Transvestismus

Erkennungsmerkmale und Auslöser erklärt

Von Transvestismus betroffene Personen werden sexuell dadurch erregt, Kleidung des anderen Geschlechts zu tragen. Die als Sexualstörung klassifizierte Verhaltensweise betrifft vor allem Männer und erlangt mehr und mehr gesellschaftliche Akzeptanz.

Trotz der medizinischen Einordnung des Transvestismus sind sich Experten überwiegend einig, dass bei Betroffenen keine psychische Erkrankung vorliegt. Da durch Transvestismus für gewöhnlich niemand zu Schaden kommt, ist eine Behandlung nicht notwendig. Lediglich in Fällen, in denen Betroffene unter ihren Neigungen leiden, ist eine Sexualtherapie ratsam

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Transvestismus ist als eine Form des Fetischismus klassifiziert. Dieser fällt unter die Paraphilien, was Störungen der Sexualpräferenz sind. Dabei werden Betroffene durch ungewöhnliche Bedürfnisse erregt, in diesem Fall durch das Tragen bestimmter Kleidung.

    Betroffene werden durch sogenanntes Cross-Dressing erregt. Darunter versteht man das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts.  Dies schließt oft Accessoires und bestimmte Verhaltensweisen, wie beispielsweise das Annehmen einer anderen Gang- und Sprechweise, mit ein. 

    Transvestismus muss nicht unbedingt behandelt werden, weil davon gewöhnlich keine Gefährdung für die eigene Person oder das Umfeld ausgeht.

    Wenn sich Betroffene durch ihre Vorlieben allerdings ausgeschlossen fühlen und darunter leiden, kann ein Sexualtherapeut hinzugezogen werden, um alternative Denk- und Verhaltensmuster einzuüben, beispielsweise durch eine kognitive Verhaltenstherapie. Auch eine Psychotherapie kann helfen, sich und die eigenen Bedürfnisse besser zu verstehen und diese kontrollieren zu können. 

    Transvestismus-merkmale

    Bin ich ein Transvestit?

    Die bekanntesten Merkmale von Transvestismus sind:

    Betroffene fühlen sich dadurch erregt, dass sie selbst oder andere Personen Kleidung und Accessoires des jeweils anderen Geschlechts tragen. Oftmals schließt dies das Annehmen von bestimmten Verhaltensweisen ein, beispielsweise das Übernehmen einer bestimmten Gangart oder Sprechweise des anderen Geschlechts.

    Meist sind Männer von Transvestismus betroffen und ziehen es vor, Frauenkleidung zu tragen. Dass Frauen durch das Tragen von Männerkleidung erregt werden, ist hingegen eher die Ausnahme.

    Wie bei anderen Störungen der Sexualpräferenz ist es den meisten Betroffenen durchaus möglich, durch andere Dinge sexuell erregt zu werden. Meist ist Transvestismus nur ein kleiner Teil des gesamten Spektrums an sexuellen Vorlieben und Fantasien. 

    Begriffserklärung Transvestismus:

    Der Begriff ist auf das lateinische Wort travestire zurückzuführen, welches verkleiden bedeutet. Die frühere akzeptierte Bezeichnung „Transvestit“ ist heutzutage veraltet und gilt als problematisch. Einerseits aufgrund der Diagnose einer psychischen oder sexuellen Störung, andererseits aufgrund des Verweises auf binäre Geschlechtermodelle, welche viele Personengruppen ausgrenzen. Betroffene bezeichnen sich selbst stattdessen als „Cross-Dresser“, was sämtliche Hintergründe der Tätigkeit offenlässt.

    Medizinische Abgrenzung

    Grundsätzlich wird zwischen Transvestismus und transvestitischer Störung unterschieden. Ersteres bezeichnet die Erregung durch das Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts innerhalb der binären Geschlechterordnung. Eine transvestitische Störung hingegen bezeichnet Transvestismus, der zu erheblichem Leid führt oder eine starke Beeinträchtigung des Alltags mit sich bringt, beispielsweise im Berufsleben.

    Transvestismus bedeutet nicht Transgender

    Transvestismus ist nicht mit Transgender zu verwechseln. Betroffene von Transvestismus fühlen sich weder einem anderen Geschlecht zugehörig, noch möchten sie ihr Geschlecht wechseln. Sie fühlen sich lediglich dadurch erregt, Kleidung des anderen Geschlechts zu tragen oder von Personen, die derartig gekleidet sind. Oftmals behalten Betroffene während des Geschlechtsakts ihre Frauenkleidung an.

    Wird Transvetismus akzeptiert?

    Das Tragen von Frauenkleidung ist grundsätzlich erlaubt und sollte so lange keiner zu Schaden kommt auch akzeptiert werden können. Auch für den Geschlechtsakt ist Transvestismus im Einverständnis mit dem Partner, kein Problem.

    Es kann aber vorkommen, dass der Geschlechtspartner unkooperativ ist und mit Unverständnis oder Verurteilung auf den Betroffenen reagiert. In solchen Fällen kommt es oft zu starken Schuldgefühlen.

    Infolgedessen entsorgen viele Betroffene ihre Frauenkleider, Perücken, Schminke und Accessoires, um nicht als anormal zu gelten. Meist kommt es dann zu vielen Zyklen des wieder Anschaffens und Entsorgens der Kleider, was für viele Betroffene enormen Stress bedeutet.

    Wenn Personen durch ihre sexuellen Vorlieben derartig leiden, ist eine Sexualtherapie ratsam. 

