Alkoholsucht

Hilfe gegen die Angst vor einer Alkoholsucht - Tipps bei schleichender Alkoholabhängigkeit

Die Alkoholsucht gehört zu den häufigsten Abhängigkeiten in Deutschland. Ab wann gilt man aber als alkoholsüchtig? Gibt es unterschiedliche Phasen der Abhängigkeit? Wie wirkt sich die Alkoholsucht auf das persönliche Umfeld aus und wie lässt sie sich behandeln? Unser verständlicher Artikel, gibt Antworten auf all diese Fragen.

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Als alkoholabhängig gilt man dann, wenn innerhalb eines Jahres drei oder mehr der folgenden Punkte gleichzeitig zutreffen: Starkes Verlangen nach Alkohol; verminderte Kontrollfähigkeit hinsichtlich Beginn, Ende und Menge des Konsums; körperliche Entzugserscheinungen; Toleranzentwicklung; Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Alkohols; fortgesetzter Konsum trotz schädlicher Folgen.

    Das sogenannte Jellinek-Schema ist das am häufigsten in der Medizin verwendete Klassifikationssystem für Alkoholabhängigkeit. Entwickelt hat es der US-amerikanische Mediziner Elvin M. Jellinek bereits im Jahr 1960. Es umfasst vier Hauptphasen und 45 Stufen. Die Phasen sind die voralkoholische Phase, die Anfangsphase, die kritische Phase und die chronische Phase.

    Die Behandlung einer Alkoholsucht gliedert sich in vier Phasen. In der Vorbereitungsphase wird die Therapie geplant und die Motivation des Patienten aufgebaut. In der Entgiftungsphase kommt es zum medizinisch überwachten körperlichen Entzug. Die Entwöhnungs- und Rehabilitationsphase hat die physische, psychische und soziale Stabilisierung des Betroffenen zum Ziel. In der Nachsorge geht es dann um die Festigung der Therapieerfolge durch den Besuch von Selbsthilfegruppen, Suchtberatungsstellen oder einer Psychotherapie.

    Alkoholsucht: Ab wann?

    Ab wann liegt eine Alkoholsucht vor?

    Von wissenschaftlicher Seite existieren tatsächlich sehr klare Festlegungen dazu, ab wann jemand als alkoholkrank gilt, also an einer Alkoholsucht leidet.

    Eine Alkoholabhängigkeit liegt dann vor, wenn innerhalb eines Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien zur selben Zeit zutreffen.

    Zwang:

    Ein sehr starkes inneres Verlangen danach, Alkohol zu konsumieren.

    Toleranzentwicklung:

    Um denselben Effekt zu erzielen, muss eine immer größere Menge an Alkohol konsumiert werden.

    Kontrollverlust:

    Verminderte Fähigkeit, den Beginn, das Ende und die Menge des Konsums zu kontrollieren.

    Vernachlässigung:

    Hobbys und andere Interessen werden zugunsten des Alkohols vernachlässigt. Der Zeitaufwand für die Alkoholbeschaffung, den Konsum und die Erholung von den Folgen nimmt stetig zu.

    Ignorieren von Schäden:

    Fortgesetzter Alkoholkonsum, obwohl schädliche Folgen in körperlicher und geistig-psychischer Hinsicht offensichtlich sind und auch das Sozialleben bereits darunter leidet.

    Entzugserscheinungen:

    Körperliche Symptome wie Schwitzen oder Zittern bei Beendigung oder Verminderung des Alkoholkonsums.

    Wer an sich selbst oder an Menschen in seinem Umfeld drei oder mehr dieser Anzeichen gleichzeitig entdeckt, sollte die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass im jeweiligen Fall eine Alkoholsucht vorliegt.

    Angst vor Alkoholsucht überwinden

    Schamgefühle und Angst vor einer Abhängigkeit überwinden

    Eine schleichende Alkoholabhängigkeit kann schneller eintreten als erwartet. Oft wollen Betroffene sich das Problem nicht eingestehen und reden es mit „Ich kann ja jederzeit wieder aufhören“ schön. In Wirklichkeit hat sich in vielen Fällen bereits eine Abhängigkeit entwickelt.

    Wir können jedem der sich betroffen fühlt ans Herz legen, sich dem Thema mit entsprechender Ernsthaftigkeit zu öffnen. Schamgefühle, weil man denkt man würde über dem Problem stehen können und man wäre nicht so „schwach“ sind hier eindeutig Fehl am Platz. 

