Sexsucht

Sexsucht überwinden – Tipps und Aufklärung

Wenn das sexuelle Verlangen übermäßig stark ist und sich nicht mehr kontrollieren lässt, ist von Sexsucht die Rede. Anstelle von lustvollen Gefühlen stehen typische Suchtsymptome im Mittelpunkt.

Die Betroffenen schämen sich für ihren sexuellen Drang und empfinden Schuldgefühle. Darum verheimlichen sie ihre sexuellen Gewohnheiten vor anderen Menschen. 

Wir geben Tipps gegen die Sexsucht, erklären welche Hilfsangebote genutzt werden können und wo die Ursachen nach dem vermehrten Wunsch nach Sexualität liegt. 

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Bei Sexsucht oder Hypersexualität handelt es sich um ein übersteigertes und zwanghaftes Verlangen nach Sex. Daher gilt diese Sucht als Verhaltensstörung. Wer sexsüchtig ist, hat keine Kontrolle mehr über sein Tun. Die Sexualität steht im Mittelpunkt aller Handlungen.

    Oft ist eine gestörte Impulskontrolle für das übermäßige sexuelle Verlangen verantwortlich. Dazu kommen Risikofaktoren wie familiäre Probleme und ein geringes Selbstwertgefühl. Einsamkeit und eine Veränderung im Belohnungszentrum des Gehirns können ebenfalls die Sexsucht verstärken.

    Das Hauptmerkmal von Sexsucht ist die verstärkte Konzentration auf Sexualität. Andere Lebensbereiche verlieren an Bedeutung. Darunter leiden die zwischenmenschlichen Beziehungen und manchmal auch die Arbeit. Oft geraten Betroffene auch in finanzielle Schwierigkeiten, wenn für sexuelle Leistungen auch Geld ausgegeben wird. Auch rechtliche Gefahren können eine Rolle spielen, wenn z.B. Belästigung oder Entblößung mit in die sexuellen Handlungen fallen. 

    Beginn einer Sexsucht

    Der schleichende Beginn einer Sucht

    Ebenso wie bei anderen Süchten – Alkohol oder Drogen – beginnt die Sexsucht langsam und unauffällig. Je mehr das Suchtverhalten zunimmt, desto stärker sind die Einschränkungen.

    Die Entscheidungsfreiheit verringert sich drastisch. Wenn die Sexsucht langfristig unbehandelt bleibt, wirkt sich das negativ auf die Persönlichkeit und auf die Gesundheit aus. Nach den kurzzeitigen Hochgefühlen leiden die Betroffenen unter innerer Leere, Selbstzweifeln und Ängsten.

    Einordnung der Sexsucht

    Ab wann ist man Sexsüchtig?

    Bei der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt ein medizinisches Diagnosesystem vor, das die entsprechenden Diagnoseschlüssel zur Kodierung der Hypersexualität enthält. 

    Wichtige Elemente sind:

    Ursachen für Sexsucht

    Warum wird man süchtig nach Sex?

    Woher die Sexsucht kommt, lässt sich nicht immer eindeutig beurteilen. Verschiedene Ursachen sind möglich, die körperlich oder psychisch bedingt sein können. Oft werden mehrere Auslöser kombiniert, die zu dem zwanghaften Sexverhalten führen.

    Oft sind sexsüchtige Menschen emotional verschlossen. Dabei handelt es sich um einen Selbstschutz vor Verletzungen. Dennoch sehnen sich die Betroffenen nach Zuneigung und Liebe. Ohne liebevolle Partner und starke Bindungen fehlt ihnen die emotionale Intimität. Um dies zu kompensieren, suchen sie nach körperliche Nähe.

    Der Sex mit wechselnden Partnern, notfalls auch gegen Geld, soll die Gefühle ersetzen und schnellst möglichst wieder für eine Ausschüttung der Glückshormone sorgen. Das Verhalten entspricht meist einer Instant Gratification, also einer sofortigen Belohnung, anstelle von einem Belohnungsaufschub.