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    Auslöser für Transvestismus

    Auch, wenn Transvestismus von Transgender abzugrenzen ist, kann es vorkommen, dass sich das eine aus dem anderen entwickelt. Manche Männer, die in jungen Jahren Cross-Dressing praktiziert haben, können in späteren Jahren (oftmals von 50 bis 70) an einer Geschlechtsidentitätsstörung leiden. Damit geht oft der Wunsch einher, ihren Körper durch einen chirurgischen Eingriff oder Hormone zu verändern.

    Transvestismus kann ebenfalls durch starken Druck oder einen schweren Verlust ausgelöst werden. Die Chance, in eine andere Rolle zu schlüpfen, welche mit dem Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts einhergeht, ist für viele sehr befreiend. Dadurch ist es den Betroffenen möglich, ihren Problemen zu entkommen, Ängste abzubauen und zu entspannen.

    Frauenkleider in der Kindheit tragen

    Bei heterosexuellen Männern beginnt das Tragen von Frauenkleidung meist in der späten Kindheit und ist besonders anfänglich von intensiver sexueller Erregung begleitet. 

    Ist Transvestismus abnormal?

    Der Diagnose einer Paraphilie wie dem Transvestismus liegt zugrunde, dass sexuelle Vorlieben und Verhaltensweisen existieren bzw. durchgeführt werden, welche von “normalem” Sexualverhalten abweichen.

    Da die Klassifizierung von Normalität abhängig von teilweise veralteten gesellschaftlichen Idealen und Ansichten ist und von Kultur zu Kultur variiert, ist diese Einordnung bereits von Grund auf problematisch.

    Von Transvestismus Betroffene brauchen sich in Wahrheit natürlich nicht zu sorgen oder zu schämen. Es fühlen sich mittlerweile sehr viele Personen der sogenannten Cross-Dressing-Szene angehörig, welche mehr und mehr gesellschaftliche Akzeptanz erlangt. 

    Medizinische Klassifizierung

    Transvestismus wird zwar medizinisch zu den psychischen Störungen und Störungen der Sexualpräferenz gezählt – Experten sind sich aber überwiegend einig, dass die Betroffenen in den allermeisten Fällen nicht psychisch krank sind.

    Solange Transvestismus im Einverständnis mit dem Partner ausgelebt und dadurch niemandem geschadet wird, stellt dies absolut kein Problem dar.

    Von einer transvestitischen Störung, welche Schwierigkeiten verursacht, sind nur sehr wenige Menschen betroffen. Wenn dies der Fall ist oder Betroffene sich eine Änderung ihres Verhaltens wünschen, da sie unter ihren persönlichen Vorlieben leiden, ist eine Sexualtherapie ratsam.

    Mithilfe eines Spezialisten ist es möglich, das eigene Verhalten zu verstehen und andere Denk- und Verhaltensmuster erarbeiten zu können, sodass die Sexualstörung im täglichen Leben keine Beeinträchtigungen mehr bewirkt. 

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    Tipps bei Transvestismus

    Austausch mit Gleichgesinnten

    Die wenigsten Betroffenen von Transvestismus begeben sich in therapeutische Behandlung. Es wurde aber vielfach berichtet, dass der Austausch mit Gleichgesinnten, beispielsweise in einer anonymen Selbsthilfegruppe, enorm hilfreich und entlastend ist. Dort können Betroffene über ihre Sorgen und gesellschaftliche Probleme wie Ausgrenzung reden und sich verstanden fühlen.

    Sich selbst akzeptieren

    Auch heutzutage werden viele Menschen wegen ihrer vermeintlichen Andersartigkeit ausgegrenzt. Wichtig ist, das eigene Selbstbild und Selbstvertrauen nicht von der Meinung anderer abhängig zu machen. Fakt ist: Es wird immer Menschen geben, die einen nicht mögen. Deshalb darf man sich nicht zu viele Gedanken machen.

    Falls erwünscht: Hilfe suchen

    Wer sich eine langfristige Verhaltensänderung wünscht, kann sich in Therapie begeben. Oft ist es allein kaum möglich, alternative Handlungsweisen zu erarbeiten, aber mithilfe eines Spezialisten steht dem Wunsch nichts mehr im Wege.

    Therapie bei Transvestismus

    Transvestismus fällt nicht unter die Störungen der Sexualpräferenz, bei welchen Leuten zu Schaden kommen. Als eine harmlosere Form der Sexualstörung ist es deshalb nicht nötig, diese zu therapieren. Bei einer transvestitischen Störung hingegen ist eine Behandlung ratsam.

    Wenn Betroffene sich eine Therapie wünschen, da sie sich mit ihren Präferenzen unwohl fühlen und darunter leiden, kann mit einem Sexualtherapeuten ein Behandlungsplan aufgestellt werden, welcher eventuell auf lange Sicht eine Änderung des eigenen Verhaltens herbeiführt.

    Eine Psychotherapie ermöglicht beispielsweise, den Betroffenen die Gründe für das eigene Verhalten aufzuzeigen, sich selbst besser zu akzeptieren und problematische Verhaltensmuster zu vermeiden. 

    Hilfsangebote

    Gerade im Fall von Paraphilien, bei denen sexuell abweichende Bedürfnisse und Verhaltensweisen vorliegen, schämen sich Betroffene oftmals zu sehr, um einen Experten aufzusuchen.

    Weitere Gründe, beispielsweise das Vorliegen einer Arztphobie – einer starken Angst vor Ärzten – können zu Vermeidungsstrategien führen. Betroffene können neben dem Besuch eines Spezialisten aber weitere Hilfsangebote in Anspruch nehmen.

    Über jameda.de können geeignete Ärzte im Umkreis gesucht werden. Auch, wenn der Gedanke an eine Therapie beängstigend ist, bietet die Behandlung die Chance, in ein stress- und beschwerdefreies Leben zurückkehren zu können.

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      Quellen:

      1. Transvestism – Wikipedia

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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