    Häufige Argumente mit sich selbst:

    Dieses sind typische Beispiele für Irrglaube und typisches „schönreden“ der Problematik mit Alkohol. Der Konsum kann nicht ernsthaft als Kontrolle betrachtet werden, wenn in Wahrheit der Alkohol die Kontrolle über die Handlung hat. Das davon niemand erfahren muss, ist ein eindeutiger Indiz für eine heimliche aber trotzdem existente Abhängigkeit.

    Auch geringe Mengen Alkohol können bei Regelmäßigkeit schädlich sein. Da Alkohol, zumindest in Deutschland, nicht verboten ist und Gesellschaftlich akzeptiert wird, scheint es schnell als „Normal“ akzeptiert werden zu können. 

    Ängste überwinden und einfach mal darüber sprechen:

    Wer sich anonym über die Probleme mit dem Alkohol unterhalten möchte, kann dies heutzutage idealerweise über das Internet oder dem Telefon tun. 

    Alkoholsucht: Phasen

    Welche Phasen der Alkoholsucht gibt es?

    Der US-amerikanische Mediziner Elvin M. Jellinek hat bereits im Jahr 1960 eine sogenannte Alkoholikertypologie erstellt. Das „Jellinek-Schema“ ist bis heute die gebräuchlichste Klassifikation des Alkoholismus in der Medizin.

    Es besteht aus vier Phasen, die wiederum in 45 Stufen unterteilt sind. Trennscharf ist die Unterscheidung der vier Phasen dabei nicht, die Übergänge sind oftmals unmerklich fließend. 

    Nach Jellinek lässt sich die Alkoholsucht in folgende vier Phasen unterteilen:

    Wie die jeweiligen Phasen im Detail aussehen, sehen wir uns nun etwas genauer an:

    Wird auch als symptomatische Phase bezeichnet. Sie ist dadurch charakterisiert, dass weder eine körperliche noch eine psychische Abhängigkeit vorliegt. Der Betroffene hat die vollständige Kontrolle über sein Trinkverhalten.

    Problematisch an dieser Phase ist, dass Alkohol immer öfter aufgrund seiner Wirkung konsumiert wird. Also zur Belohnung nach einem harten Tag in der Arbeit, das Sieger- oder Verliererbier nach einem Fußballmatch etc. Es entsteht eine mentale Verknüpfung zwischen Alkohol und Entspannung. Andere Lösungsansätze für stressige Situationen (beim Sport auspowern, ein gutes Buch lesen etc.) rücken zusehends in den Hintergrund.

    In der Anfangs- oder Prodromalphase ändert sich der Status von Alkohol für den Betroffenen von einem Genussmittel hin zum Problemlöser. Die ersten gravierenden Symptome treten auf, dazu zählen Gedächtnislücken, ein gesteigertes Verlangen nach Alkohol sowie Veränderungen im Trinkverhalten und im Umgang mit dem Suchtmittel.

    Wer sich in dieser Phase befindet, weiß meistens selbst, dass seine Trinkgewohnheiten problematisch sind, möchte dieses aber nicht ändern, weil er das Trinken doch noch als angenehm empfindet. Dieser Widerspruch erzeugt Schuldgefühle, die der Betroffene mit Alkohol lindern will. Um sozialen Konsequenzen zu entgehen, wird immer häufiger heimlich getrunken, kritische Gespräche über das Thema Alkohol werden vermieden. Da der Toleranzeffekt einsetzt, müssen immer größere Mengen konsumiert werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Abhängige in der Prodromalphase versuchen auch oft andere zum Trinken zu überreden, damit ihr problematisches Verhalten nicht so auffällt.

    Der Trinker ist nun vollständig abhängig. Die Kontrolle über den Konsum ist nur noch bedingt möglich, das Trinken bestimmt das Denken und Handeln gänzlich. Dadurch entstehen weitere Schuldgefühle, aufgrund derer sich Betroffene noch mehr zurückziehen und noch mehr trinken.

    Abhängige gehen in diesem Stadium dazu über, ein neues und sozial vermeintlich verträglicheres Trinksystem zu etablieren. „Ich trinke nur noch am Abend.“ Oder „Ich trinke nur noch Bier, keinen Schnaps mehr.“ Es kommt zur verstärkten Reduktion von sozialen Kontakten und zur Vernachlässigung von Hobbys. Betroffene versuchen, sich mit Pseudoerklärungen aus der Affäre zu ziehen und negieren Ihre Abhängigkeit. Sie verhalten sich ihrer Umgebung gegenüber feindselig-aggressiv und fühlen sich permanent missverstanden. Die ersten körperlichen Folgen stellen sich ein (Herz-Kreislauf-Probleme, erhöhte Leberwerte, sexuelle Störungen).