    Sex wirkt wie eine Droge

    Die Sexsucht entwickelt sich somit zu einer Art Droge, wodurch stets das Belohnungszentrum aktiviert wird. Die Stimulation lässt die Probleme zumindest zeitweise verschwinden und die Stimmung verbessert sich.

    Manchmal ist die Sexsucht auch eine Folge von psychischen Erkrankungen. Oft sind es Patienten mit Borderline-Syndrom oder bipolarer Störung, die sexsüchtig werden. Eine posttraumatische Belastungsstörung kann ebenfalls das sexuelle Verhalten beeinflussen. Je nach Situation können zusätzlich Identitätskrisen und Angststörungen auftreten.

    Meistens löst der individuelle psychische Zustand die Sexsucht aus, beispielsweise nach einem Kindheitstrauma oder nach besonderen sozialen Ereignissen. Abhängig von der eigenen Persönlichkeit und Veranlagungen kann sich das Risiko einer psychischen Störung noch erhöhen.

    Das Internet bietet jederzeit Zugang zu anonymen Sex- und Porno-Seiten. Dating-Seiten machen es leicht, unpersönliche Sex-Kontakte zu knüpfen. Die Hemmungen fallen und dem Genuss von Sex steht nichts mehr entgegen.

    Folgen einer Sexsucht

    Wie Sexsucht das Leben beeinträchtigt

    Wer ständig an Sex denkt, kann sich kaum auf etwas anderes konzentrieren. Zu den Gedanken kommt auch die Ausübung von Sex dazu. Die Sexsüchtigen suchen online nach pornografischen Bildern und Videos, sie masturbieren oder sind immer wieder auf der Suche nach neuen Sexualpartnern.

    Durch die extreme Selbstbefriedigung oder häufigen Sex kann es zu Verletzungen im Intimbereich kommen, dennoch brauchen die Betroffenen immer mehr Anreize, um die Befriedigung zu genießen. Schon kurz danach möchten sie ihre Lust noch mehr steigern

    Nachteile einer Sexsucht

    Konsequenzen einer Sexsucht

    Eine klare Linie zwischen lustvollem Sex und Sexsucht lässt sich kaum ausmachen. Darum fällt es den Betroffenen schwer, rechtzeitig gegenzusteuern. Wer sein sexuelles Verlangen heimlich auslebt, schadet zunächst niemandem.

    Doch wenn der Sex immer mehr Lebensbereiche beeinflusst, kommt es zu negativen Konsequenzen. Nach dem Ausleben der Lust empfinden die Sexsüchtigen oft Schuld und Selbsthass. Mit den Schamgefühlen kommt der Gedanke, dass es ihnen vermutlich besser ginge, wenn sie nicht sexsüchtig wären.

    Einige Sexsüchtige geraten in finanzielle Schwierigkeiten, weil sie Prostituierte aufsuchen oder in teure Swingerclubs gehen. Im Milieu kommen sie zudem in Kontakt mit weiteren Suchtproblemen, denn hier sind Alkohol und Drogen im Umlauf.

    Weitere mögliche Folgen sind Essstörungen, Medikamentenmissbrauch und Depressionen. Um ernsthafte Probleme zu vermeiden, ist Hilfe nötig.

    Bekannte Beeinträchtigungen einer Sexsucht:

    Viele Sexsüchtige leiden unter zerbrochenen Beziehungen. Sexuelle Aktivitäten außerhalb der primären Beziehung führen oft zu einem Verlust des Selbstwertgefühls beider Partner sowie zu Streitigkeiten. In Familien ist der Sexsüchtige häufig abwesend, was zu einem Zeitverlust bei der elterlichen Vorbildfunktion führt. 

    Zwanghafte sexuelle Gedanken und Verhaltensweisen führen häufig zu Depressionen. Betroffene leiden dabei häufig auch unter Einsamkeit, einem geringen Selbstwertgefühl, Schamgefühle, Selbsthass, Verzweiflung, Hilflosigkeit und moralische Konflikte. Für viele sexuelle Handlungen empfinden die Sexsüchtigen Reue und Selbsttäuschung. In schlimmen Fällen kann die Sexsucht sogar zu Suizidgedanken führen.

