Kontaktsucht

Süchtig nach Aufmerksamkeit, Gespärchen und menschlichen Kontakt

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir streben konstant nach Bestätigung durch die Menschen in unserem Umfeld. Oder zumindest nach Interaktion mit ihnen. Allein das Gefühl, wahrgenommen zu werden, im Freundes- und Bekanntenkreis eine Rolle zu spielen, tut uns allen gut.

Manche Menschen haben ein erhöhtes Mitteilungsbedürfnis und könnten als Kontaktsüchtig angesehen werden. Was aber, wenn der Wunsch nach sozialer Interaktion krankhaft wird?  

Wir klären über die Kontaktsucht auf und geben Tipps wie das erhöhte Mitteilungsbedürfnis reduziert werden kann. 

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Kontaktsüchtige sind permanent auf der Suche nach Interaktion mit anderen Menschen. Ob es sich dabei um die Kultivierung bestehender Freundschaften oder um die Etablierung neuer Kontakte handelt, macht keinen Unterschied.

    Betroffene sind süchtig nach sozialen Kontakten, nach Interaktion. Aufgrund der Beschleunigung der Kommunikation durch Social Media und Messengerprogramme greifen Sozialsüchtige besonders häufig zum Smartphone, um ihre Bedürfnisse zu stillen.

    Die Kontaktsucht ist mit einer Smartphonesucht oder der Sucht nach Anerkennung verknüpft. Das Gegenteil einer Kontaktsucht ist die soziale Isolation und die Abneigung von Menschen.

    Lassen sich die Kontaktbedürfnisse eines Betroffenen in der „realen“ Welt nicht mehr ausreichend stillen, verlagert dieser seine Aktivitäten, falls noch nicht geschehen, in eine virtuelle Umgebung.

    Die Folgen sind häufig eine Handysucht und der ständige Drang nach Aufmerksamkeit. Bekommen Betroffene diese Aufmerksamkeit nicht, drohen phasenweise Depressionen

    Dazu kommt, dass Menschen durch Einsamkeit tatsächlich krank werden oder zumindest Entzugserscheinungen entwickeln können.

    Allein das Gefühl, nicht bemerkt zu werden und keinen Anschluss zu finden, reicht dafür oftmals schon aus. Betroffene können schnell in Depressionen abrutschen, wenn keine ausreichende soziale Interaktion erfolgt. 

    Eine Kontaktsucht manifestiert sich meist in einem problematischen Gebrauch des Smartphones und anderer Kommunikationsmöglichkeiten.

    Eine Möglichkeit ist, hier anzusetzen und klare Limits zu setzen. Die persönliche Stimmung sollte nicht vom Mitteilungsbedürfnis abhängig sein müssen. Im Artikel geben wir weitere Tipps gegen die Kontaktsucht. 

    Führt dies nicht zum gewünschten Ergebnis, empfiehlt sich der Gang zum Psychologen. Eine Therapie deckt die zugrunde liegenden Problematiken auf und hilft dabei, neue Verhaltensweisen zu etablieren.

    kontaktsucht

    Süchtig nach Kontakten

    Sozialsucht: Wenn der Kontakt zu Menschen süchtig macht

    Eine Sozialsucht kann sowohl wildfremde als auch vorhandene Freundschaften betreffen. Wer süchtig nach Kontakten ist, der braucht ständig die Aufmerksamkeit, die Reaktion oder den Kontakt zu Mitmenschen.

    Merkmale einer Kontaktsucht:

    Sozialsüchtigen fällt es schwer, ohne sozialer Interkation auszukommen. Sie benötigen den konstanten Austausch mit ihrem Umfeld, um sich wertgeschätzt oder auch nur verständigt zu fühlen.

    Anders als bei süchtigen nach Anerkennung kann bei einer Kontaktsucht auch einfach nur der Austausch befriedigend sein. Dabei wird das Gefühl einer Einsamkeit bekämpft

    Ob es sich dabei um Interaktion mit bereits etablierten Kontakten oder um die Suche nach neuen Freunden bzw. Bezugspersonen handelt, ist dabei nebensächlich. Die Qualität und Art des Kontakts ist nicht unbedingt ausschlaggebend, vielmehr steht die Frequenz im Mittelpunkt.

    Anzeichen einer Kontaktsucht

    Wie macht sich eine Sozialsucht bemerkbar?

    Eine Kontakt- oder Sozialsucht äußerst sich heutzutage vor allem durch exzessiven Gebrauch von Handys und Messengerdiensten.

    Früher bestand eine Kontaktsucht meist nur aus persönlichen Kontakt, heute können die technischen Mittel eine weitere Kontaktmöglichkeit bieten.

    Dank des technischen Fortschritts auf dem Telekommunikationssektor ist eine Kontaktaufnahme mit anderen Menschen heute so einfach wie nie zuvor. Ein paar Klicks genügen um der Sucht nach Kontakten und sozialer Interaktion nachzukommen.

    Was passiert nun aber mit den Menschen, wenn diese Versuche der Kontaktaufnahme von der anderen Seite ausbleiben? Was, wenn mir niemand schreiben oder mit mir sprechen möchte?

    Frust und Depressionen bei ausbleibenden Kontakt

    Ein mehr als unschönes Szenario für den Sozial- bzw. Kontaktsüchtigen. Eine Folge ist, dass die Frequenz der Handy- bzw. Technologienutzung deutlich ansteigt. „Vielleicht habe ich ja eine Nachricht übersehen?“ „Eventuell tut sich ja auf meinem Insta-Profil oder in meinem Facebook-Feed etwas?“ Das Ausbleiben von Kontaktaufnahmen versetzt Süchtige in einen dauerhaften emotionalen Alarmzustand.