    Familienmitglieder ziehen sich ebenfalls aus der Öffentlichkeit zurück, weil sie die Abhängigkeit decken wollen. Innerhalb der Familie kommt es aufgrund der Aggressivität des Betroffenen immer öfter zu Verwerfungen.

    Wer sich in dieser Phase befindet, weiß meistens selbst, dass seine Trinkgewohnheiten problematisch sind, möchte dieses aber nicht ändern, weil er das Trinken doch noch als angenehm empfindet. Dieser Widerspruch erzeugt Schuldgefühle, die der Betroffene mit Alkohol lindern will. Um sozialen Konsequenzen zu entgehen, wird immer häufiger heimlich getrunken, kritische Gespräche über das Thema Alkohol werden vermieden. Da der Toleranzeffekt einsetzt, müssen immer größere Mengen konsumiert werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Abhängige in der Prodromalphase versuchen auch oft andere zum Trinken zu überreden, damit ihr problematisches Verhalten nicht so auffällt.

    Der Trinker wird nun voll und ganz von seiner Sucht beherrscht. Der Effekt des Alkohols ist keine Entlastung mehr, sondern nur noch Erleichterung über das Verschwinden der Entzugssymptome. Versucht ein Betroffener, auf Alkohol zu verzichten, durchleidet er schwerste Entzugserscheinungen wie Beschwerden im Magen-Darm-Trakt (Übelkeit, Erbrechen), Tremor (unkontrollierbares Zittern), Schweißausbrüche, stark erhöhte Blutdruck- und Pulswerte sowie Angst- und Panikattacken.

    Der körperliche und geistige Verfall ist immanent, die Abhängigkeit nimmt ein lebensbedrohliches Ausmaß an. Da ein Alkohol-Dauerkonsum das potenteste bekannte „Depressivum“ ist, bilden Betroffene immer stärkere Depressionen heraus, die oftmals in Suizidversuche münden.

    Angehörige von Alkoholiker

    Angst vor der Alkoholsucht: Auch Angehörige leiden

    Eine Alkoholsucht betrifft niemals nur den Trinker selbst, sie hat Auswirkungen auf sein gesamtes soziales Umfeld. Und die können teilweise gravierend sein. Sie betreffen sowohl die körperliche als auch die psychische Ebene und sind neben der Angst um das Leben eines lieben Menschen ein weiterer Grund dafür, warum auch Angehörige von Abhängigen Angst vor eine Alkoholsucht haben.

    Selbstvorwürfe:

    Angehörige von Suchtkranken werden meist als erstes auf eine sich anbahnende Abhängigkeit aufmerksam. In vielen Fällen hat eine Konfrontation mit dem Betroffenen aber nicht den gewünschten Effekt, sondern verstärkt dessen unsoziales Verhalten nur noch. Angehörige machen sich in weiterer Folge selbst Vorwürfe, die falsche Strategie gewählt zu haben bzw. dem Betroffenen nicht helfen zu können. Das belastet die Psyche.


    Gewalt:

    Alkoholsüchtige werden mit Fortdauer der Abhängigkeit meist aggressiver und feindseliger. Das kann in manchen Fällen so weit gehen, dass es zu Handgreiflichkeiten gegenüber Familienangehörigen und anderen Vertrauenspersonen kommt.


    Co-Abhängigkeit:

    Unter einer Co-Abhängigkeit versteht man ein Verhalten von Familienangehörigen oder engen Freunden, das Symptome der Suchterkrankung minimiert oder bagatellisiert. Sie begleichen etwa durch die Sucht entstandene Schulden, entschuldigen unpassendes Verhalten oder reden daraus resultierende Konsequenzen teil. Sie versuchen alles, um den Schein zu wahren und unterstützen dadurch den Alkoholsüchtigen in seiner Lebensweise. Co-Abhängige ziehen sich ebenfalls aus dem gewohnten sozialen Umfeld zurück.

    Behandlung von Alkoholsucht

    Wie lässt sich Alkoholsucht behandeln?

    Die Therapie einer Alkoholsucht ist ohne einen entsprechenden Entzug nicht möglich. Hinter dem Konzept steckt aber deutlich mehr, als nur auf Alkohol zu verzichten. Es benötigt viele unterschiedliche Ansätze, die im Zusammenspiel dafür sorgen können, dass ein Betroffener die Abhängigkeit hinter sich lässt. 