    Die gesundheitlichen Folgen der Sexsucht können HIV-Infektionen, Herpes, Syphilis, Gonorrhoe und andere Geschlechtskrankheiten (STDs) sein. Auch Genitalverletzungen können durch übermäßige sexuelle Aktivität oder die Verwendung von Sexhilfen und Fremdkörpern verursacht werden. Sogar Autounfälle können die Folge sein, wenn die Aufmerksamkeit des Fahrers durch sexuelle Aktivität abgelenkt wird.

    Sogar rechtliche Folgen können durch die Sexsucht entstehen. Dabei spielt vor allem das ausleben sexueller Aktivitäten in der Öffentlichkeit eine Rolle. Öffentliche Masturbation, sexuelle Belästigung oder sogar sexuelle Übergriffe können schwere rechtliche Konsequenzen mit sich ziehen. In manchen Ländern fallen die Strafen hierfür sehr drastisch aus. 

    Kindesmissbrauch und Vergewaltigung sind in manchen Fällen auf Suchtverhalten zurückzuführen. Auch eine sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz kann zu rechtlichen Schwierigkeiten oder den Verlust des Arbeitsplatzes führen.

    Eine Sexsucht führt häufig zu finanziellen Schwierigkeiten durch den Kauf von pornografischem Material, Treffen mit Prostituierten oder Telefon- und Webcamseiten. Sogar Reisen zum Zweck sexueller Kontakte und andere sexuelle Aktivitäten können die finanziellen Ressourcen des Süchtigen belasten. Teilweise treibt dies manche Sexsüchtigen sogar bis zur Insolvenz.

    Anzeichen einer Sexsucht

    Wie merke ich ob ich süchtig nach Sex bin?

    Wenn die Gedanken immer öfter um Sex kreisen, muss es sich nicht unbedingt um Sexsucht handeln. Manchmal sind es einfach die Hormone. In der Pubertät wächst das sexuelle Verlangen besonders sprunghaft an. Wenn sich die innere Fixierung auf Sex verstärkt, leiden die freundschaftlichen Beziehungen. Neben dem Sozialleben wird auch der Job zur Nebensache.

    Die folgenden Punkte sind typische Symptome für Sexsucht:

    Diejenigen, die ihr Verhalten ändern möchten, schaffen es oft nur kurzfristig. Dabei sind sie sich der Gefahr von Krankheiten durchaus bewusst.

    Sexsucht bei Männern – Symptome

    Sexsüchtige Männer schauen oft Pornos und masturbieren dabei. Allerdings gelingt es ihnen bald nicht mehr, Befriedigung zu empfinden. Der permanente Gedanke an Sex führt zu intensiven Fantasien. Diese lenken von der Arbeit und anderen alltäglichen Dingen ab. Der Sex selbst wird zu einer Art Sport und hat nichts mehr mit Intimität und Vertrauen zu tun. Eine enge Beziehung ist kaum noch möglich.

    Sexsucht bei Frauen – Symptome

    Frauen mit Sexsucht gelten als nymphoman. Ihr starkes Verlangen nach Sex bringt sie dazu, die Geschlechtspartner oft zu wechseln. Manche Frauen wünschen sich eine normale Beziehung und ein angenehmes Sexualleben. Oft landen sie jedoch in einer toxischen Beziehung oder probieren neue Sex-Spiele aus.

    Natürlich darf Sex Spaß machen. Wer gerne und viel Sex hat, genießt die Intimität und probiert auch einmal etwas Neues aus. Wenn jedoch der Sex dazu führt, dass das normale Leben immer stärkeren Einschränkungen unterliegt, stimmt etwas nicht. Die Sexsucht verdrängt viele positive Dinge und schiebt sich stets in den Vordergrund. Ein deutliches Zeichen für Suchterkrankungen ist die fehlende Impulskontrolle.

