe zu kaufen. Sport, Musik oder Lesen sind nur einige Beispiele. Ebenfalls hilfreich: Belohnung! Suchen Sie nach alternativen Belohnungen für sich selbst, die nicht mit dem Kauf neuer Schuhe zu tun haben, wie beispielsweise ein Wellness-Tag oder ein Hobby. So können Sie sich selbst belohnen, ohne in alte Verhaltensmuster zurückzufallen.

    Verkaufen oder spenden Sie alte Schuhe:

    Verkaufen oder spenden Sie alte Schuhe, um Platz für neue zu schaffen und um ein Bewusstsein für den eigenen Konsum zu schaffen. So können Sie Ihre Schuhsammlung reduzieren und Ihre Schuhsucht besser bewältigen.

    Unterstützung suchen:

    Sprechen Sie mit Freunden oder Familie über Ihr Problem und suchen Sie nach Unterstützung. Manchmal hilft es schon, darüber zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

    Werbung ignorieren:

    Versuchen Sie den Einfluss von Werbung auf Ihr Kaufverhalten zu reduzieren, indem Sie beispielsweise weniger Zeit auf sozialen Medien verbringen oder gezielt Werbung für Schuhe blockieren.

    Therapeutische Hilfe:

    In schwereren Fällen kann eine professionelle therapeutische Behandlung bei einem Psychologen oder Psychotherapeuten hilfreich sein. Hier können Sie lernen, Ihre Schuhsucht besser zu verstehen und bewältigen zu können.

    Therapie gegen Schuhsucht

    Wie kann man die Schuhsucht loswerden?

    Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Schuhsucht um eine Zwangsstörung. Obwohl sie nicht offiziell als Sucht anerkannt ist, kann eine entsprechende Therapie dennoch helfen.

    Die besondere Herausforderung bei der Behandlung: Suchtkranken wird in der Regel geraten, sich nicht in Versuchung zu führen und den Kontakt zum Suchtmittel zu vermeiden. Doch beim Kauf von Schuhen oder beim Tragen von bereits gekauften Schuhen ist dies oft nicht möglich.

    Es ist daher wichtig, dass die Therapie der Schuhsucht auf drei Ebenen abläuft:

    Die erste Ebene der Therapie ist die kognitive Ebene, bei der der Betroffene lernt, seine Gedanken und Überzeugungen im Hinblick auf den Schuhkauf zu hinterfragen und zu ändern. Es geht darum, die eigene Denkweise zu verändern, um die Schuhsucht zu überwinden.

    Die zweite Ebene der Therapie ist die Verhaltensebene, bei der der Fokus auf der Umsetzung von neuen Verhaltensweisen und dem Verzicht auf den Kauf von Schuhen liegt. Hier werden Strategien entwickelt, um mit dem Kaufzwang umzugehen und die eigenen Handlungen zu kontrollieren.

    Die dritte Ebene der Therapie ist die emotionale Ebene, bei der es darum geht, die zugrunde liegenden emotionalen Ursachen für die Schuhsucht zu erkennen und zu bearbeiten. Ziel ist es, den Betroffenen zu helfen, alternative Wege zu finden, um mit ihren Emotionen umzugehen und negative Gedanken und Gefühle zu reduzieren.

    Schamgefühle überwinden

    Hilfe finden und annehmen

    An einer Zwangsstörung zu leiden ist belastend. Betroffene sind sich der Unsinnigkeit und der Gefährlichkeit ihrer Handlungen durchaus bewusst.

    Dennoch schaffen Sie es nicht, das Muster zu durchbrechen: Das Muster von Frustration hin zum Impulskauf über den Dopaminausstoß wiederum hin zu Frustration. Durch den Schuhkauf erfahren sie zwar kurzfristige Erleichterung, von echter Freude kann aber keine Rede sein.

    Obwohl offiziell nicht als eigenes Krankheitsbild anerkannt, kann die Schuh- bzw. Kaufsucht auf dieselbe Art behandelt und therapiert werden wie alle anderen „anerkannten“ Süchte. Kognitive Verhaltenstherapie und Gruppentherapien haben sich bewährt. In schweren – mit Depressionen zusammenhängenden – Fällen ist die medikamentöse Behandlung ein gängiger Weg.

    Wichtig ist aber ohnehin die Einsicht, dass etwas nicht stimmt. Die ermöglicht den Gang zum Arzt. Betroffene können entsprechende Therapeuten über Google finden. Für alle, die sich vor dem Besuch beim Therapeuten fürchten, bieten wir in unserem Selbsthilfe Ratgeber Artikel hilfreiche Ratschläge an, die dazu beitragen können, Ängste und Schamgefühle zu überwinden.

    FAQ zur Schuhsucht

    Häufige Fragen und Antworten über die Sucht nach Schuhen

    Die Schuhsucht ist eine psychologische Zwangsstörung. Keine offiziell anerkannte Suchterkrankung, aber als spezifische Ausprägung der Kaufsucht eben klar eine Zwangsstörung. 

    Schuhsucht zeichnet sich dadurch aus, dass das Kaufverhalten der Betroffenen zwanghaft ist und häufig negative Konsequenzen nach sich zieht. Im Gegensatz dazu ist ein normaler Schuhkonsum nicht zwanghaft und beeinträchtigt nicht das alltägliche Leben.

    Da wären einerseits die finanziellen Auswirkungen. Wer immer mehr Schuhe kaufen will, benötigt immer mehr Geld. Oft verschulden sich Betroffene deshalb sogar. Die psychischen Effekte sollten ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden. Da Schuhsüchtige wissen, dass sie ein Problem haben, fühlen Sie sich schlecht und kultivieren negative Gedanken. Das Selbstwertgefühl wird schwächer, der Selbsthass hingegen nimmt zu und kann sogar in Depressionen müden.

    Von anderen Süchten bekannte Behandlungsmethoden sind auch bei der Schuhsucht zu empfehlen. Eine Kaufsucht wird in der Regel meist durch eine Kognitive Verhaltenstherapie und/oder Gruppentherapie therapieren. Dadurch lassen sich festgefahrene Verhaltensmuster lösen und positive Ersatzhandlungen finden. Zuletzt verschob sich der Fokus außerdem immer mehr auf die Beseitigung von zugrunde liegenden Traumata. In besonders schweren Fällen können Süchte auch medikamentös behandelt werden.

    Ja, es besteht die Möglichkeit, dass Schuhsucht zu anderen Süchten führen kann, da es sich um ein suchtähnliches Verhalten handelt. Wir raten daher dazu, das Verhalten frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

    Ja, es gibt bekannte Persönlichkeiten wie beispielsweise Imelda Marcos oder Mariah Carey, bei denen ein auffälliges Kaufverhalten von Schuhen bekannt ist.

    Obwohl eine Schuhsucht oft mit Frauen assoziiert wird, kann sie auch bei Männern auftreten. Es gibt keine geschlechtsspezifischen Unterschiede im Auftreten der Störung.

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Kaufsucht: Wenn Konsum zur Krankheit wird – AOK

      Autoren, Überprüfung und Gestaltung:

      Autorin: Julia Dernbach

      Medizinische Überprüfung: Thomas Hofmann

      Einarbeitung und Gestaltung: Matthias Wiesmeier

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