    Grundsätzlich läuft eine Alkoholsucht-Therapie in vier Phasen ab:
    Vorbereitungsphase:

    Anpassung der Therapie an die individuelle Situation und Aufbau der Motivation, überhaupt eine Therapie durchziehen zu wollen.

    Entzugs-/Entgiftungsphase:

    Der körperliche Alkoholentzug dauert in der Regel zwischen 3 und 7 Tagen. Da dabei starke Entzugserscheinungen auftreten, ist eine stationäre Aufnahme für die Dauer dieser Phase empfehlenswert.


    Entwöhnungs-/Rehabilitationsphase:

    Stabilisierung des Patienten durch umfassende Maßnahmen im körperlichen, psychischen und sozialen Bereich. Enge Zusammenarbeit mit Psycho- und Sozialtherapeuten ist hier wichtig. Abhängig vom Patienten und der Ausformung der Sucht wird diese Phase stationär, teilstationär oder ambulant durchgeführt.

    Nachsorge:

    Ziel ist die Stabilisierung der Behandlungserfolge und die Sicherstellung einer langfristigen Versorgung des Patienten. Das kann etwa durch den regelmäßigen Besuch einer Selbsthilfegruppe geschehen, durch eine individuelle Psychotherapie oder das ebenso regelmäßige Aufsuchen einer Suchtberatungsstelle.

    Medikamente gegen Alkoholsucht

    Medikamentöse Behandlung von Alkoholsucht

    Im Rahmen einer Entziehungskur kommen Medikamente in zwei Bereichen zum Einsatz. Einerseits, um die auftretenden Symptome abzumildern und den Leidensdruck des Patienten zu verringern. Andererseits, um die Lust auf Alkohol zu dämpfen. 

    Dabei werde etwa Präparate wie Antabus (verursacht sehr unangenehme Beschwerden, sobald Alkohol getrunken wird) oder Campral (dämpft das Verlangen nach Alkohol) verwendet. Adepend wiederum sorgt dafür, dass das Hochgefühl nach Alkoholkonsum deutlich weniger ausgeprägt ist.

    Die komplette Therapie gegen Alkoholsucht online durchzuziehen ist nicht möglich. Der körperliche Entzug führt nämlich zu schweren Entzugserscheinungen, der Zustand des Patienten sollte dabei unbedingt ärztlich überwacht werden. In späteren Phasen kann man sich aber auf jeden Fall online Hilfe holen.

    Sollen während der Nachsorge Medikamente zum Einsatz kommen, gibt es die Möglichkeit, diese bei Online-Apotheken zu bestellen. Bei rezeptfreien Präparaten ist dies ohnehin kein Problem. Für verschreibungspflichtige Medikamente wird allerdings ein entsprechendes Rezept benötigt.

    Online Rezept Service? Die Medikamente Antabus und Campral können auch über eine Online Diagnose über Anbieter wie Dokteronline verordnet und zugeschickt werden. Somit ist kein persönlicher Arztbesuch notwendig. 

    Psychotherapie bei Alkoholsucht

    Psychologische Behandlung von Alkoholsucht

    Die psychotherapeutische Behandlung der Alkoholsucht beginnt eigentlich erst dann, wenn der körperliche Entzug abgeschlossen ist. Das vorrangige Ziel dieses Abschnitts ist es, einen Rückfall zu verhindern. Ein standardisiertes Vorgehen gibt es nicht, jede Therapie wird individuell angepasst. Psychologische Behandlung von Alkoholsucht ist in unterschiedlichen Formen möglich. 

    Dazu zählen unter anderem:

    Wer keinen passenden Psychotherapeuten in seiner Nähe findet oder die Sitzungen lieber in der Vertrautheit der eigenen vier Wände durchführen möchte, der kann seine Therapiesitzungen – falls es für den Therapeuten in Ordnung ist – ins Internet verlegen.

    Selbsthilfegruppen gegen Alkoholsucht

    Gespräche mit anderen Alkoholikern führen - Selbsthilfegruppen

    Wie bei allen anderen Traumata auch – und nichts anderes ist eine Alkoholsucht im Grunde – ist der Austausch mit Menschen wichtig, die dasselbe durchgemacht haben.

    Der Besuch von Selbsthilfegruppen fällt in die vierte und letzte Phase der Therapie einer Alkoholsucht, die sogenannte Nachsorge. Es werden auch spezielle Selbsthilfegruppen angeboten, in denen sowohl Betroffene selbst als auch deren Angehörigen sich austauschen können.

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Alkoholkonsum in Deutschland: Zahlen & Fakten – Bundesgesundheitsministerium
      2. Alcohol Addiction: Signs, Complications, and Recovery – healthline.com

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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