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    Tipps gegen Sexsucht

    Was tun gegen Sexsucht?

    Der Weg aus der Abhängigkeit beginnt mit der Selbsterkenntnis. Die Symptome der Sucht helfen dabei, das eigene Sexualverhalten richtig einzuschätzen.

    Abstinenz von einem Tag auf den anderen ist keine optimale Lösung, denn damit bleibt das zwanghafte Verhalten unterdrückt. Die Gefahr eines Rückfalls ist entsprechend groß. Doch die Betroffenen können versuchen, ihrem sexuellen Drang nicht ständig nachzugeben.

    Im Gespräch mit dem Partner oder einer anderen Vertrauensperson lässt sich das Suchtproblem erörtern. Gemeinsam fällt es leichter, der Sexsucht etwas entgegenzusetzen. Mehr sportliche Aktivitäten und weitere Ablenkungen helfen, durch die Entzugsphase zu kommen.

    Die Sexsucht geht meistens nicht von alleine vorbei. Die Betroffenen brauchen gezielte Hilfe, um ihre Hypersexualität zu bewältigen. Dabei müssen sie zuerst verstehen, was der Sex für sie bedeutet. Meistens soll die sexuelle Stimulation bestimmte Probleme verdrängen oder kompensieren. Wer sein eigenes Verhalten und die Trigger frühzeitig erkennt, kann auch in Eigenregie gegen die beginnende Sexsucht angehen.

    Sexsucht Selbsthilfegruppen

    In einer Selbsthilfegruppe ist ein verständnisvoller Austausch der Sexsüchtigen möglich. In vielen Städten haben diese Gruppen einen festen Platz. Die Betroffenen sprechen über ihre individuelle Geschichte und über ihre zukünftigen Wünsche. Das hilft dabei, die typischen Trigger zu erkennen und positiv zu denken. Mit hilfreichen Tipps für den Alltag und dem Gefühl, nicht allein zu sein, fällt es leichter, das Suchtverhalten zu überwinden.

    Hilfe für Partner und Angehörige

    Auch die Partner und Familienmitglieder von Sexsüchtigen brauchen Unterstützung. Zunächst ist viel Mut erforderlich, um das Problem überhaupt anzusprechen. Ein sozialer Rückzug des Sexsüchtigen oder seines Partners macht die Sache hingegen noch schwerer.

    Für die Partner ist es schwierig, die richtige Balance zu finden. Einerseits möchten sie den Sexsüchtigen helfen, andererseits dürfen sie sich nicht selbst verausgaben oder zu etwas zwingen lassen. Bei einer Suchtberatungsstelle können die Sexsüchtigen und auch ihre Partner über ihre Situation sprechen. Möglicherweise ist eine Therapie sinnvoll, um die Erlebnisse besser zu verarbeiten und positiv in die Zukunft zu schauen.

    Sexsucht Therapie

    Professionelle Hilfe gegen Sexsucht

    Bei einem Psychotherapeuten ist eine individuelle und zielorientierte Therapie möglich, die hilft, die Sexsucht erfolgreich zu überwinden.

    Das Hauptziel besteht darin, die Impulskontrolle wiederzugewinnen. Sexuelle Abstinenz ist im Normalfall keine Option, denn Lust und sexuelle Aktivität gehören zum genussvollen Leben dazu.

    Eine umfassende Psychotherapie kann mehrere Jahre lang dauern. Sie hilft dabei, die eigenen Gefühle und Stimmungen zu akzeptieren. Eine positive Selbstwahrnehmung verbessert die Impulskontrolle der Lust: So wird der Sex wieder genussvoll und hinterlässt kein schlechtes Gewissen

    Hilfe finden und annehmen:

    Über die Arztsuche auf Jameda, lassen sich auch Sexualtherapeuten in der näheren Umgebung finden. Sollte eine möglichst anonyme Online Beratung erfolgen, können Sie den geeigneten Therapeuten auch nach einer Video oder Telefon-Beratung fragen. 

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Consequences of Sex Addiction and Compulsivity – oxbowacademy.net

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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