Pokémon Go Sucht

Tipps gegen die Sucht nach Pokémon Go

Pokemon Go ist ein Smartphone Spiel welches sowohl sehr Zeitintensiv, oder im PVP Modus auch nur für kurze Zeit eine Abhängigkeit entwickeln kann.

Der positive Aspekt ist die körperliche Betätigung, da für viele Aspekte des Spiels Bewegung an der frischen Luft nötig ist. Dennoch kann das Spiel abhängig machen und in manchen Fällen sogar das Berufs-, und Sozialleben beeinflussen. Wir klären über die Entstehung der Sucht bei Pokemon Go auf und geben Tipps wie das Suchtverhalten nach dem Smartphone Spiel überwunden werden kann. 

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Die Sucht nach einem Smartphone Spiel wie Pokémon Go zählt zu den Mediensüchten, die sich in Computerspielsucht und Internetabhängigkeit aufteilen. Seit 2018 ist Computerspielsucht von der WHO als eigenständige psychische Krankheit anerkannt.1Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Computerspielsucht | sozialministerium.at
    Es handelt sich dabei um eine Verhaltenssucht, die nicht stoffgebunden ist. Die Sucht kann langsam entstehen oder sofort eintreten. 

    Sucht zählt zu den häufigsten psychischen Erkrankungen.2Barmer Krankenkasse: Sucht, Komorbidität und psychotherapeutische Behandlung: | barmer.de
    Das Risiko eine Sucht zu entwickeln, wird speziell durch belastende Lebenssituationen, Stress, Einsamkeit, andere psychische Erkrankungen oder den Wunsch nach Ablenkung verstärkt. Bei der Entstehung einer Sucht spielen darüber hinaus verschiedene biologische, genetische, soziale und psychische Faktoren eine Rolle, die Betroffene kaum beeinflussen können

    Betroffene können zunächst versuchen die eigene Spielzeit zu reglementieren und eigene Regeln für die Spieldauer aufzustellen. Auch offene Gespräche mit Freunden und Familie können helfen, um Verständnis herzustellen und Unterstützung bei der Bewältigung der Sucht zu erhalten. Bekommen Betroffene ihr eigenes Verhalten selbstständig nicht in den Griff, ist ärztliche Unterstützung ratsam, um gegen die Sucht anzugehen und negative Folgen zu vermeiden. 

    Oft können bereits Tipps und persönliche Gespräche helfen die Sucht nach dem Smartphone Spiel zu überwinden. Professionell behandelt wird sie vor allem mit kognitiver Verhaltenstherapie

    Suchtpotenzial von Pokémon Go

    Bei Pokémon Go verschmelzen Realität und Spiel. Es handelt sich dabei um ein Location-based Smartphone-Game, bei dem Spieler echte Orte besuchen, um dort Pokémon zu fangen.

    Dabei wird die Smartphone-Kamera auf die Umgebung gerichtet und die Pokémon erscheinen virtuell im Bild. Das nennt man „Augmented Reality“ oder auf Deutsch „erweiterte Realität“. Professionelle Spieler nutzen diese Kamera allerdings nicht mehr, da es für den reinen Erfolg zu umständlich ist.

    Das Spiel hält seine Spieler dazu an, sich mehr zu bewegen, um die Umgebung zu erkunden und bestimmte Orte zu finden, an denen interessante Pokémon oder „Raids“ warten.

    Um die Spieler weiter zu motivieren, bietet Pokémon Go einige Anreize. Die meisten Pokémon Go Spieler sehen sich als Sammler und möchten alle Pokémon fangen und besitzen. Zusätzlich möchten Spieler immer mehr dieser Pokemon fangen um diese auch stärken zu können und in Kämpfen gegen andere Spieler (PVP Modus) einen Vorteil zu haben. Selbst wenn ein Spieler also alle Pokemon gefangen hat, endet das Spiel hier nicht. Es kann sich ständig gegen andere Spieler im PVP Modus gemessen werden.

    Ein zeitlich begrenztes Pokémon oder ein zeitgebundenes Event möchten viele daher auf keinen Fall verpassen. Besonders für suchtgefährdete Menschen birgt Pokémon Go daher ein erhöhtes Suchtpotenzial. Kombiniert mit dem Zufallsprinzip, das auch beim Glücksspiel zum Einsatz kommt, animiert Pokémon Go seine Spieler zu immer längeren Spielzeiten. 

    Belohnungen

    In vielen Spielen werden Belohnungsmechanismen oder ähnliche Maßnahmen verwendet, um Spieler dazu zu bringen, immer mehr Zeit mit dem Spiel zu verbringen. Bei PokemonGo sind es kleine Erfolge die ständig das Belohnungszentrum aktivieren.

    Auch langfristige Erfolge sind eine Motivation für die Spieler. Wer monatelang ein bestimmtes Pokemon sammelt, um es später weiterentwickeln zu können, wird Stolz auf seine Leistung und das Durchhaltevermögen sein. Diese Gefühle können die Suchtgefahr erhöhen. 

    Auch der PVP Modus in dem sich Spieler mit ihren gefangen Pokemon gegen andere Spieler, weltweit, messen können, sorgt für schnelle Glücksgefühle. 

