Putzzwang

Drang ständig putzen zu müssen

Der Putzzwang ist eine Form der Zwangsstörung und äußert sich in zwanghaften Verhaltensmustern und Routinen rund um das Thema Sauberkeit und Hygiene.

Das Putzen erhält eine Priorität im Alltag der Betroffenen, während andere Dinge immer mehr in den Hintergrund rücken. Wir berichten darüber, Risiken dies für Betroffene und deren Umfeld birgt und wie sich der Teufelskreis durchbrechen lässt. Tipps gegen zwanghaftes Putzen. 

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Ob Sie an einen  Putzzwang leiden, zeigt sich in Form von Zwangshandlungen und Ritualen in Bezug auf das Thema Sauberkeit.

    Betroffene nutzen einen Großteil ihrer freien Zeit zum Putzen. Sie reinigen Flächen immer wieder, obwohl diese nicht offensichtlich – oder nur minimal – verschmutzt sind. Getrieben werden sie meist von innerer Unruhe und Ängsten, die sie mit der Zwangshandlung beruhigen möchten.

    In der Regel ist Betroffenen bewusst, dass Ihre Ängste irrational und für Außenstehende schwer nachzuvollziehen sind. Wenn sie versuchen, die Zwangshandlungen zu unterlassen, haben sie mit starken Ängsten zu kämpfen.

    Eine Zwangsstörung wie der Putzzwang kann große Auswirkungen auf den gesamten Alltag der Betroffenen haben. Rituale und Zwangshandlungen rücken in den Fokus und verdrängen andere Dinge in den Hintergrund.

    Eine stark ausgeprägte Zwangsstörung kann den Job, das Familienleben und soziale Beziehungen beeinträchtigen.

    Betroffene selbst leiden häufig unter einer permanenten Unzufriedenheit, Überforderung und Scham. Im schlimmsten Fall führt der Putzzwang bis in eine Depression oder andere ungesunde Bewältigungsstrategien.

    Ja, einen Putzzwang kann man auch wieder loswerden. In erster Linie können es Betroffene über die Hilfe von Freunden und Bekannten probieren, offene Kommunikation kann bereits viel bewirken. Eine richtige Behandlung von Zwangsstörungen erfolgt in der Regel in Form von kognitiver Verhaltenstherapie. Dabei werden problematische Gedanken- und Handlungsmuster identifiziert und hinterfragt, um sie schließlich zu verändern. Eventuell werden zusätzlich Medikamente verschrieben, die den Serotoninspiegel im Gehirn ausgleichen. Je früher die Erkrankung diagnostiziert wird, desto größer ist in der Regel der Behandlungserfolg. Eine Selbsttherapie ist ebenfalls möglich, aber leider nur selten erfolgreich.

    Zwanghaftes Putzen

    Merkmale vom Putzzwang

    Ein ausgeprägter Putzzwang ist eine psychische Erkrankung, die in den Bereich der Zwangsstörungen einzuordnen ist. Betroffene werden von Unruhe und Angst geplagt, wenn eine Reinigung ausbleibt.

    Auch wenn sie wissen, dass Ihre Gedanken und Rituale irrational sind, bekommen Sie Ihr Denken und Handeln nicht selbstständig in den Griff. Der Putzzwang erfolgt teilweise auch aus Angst vor Bakterien und Viren und ist häufig mit einem Waschzwang des eigenen Körpers oder der Kleidung verknüpft.

    Wenn dem Zwang zur Reinigung der Gegenstände oder des Haushalts nicht nachgekommen wird, bildet sich Unruhe und Angst. Diese Gefühle lassen erst nach, wenn sie den Zwängen nachgeben. Meist hält die Entspannung nur eine kurze Zeit und die Zwänge nehmen mit der Zeit immer mehr zu.

    Beispiele für einen Putzzwang:

    Auslöser für eine Putzsucht

    Was löst eine Sucht bzw. den Drang zum ständigen Putzen aus?

    Warum die Putzsucht oder wie der Zwang zu putzen entsteht, ist nicht endgültig geklärt. Wie bei den meisten psychischen Erkrankungen gibt es auch bei Zwangsstörungen eine erbliche Vorbelastung.

    Für den tatsächlichen Ausbruch sind darüber hinaus weitere Faktoren nötig. Gerade weil die Ursachen für einen Putzzwang nicht endgültig geklärt sind, gibt es bei einer Diagnose nichts, wovor man sich schämen müsste.

    In Zeiten der Corona-Pandemie ist eine besonders ausführliche Hygiene schließlich auch erwünscht. Viele Betroffene gehen also auch dem Wunsch nach einer strengen Hygiene aus Angst vor Viren nach. 

    Schlechte Erfahrungen

    Häufig haben Betroffene in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht, die sie mit einem Gefühl des Kontrollverlustes verbinden.

