Tavor oder Zopiclon
Viele Menschen mit Angst vor dem Arzt greifen zu Beruhigungsmitteln oder Schlafmitteln. Besonders zwei Medikamente stehen oft im Mittelpunkt: Tavor (Lorazepam) und Zopiclon. Beide haben eine beruhigende Wirkung, aber ihre Einsatzgebiete und Risiken unterscheiden sich deutlich.
In unserem Artikel erfährst du alles zu Unterschieden, Wirkungen, Nebenwirkungen und Abhängigkeitsrisiken von Tavor und Zopiclon. So kannst du besser verstehen, welches Medikament wofür geeignet ist. Unser Artikel ist werbefrei und dank des Inhaltsverzeichnisses kannst du direkt zu den wichtigsten Themen springen.
- Autor: Jörg Keller
- Aktualisiert: 27. Februar 2025
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Alles in Kürze:
Tavor (Lorazepam) ist stärker gegen Angst und wirkt länger, kann aber am nächsten Tag müde machen und hat ein höheres Abhängigkeitspotential.
Zopiclon ist besser als Schlafmittel und beeinflusst den Schlaf weniger stark als Benzodiazepine, macht aber auch abhängig.
Beide Medikamente haben Risiken und sollten nur kurzfristig eingenommen werden, da sie zu Toleranz und Abhängigkeit führen können.
Wirkmechanismus
Beide Medikamente wirken auf das GABA-System im Gehirn, das für Entspannung und Beruhigung sorgt. Tavor (Lorazepam) gehört zur Gruppe der Benzodiazepine. Es verstärkt die Wirkung des Neurotransmitters GABA, wodurch Angst reduziert und der Körper entspannt wird. Die Wirkung hält viele Stunden an, was für akute Angstzustände hilfreich sein kann.
Zopiclon gehört zu den sogenannten „Z-Substanzen“. Diese wirken ähnlich wie Benzodiazepine, sind aber stärker auf den Schlaf ausgerichtet. Zopiclon macht schnell müde, beeinträchtigt aber weniger die Tiefschlafphasen als Benzodiazepine. Deshalb wird es bevorzugt als Schlafmittel eingesetzt.
Indikationen: Wofür werden sie eingesetzt?
Tavor (Lorazepam) wird genutzt bei:
Akuter Angst und Panikattacken
Schweren Unruhezuständen
Epileptischen Anfällen
Vorbereitung auf Operationen (als Beruhigungsmittel)
Zopiclon wird genutzt bei:
Einschlafstörungen
Durchschlafproblemen
Kurzeitiger Schlaflosigkeit aufgrund von Stress oder Nervosität
Tavor wirkt stärker gegen Angst und kann auch in extremen Stresssituationen helfen. Zopiclon hingegen ist für das reine Einschlafen gedacht.
Wie stark wirken die Medikamente?
Tavor ist insgesamt stärker und vielseitiger. Es wirkt angstlösend, beruhigend, muskelentspannend und schlafanstoßend. Allerdings bleibt es länger im Körper und kann am nächsten Tag noch müde machen.
Zopiclon wirkt fast nur sedierend (schlaffördernd). Es hilft beim Einschlafen, macht aber am Folgetag weniger müde als Tavor.
Zur besseren Einordnung:
0,5 mg Tavor ≈ 7,5 mg Zopiclon in Bezug auf die schlaffördernde Wirkung.
1 mg Tavor wirkt fast doppelt so stark wie 7,5 mg Zopiclon, vor allem in Bezug auf Beruhigung.
Dauer der Wirkung
Tavor hat eine Halbwertszeit von ca. 11–18 Stunden. Das bedeutet, dass es lange im Körper bleibt und über den ganzen Tag wirken kann. Dadurch eignet es sich für Angststörungen, aber als Schlafmittel kann es zu einem Hang-over-Effekt führen.