    InGame Käufe

    Darüber hinaus können die Anreize zu In-Game-Käufen langfristig hohe Kosten verursachen, wenn diesen nicht widerstanden wird. Für einige Spieler kann das den Spielspaß eine gewisse Zeit lang erhöhen und hat keine negativen Auswirkungen. Besonders bei Spielern, die anfällig für Suchtverhalten sind, verstärken diese Mechanismen das Risiko einer Sucht zusätzlich.

    Motivation und Gewohnheiten

    Da PokemonGo viel nebenbei gespielt werden kann, hat es hohes Potenzial zu einen Gewöhnungseffekt. Beim spazieren kann man PokemonGo auch ausgeschaltet lassen und die Schritte über den Schrittzähler vom Handy im Spiel anschließend auswerten lassen. Somit hat man nach einem Spaziergang einige Erfolge zu verzeichnen, da man auch ohne Pokemon zu fangen so genannte „Eier ausbrüten“ kann, woraus Pokemon schlüpfen können.

    Eier ausbrüten ist nur über Schritte möglich. Desto mehr, desto besser. Dafür sind wiederum so genannte „Brutmaschinen“ nötig, welche via InGame Währung erworben werden können. Desto mehr man investiert und desto mehr Schritte man zurücklegt, desto mehr Pokemon werden nach einem Spaziergang ausgebrütet. 

    Dies mag ein positiver Nebeneffekt sein und zur Bewegung motivieren, schließlich werden Spieler somit fürs spazieren oder Joggen belohnt. Auf dem Laufband funktioniert PokemonGo ebenfalls.

    PVP Kämpfe

    Auch die PVP Kämpfe welche nur wenige Minute andauern, können zur Gewohnheit als kleine Pause während der Arbeit, beim warten auf dem Bus, oder zur Verweildauer auf der Toilette werden.

    Hat man einen anderen Spiel mit seinen eigen gefangenen oder ausgebrüteten Pokemon besiegt, werden Glücksgefühle ausgeschüttet und Spieler empfinden Stolz. Die harte Arbeit wurde somit belohnt.

    Dies kann dazu führen das diese kleinen Pausen immer häufiger eingeführt werden oder die Verweildauer immer länger ausfällt. Das Suchtpotenzial wird durch diese kleinen Belohnungen stets neu angekurbelt. 

    Community Days

    In Pokémon Go gibt es auch so genannte „Community Days“. Das sind Tage an denen bestimmte Pokémon im Fokus stehen, das spielen an diesen Tagen wird besonders gefördert und belohnt

    Häufig fallen diese Community Days aufs Wochenende, da hier die meisten Spieler Zeit haben in dem vorgegebenen Zeitfenster auch spielen zu können. 

    Verpasst man diese Tage, können einem wichtige Pokémon oder zumindest besondere Fähigkeiten für das Pokémon, die an diesem Tag gekoppelt sind, entgehen. Aktive Spieler wollen diese Community Days also nur besonders ungerne verpassen. Private Termine werden so gelegt, das die Community Days nicht ausfallen müssen. Falls doch, wird dennoch versucht auch während des Urlaubs oder während des Ausflugs mit der Familie das Spiel zu betreiben um zumindest ein klein wenig mitnehmen zu können. Dieses Verhalten zeigt ebenfalls ein gewisses Suchtpotenzial auf. 

    Bin ich Pokemon Go süchtig?

    Wer eine Zeit lang besonders ausgiebig Pokémon Go spielt, ist noch nicht süchtig. Von einer Sucht spricht man erst dann, wenn das Verlangen nach einer Sache so stark ist, dass alles andere in den Hintergrund rückt und unbeherrschbar wird.3Prof. Peter Berger, Leiter der Ambulanten Behandlungseinrichtung Spielsuchthilfe | spielsuchthilfe.at

    Eine Pokémon Go Sucht kann vorliegen, wenn Spieler:

    Häufiger Spielkonsum

    Häufiger Spielkonsum muss keineswegs schlimm sein. Wer sein Alltag gut geregelt bekommt und nicht unter PokemonGo leidet, muss nicht direkt abhängig sein, bzw. nicht zwangsweise sein Verhalten umstellen. Wenn das Spiel mehr Freude als Leid erzeugt und die Gesundheit nicht darunter leidet, muss nicht an eine Reduzierung oder Behandlung gedacht werden.

    Gesundheitliche Auswirkungen

    Das Spiel birgt in Extremfällen einige gesundheitliche Risiken, die Spieler sich bewusst machen sollten. Besonders das Unfallrisiko im Straßenverkehr ist bei einem häufigen Blick oder das Bedienen des Smartphone erhöht. 

    Um die Gefahren im Straßenverkehr einzudämmen, kann man in Pokémon Go ab einer bestimmten Geschwindigkeit nicht mehr Pokemon fangen. So soll das Spielen des Games beim Autofahren verhindert werden. Dennoch ist es möglich einen Blick aufs Smartphone zu werfen oder PVP Kämpfe zu bestreiten.