    Wurde aufgrund von mangelnder Hygiene eine Krankheitsbildung gefördert? besteht eventuell Angst vor Ungeziefer die durch starke Verschmutzung angelockt werden könnten? Haben die Eltern eine strenge Erziehung geführt, bei welcher die Reinigung sehr strickt eingehalten werden musste? Ursachen und Auslöser für übertriebenes putzen gibt es also viele.

    Gefühl von Sicherheit

    Eine Zwangsstörung ist der Versuch, das Gefühl von Sicherheit und Kontrolle zurückzuerlangen. Das Zwangsverhalten stellt eine innere Struktur her, die der Unsicherheit entgegengestellt wird und Stabilität herstellen soll.

    Das kann Betroffene in einen Teufelskreis führen, denn wenn die Zwangshandlung nicht ausgeführt werden kann, kommt die Angst und Unsicherheit umso stärker zurück. Beruhigung durch die Zwangshandlung erlangen Erkrankte nur kurzzeitig.

    Bin ich Putzsüchtig?

    Ab wann leidet man unter einem Putzzwang?

    Die Übergänge von normalem Verhalten hin zu einer Zwangsstörung können fließend sein. Jemand, der besondere Freude an Sauberkeit hat und häufig putzt, leidet noch nicht an einem Putzzwang.

    Problematisch wird das eigene Verhalten dann, wenn es nicht mehr selbst regulierbar ist und negative Auswirkungen auf den Alltag der Betroffenen und deren Familien hat.

    Bei einem Putzzwang rückt das Putzen derart in den Mittelpunkt des Alltags der Betroffenen, dass andere Dinge an Wichtigkeit verlieren. Hobbys, der Job, (Ehe-)Partner oder Kinder rücken in den Hintergrund und werden vernachlässigt.

    Stellen Sie fest, dass Ihr Putzverhalten mit einer Zwangsstörung begründet sein könnte, kann auch ein Gespräch mit der Familie oder Freunden ein erster Schritt sein. Wenn Sie Ihr Problem offen kommunizieren, kann Ihr Umfeld mit Verständnis reagieren und Sie bei der Lösung des Problems unterstützen.

    Anzeichen für einen Putzzwang:
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    Ist ein Putzzwang schlimm?

    Was hat der Putzzwang für Folgen?

    Gegen regelmäßiges Saubermachen und Putzen spricht selbstverständlich nichts. Auch ein strikter Putzplan ist noch kein Problem. Zusätzlich sorgt ein sauberes Zuhause für das Wohlbefinden und verhindert die Verbreitung von Keimen oder Krankheitserregern.

    Wird das Putzen aber zu einem unbehandelten Krankheitsbild, kann das negative Auswirkungen auf das eigene Leben und die gesamte Familie haben.

    Bei einem Putzzwang verschieben sich die Prioritäten der Betroffenen. Es gibt keine Minute, in der Erkrankte gemütlich mit der Familie oder Freunden zusammensitzen können, da stets nach potenziellen Verschmutzungen Ausschau gehalten wird, die sofort beseitigt werden müssen. Das Zusammenleben ist von Verboten und Regeln gekennzeichnet. Alles, was Dreck verursachen könnte, ist nicht erlaubt.

    Die Zwangshandlungen werden zu einer dauerhaften Belastung. Das hat häufig eine permanente Unzufriedenheit zur Folge, die bis zu Depressionen oder anderen ungesunden Bewältigungsstrategien führen kann. Andere Dinge, die wirklich wichtig wären, werden aus den Augen verloren. Der Putzzwang wird zu einer Belastung für das Zusammenleben, führt zu Streit und gestörten sozialen Beziehungen.

    Häufig schämen sich Erkrankte für den übertriebenen Putzwahn. Betroffene sollten sich bewusst machen, dass ihre Gedanken und Handlungen Teil einer Erkrankung sind und viele Menschen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben.2Dr. phil. Jens Tiedemann: Schamgefühle und -konflikte in der Psychotherapie – berliner-krisendienst.de

    Die Symptome vom Zwang zu putzen erschweren den Alltag ungemein und sie verschwinden in der Regel nicht von allein. Aus diesem Grund ist es wichtig, ehrlich mit einem Freunden oder Psychologen zu sprechen und sich Hilfe bei der Bekämpfung der Putzsucht bzw. Zwangsstörung zu suchen.

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    Tipps gegen ständiges Putzen

    Wie kann man den Putzzwang loswerden?

    Der Zwang zu putzen kann sowohl über Selbstkontrolle, als auch über eine psychologische Behandlung gelindert werden. Ersteres ist zwar schwieriger, allerdings für die meisten Betroffenen interessanter. 