Zopiclon hat eine Halbwertszeit von ca. 5 Stunden. Es wirkt schneller und ist am nächsten Morgen meist abgebaut. Deshalb eignet es sich gut als Schlafmittel.
Wer morgens wach und fit sein will, sollte eher Zopiclon nehmen. Wer länger beruhigt werden muss (z. B. bei akuter Angst), ist mit Tavor besser beraten.
Nebenwirkungen
Typische Nebenwirkungen von Tavor:
Tagesmüdigkeit
Schwindel & Konzentrationsprobleme
Gleichgewichtsstörungen (Sturzgefahr!)
Gedächtnisprobleme (Amnesie)
Atemdepression in hohen Dosen
Typische Nebenwirkungen von Zopiclon:
Morgendliche Müdigkeit (weniger als bei Tavor)
Metallischer Geschmack im Mund (sehr häufig!)
Schlafwandeln oder unbewusstes Handeln (sehr selten, aber gefährlich)
Mundtrockenheit
- Tavor hat insgesamt ein breiteres Nebenwirkungsprofil, weil es stärker ins Nervensystem eingreift. Zopiclon ist als Schlafmittel gezielter, aber das Risiko unbewusster Handlungen im Schlaf ist ein seltenes Problem.
Abhängigkeit und Missbrauch
Beide Medikamente können bei längerer Einnahme abhängig machen! Tavor hat ein besonders hohes Suchtpotential, weil es schnell und intensiv wirkt. Bereits nach wenigen Wochen kann eine Abhängigkeit entstehen.
Auch Zopiclon kann süchtig machen, allerdings tritt die Abhängigkeit meist etwas langsamer ein. Trotzdem sollte auch Zopiclon nur für kurze Zeit verwendet werden!
Typische Anzeichen einer Abhängigkeit:
Steigender Bedarf an höheren Dosen
Schlaf- oder Angstprobleme ohne das Medikament
Unruhe oder Zittern beim Absetzen
**Verlangen nach dem Medikament („Craving“) **
Entzugssymptome können stark sein. Bei Tavor sind sie oft schwerer als bei Zopiclon. Wer länger Benzodiazepine nimmt, sollte das Medikament langsam ausschleichen, um starke Entzugserscheinungen zu vermeiden.
Zusammenfassung:
Tavor (Lorazepam) ist besser gegen Angst, wirkt länger, macht aber müder und hat ein höheres Suchtpotential.
Zopiclon ist besser für den Schlaf, hat weniger Nachwirkungen, aber kann auch abhängig machen.
Beide Medikamente sollten nur kurzfristig eingenommen werden, um eine Abhängigkeit zu vermeiden.
Wer unter Angst leidet, wird eher mit Tavor behandelt. Wer einfach nur nicht schlafen kann, greift eher zu Zopiclon. Aber Vorsicht: Beide Medikamente sind keine Dauerlösung!
Quellen:
Comparison of lorazepam and zopiclone for insomnia in patients
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15166685/Effects of zopiclone and lorazepam on ECT seizure
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2958357/Interactions and comparative effects of zopiclone, diazepam and lorazepam
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1600-0773.1992.tb00443.xClinical pharmacology biopharmaceutics review(s)
https://www.accessdata.fda.gov/drugsatfda_docs/nda/2004/021476_Lunesta_biopharmr.PDFLorazepam: uses, interactions, mechanism of action
https://go.drugbank.com/drugs/DB00186Benzodiazepines and zopiclone: is overuse still an issue?
https://bpac.org.nz/2021/benzo-zopiclone.aspx‘Z’-hypnotics versus benzodiazepines for the treatment of insomnia
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1002/pnp.502Zopiclone: uses, interactions, mechanism of action
https://go.drugbank.com/drugs/DB01198Nonbenzodiazepine
https://en.wikipedia.org/wiki/Nonbenzodiazepine
Dieser Artikel wurde von Jörg Keller verfasst. Er schreibt über Gesundheit, Psychologie und Medizin – klar und verständlich, ohne unnötige Fachsprache.