    Im Falle einer ausgeprägten Sucht kann Pokémon Go zudem weitere Folgen haben:
    tipps-gege-pokemongo-sucht

    Tipps gegen Pokémon Go Sucht

    Sollten Sie an sich selbst problematisches Spielverhalten feststellen, können Sie zunächst einige Selbstmaßnahmen ausprobieren. Der erste Schritt ist immer die Einsicht der Krankheit und der Wille, etwas am eigenen Verhalten zu verändern. Insbesondere offene Gespräche mit der Familie, Freunden oder dem Partner können ein erster Schritt sein und zu mehr Verständnis im direkten Umfeld führen. 

    Zeitliche Reglementierung:

    Um die eigene Spieldauer zu verringern, kann die zeitliche Reglementierung der App helfen. Setzen Sie sich dazu tägliche Zeitlimits, die Sie nicht überschreiten möchten. Die meisten Smartphones bieten zudem die Option, die App zu sperren oder einen Warnhinweis zu geben, wenn das tägliche Limit erreicht wurde.

    Freie Zeiten einrichten:

    Richten Sie Zeiten ein, in denen Sie die App nicht öffnen. Diese Zeit ist für andere Aktivitäten und Verpflichtungen reserviert, die Sie ohne Ablenkung erledigen möchten. Dabei kann das Abschalten der Push-Benachrichtigungen und das Verstecken der App in einem Unterordner helfen, um nicht in Versuchung zu geraten.

    Pokémon Go Detox:

    Legen Sie einige Tage Pause von Pokémon Go ein und beobachten Sie, wie es Ihnen dabei geht. Unternehmen Sie in dieser Zeit andere Dinge und lenken Sie sich von der App ab. Neue Hobbys können bei der Ablenkung helfen. Auch wenn diese Anfangs nur als Ablenkung angesehen werden, können neue Hobbys sogar für neue Lebensabschnitte sorgen.

    Deinstallation und Verkauf:

    Wer sich ganz radikal von der Spielsucht befreien möchte, kann das Spiel auch deinstallieren und eMail + Passwörter ändern, woran er sich später nicht mehr erinnern wird. Alternativ lässt sich der Account auch verkaufen, was gesetzlich allerdings überprüft werden sollte. Zwar schützt dies nicht vor einem Neuanfang, doch häufig ist solch ein radikaler Stop erfolgreich.

    Gespräche mit Psychologen:

    Bei schweren Fällen der App-Abhängigkeit können Betroffene ihr Verhalten nicht selbstständig reglementieren und in den Griff bekommen. In diesem Fall sollten Sie vor psychologischer Unterstützung nicht zurückschrecken. Mit professioneller Hilfe ist der Weg aus der Krankheit zurück in ein suchtfreies Leben auf lange Sicht erfolgreicher.

    Behandlung der Pokémon Go Sucht

    Pokémon Go Sucht zählt zu den medialen Verhaltenssüchten. Diese werden in der Regel durch eine ambulante kognitive Verhaltenstherapie behandelt.

    In der Therapie werden zunächst die Ursachen und verstärkende Faktoren der Sucht analysiert. So sollen Betroffene lernen, das Suchtverhalten und dessen Gründe besser zu verstehen und neue Verhaltensweisen zu etablieren.

    Die Behandlung erfolgt häufig in einer Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie. Auswege und Problemlösungen werden dabei in erster Linie durch Gespräche und Reflexion erarbeitet.

    Für eine angenehme und offene Atmosphäre während der Therapie sorgt ein gutes Vertrauensverhältnis zum behandelnden Arzt. Das macht es Erkrankten einfacher, ohne Scham über ihre Sucht zu sprechen.

    Mit ärztlicher Unterstützung können weitere psychische und physische Folgen der Pokémon Go Sucht verhindert werden. Häufig merken Betroffene erst im Laufe der Therapie, wie stark die Sucht ihr Leben eingeschränkt und erschwert hat. 

    Den passenden Arzt finden

    Bei einer medialen Verhaltenssucht wie der Pokémon Go Sucht ist der Hausarzt zwar ein guter erster Ansprechpartner, aber für viele Betroffene doch eine zu große Überwindung. Das Schamgefühl mit solch einen kleinen Problem zum Arzt zu gehen, ist für viele zu groß.

    Vorteil wäre allerdings: Der Hausarzt kennt den Betroffenen bereits und kann ihn bei Bedarf an einen Spezialisten weiterleiten, was somit auch von der Krankenkasse übernommen wird. Die Behandlung erfolgt einen Psychologen oder Psychotherapeuten.

    Auch die Therapie- und Beratungsstelle für Mediensucht ist eine erste Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige und bietet anonyme und kostenlose Beratung und Therapiemöglichkeiten. 

    Über die Ärztesuche von Jameda lassen sich Therapeuten in Ihrer Nähe finden.

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Computerspielsucht | sozialministerium.at
      2. Barmer Krankenkasse: Sucht, Komorbidität und psychotherapeutische Behandlung: | barmer.de
      3. Prof. Peter Berger, Leiter der Ambulanten Behandlungseinrichtung Spielsuchthilfe | spielsuchthilfe.at

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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