    Tipps gegen zu häufiges Putzen:

    Sollten diese Tipps gegen den Putzzwang nicht helfen, können therapeutische Maßnahmen in Angriff genommen werden. Dies ist vor allem dann nützlich, wenn der Putzzwang die Lebensqualität beeinträchtigt.

    Professionelle Therapie

    Hilfe bei krankhaften Putzzwang

    Putzzwang lässt sich behandeln und ist genauso wenig ein Grund für Scham wie ein Knochenbruch. Je eher Betroffene sich Hilfe suchen, desto schneller lassen sich erste Erfolge feststellen.

    Der Weg zum Psychologen muss dabei keine Angst machen. In einem ersten Schritt wird der Therapeut durch Fragen feststellen, ob eine Zwangsstörung vorliegt.

    Ist dies der Fall, werden Zwangsstörungen miest mittels der kognitiven Verhaltenstherapie behandelt. Diese Therapieform hilft dabei, die eigenen Gedankenmuster in der Therapie zu erkennen und zu hinterfragen, um diese anschließend zu verändern.

    Was passiert bei der Verhaltenstherapie?

    Betroffene setzen sich in der Therapie mit Fragen auseinander wie: Können mich meine Handlungen tatsächlich vor etwas schützen? Was nützt es mir, wenn ich zehnmal täglich das Waschbecken auswische? So lernen sie die Kontrolle über ihr Verhalten zurückzuerlangen.

    Die Therapie unterstützt Erkrankte auf einem Weg zurück in ein Leben ohne Zwangsstörung und ermöglicht, fest verankerte Verhaltensmuster und Ängste abzulegen.

    Scheint ein Weg aus den Gedankenspiralen vielen Betroffenen allein unmöglich, können diese durch die gezielte Behandlung durchbrochen werden.

    Mithilfe der Therapie erhalten Betroffene genug Zeit und Energie für andere Aktivitäten zurück, können das Zusammenleben mit der Familie verbessern und Ängste und Unsicherheiten ablegen. Statt der Zwangshandlungen erlernen sie gesunde Bewältigungsstrategien für belastende Gedanken.

    Wie wirkt eine kognitive Verhaltenstherapie?

    Die kognitive Verhaltenstherapie wird angewandt, um Zwänge verschiedenster Art zu behandeln. Sie beinhaltet das Bewusstmachen von Gedanken und Impulsen, die das Verhalten oder die Veränderung des Verhaltens auslösen. Eine häufig angewandte Technik ist zum Beispiel die sogenannte Reizkonfrontation mit Reaktionsverhinderung. Dabei werden Betroffene mit Auslösern für ihr zwanghaftes Verhalten konfrontiert und versuchen anschließend, nicht mit dem gewohnten Zwang zu reagieren. So lernen Betroffene mit der Zeit, dass Angst und Unruhe auch ohne die Zwangshandlung wieder verschwinden.

    Hilfe finden

    Hilfe gegen Putzzwang finden und annehmen

    Vielen Menschen, die ihre Putzsucht bzw. den Putzzwang als Problem erkannt haben, geht es zu Beginn gleich. Sie schämen sich vor dem Gespräch mit Therapeuten.

    Sich eine psychische Krankheit einzugestehen ist keine Schande und hat nichts mit Schwäche zu tun. Wenn sie sich erst einmal dazu aufgerafft haben, sich Hilfe zu suchen, sind viele Betroffene erstaunt über den Fortschritt, den sie mithilfe einer Therapie machen konnten.

    Bei Zwangsstörungen handelt es sich nicht um Verhaltensweisen, die Betroffene selbstständig „einfach sein lassen“ können. Eine professionelle Behandlung ist häufig der einzige Weg aus der Erkrankung und muss nicht mit Schamgefühlen verbunden sein. Aus diesem Grund ist ein Vertrauensverhältnis zu dem behandelnden Arzt besonders wichtig. Durch professionelle und regelmäßige Behandlung wächst das Vertrauensverhältnis, welches die Scham mit der Zeit verschwinden lässt.

    Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten sind ausgebildete Experten und betrachten die Zwangsstörung als das, was sie ist: Eine behandelbare Krankheit. Mit der richtigen Behandlung kann ein angst- und zwangfreies Leben für Erkrankte so zur Realität werden.

    Auf jameda.de können Sie passende Psychologische Psychotherapeuten  in Ihrer Umgebung auf eigenständige Weise finden und Erfahrungsberichte lesen. 

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Prof. Dr. med. Ulrich Voderholzer, Dr. med. Simone Pfeuffer, M.Sc. Matthias Favreau: Behandlung von Zwangsstörungen. In: DNP – Der Neurologe & Psychiater. Ausgabe 3/2021 springermedizin.de
      2. Dr. phil. Jens Tiedemann: Schamgefühle und -konflikte in der Psychotherapie – berliner-krisendienst.de

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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