    Kontaktsucht-Test

    Wie bemerke ich, ob ich süchtig nach Kontakten bin?

    Eine Sucht nach Kontakt besteht vor allem dann, wenn ohne sozialer Interaktion der Alltag und die Stimmung deutlich beeinträchtigt ist.

    Häufige Anzeichen einer Kontaktsucht...
    Bleiben Reaktionen und Antworten aus?

    Zwar ist nicht immer ist eine Behandlung oder eine Linderung der Kontaktsucht notwendig, in einigen Fällen ist es allerdings eine Bereicherung für den Alltag wenn dieser Drang reduziert werden kann. Vor allem wenn Sie selbst erkennen, wie sehr Sie unter diesen Gefühlen leiden, ist es an der Zeit etwas dagegen zu tun.

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    Gefahren einer Kontaktsucht

    Schadet ein starkes Mitteilungsbedürfnis?

    Menschen mit sehr hohen Mitteilungsbedürfnis geraten schnell in Einsamkeit wenn dieses Bedürfnis nicht erfüllt wird. Im Zeitalter der sozialen Medien ist dieses übertriebene Mitteilungsbedürfnis so einfach wie noch nie zu erfüllen.

    Doch wer nicht das richtige Mittelmaß findet kann auch schnell auf Ablehnung stoßen. Die Folgen von zu hoher Aufdringlichkeit ist meist Desinteresse. Schließlich führt der Verlust einer Freundschaft dann sogar zu noch größeren Depressionen und Gefühlen der Einsamkeit

    Bei der Kontaktsucht geraten zwei Punkte in den Fokus:

    Flucht in die virtuelle Welt:

    Die Kontaktaufnahme im World Wide Web bzw. via Mobiltelefone und Messengerdienste gestaltet sich einfacher als in der realen Welt. Die Loslösung von räumlicher Gebundenheit macht diese Option zudem verlockend und ermöglicht, simultane Bemühungen auf mehreren Kanälen. Dass diese Charakteristika für Kontaktsüchtige geradezu verführerisch sind, ist klar.

    So wird es nachvollziehbar, warum sich Betroffene mehr und mehr in den virtuellen Raum zurückziehen und dort nach Kontakten und Zuspruch suchen. Darunter leidet allerdings die Verbindung zur realen Welt. Sozialsüchtige flüchten sich zunehmend in die Virtualität.

    Einsamkeit macht krank:

    In einem groß angelegten Versuch hat ein Forscherteam vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) rund um Livia Tomova untersucht, wie unser Gehirn auf Isolation und Einsamkeit reagiert. Die Resultate der Studie wurden in der Fachpublikation „Nature Neuroscience“ veröffentlicht.

    Die Conclusio zusammengefasst: Die mit Belohnung und Sucht im Zusammenhang stehenden Hirnareale reagieren auf Einsamkeit so wie auf Hunger. Unterschiede gab es lediglich hinsichtlich zusätzlich aktivierter Bereiche. Während bei Hunger Aktivitäten im zingulären Kortex, der Amygdala und der Insula zu sehen waren, spielten sich diese bei Einsamkeit eher im orbifrontalen Kortex ab. Was diese Bereiche gemeinsam haben: Sie stehen im Zusammenhang mit Belohnung und Motivation.2Osterkamp, Jan: Süchtig nach anderen; In: spektrum.de

    Wir raten an Personen mit einer Kontaktsucht daher ein gutes Mittelmaß zu finden. Tipps wie z.B. ein Smartphone Detox, oder zumindest ein Nicht-stören Modus können dabei helfen den Drang des Mitteilungsbedürfnis zu reduzieren

    Zu viele Mitteilungen können schaden

    Hohes Mitteilungsbedürfnis: Die Dosis macht das Gift

    Angesichts der Auswirkungen von Kontaktsucht – exzessive Smartphonenutzung und Flucht in den virtuellen Raum – läge es nahe, das Vorhandensein einer antisozialen Störung zu konstatieren. Untersuchungen legen aber nahe, dass das Gegenteil der Fall ist.

    Was zunächst positiv klingt, hat in der Realität allerdings negative Auswirkungen. Hier kommt wieder das Belohnungssystem unseres Gehirns ins Spiel. Suchtverhalten steht grundsätzlich immer in einem engen Zusammenhang mit genau diesen Bereichen. 

    Das hat auch Professor Samuel Veissière, seines Zeichens kognitiver Anthropologe, festgehalten. Zunächst einmal sieht er in der Suche nach Kontakt und konstanter sozialer Bestätigung ein urmenschliches Verhalten.

    Professor Samuel Veissière explains that the desire to watch and to monitor others, but also to be seen and monitored by others, runs deep in our evolutionary past. Humans evolved to be a uniquely social species and require constant input from others to seek a guide for culturally appropriate behaviour. This is also a way for them to find meaning, goals, and a sense of identity.

    Professor Samuel Veissière

    Im Gebrauch von Smartphones sieht Veissière einen Ausdruck dieser uns ureigenen Sozialität, warnt aber gleichzeitig auch vor den Gefahren. 

    „While smartphones harness a normal and healthy need for sociality, Professor Veissière agrees that the pace and scale of hyper-connectivity pushes the brain’s reward system to run on overdrive, which can lead to unhealthy addictions.”

    Professor Samuel Veissière

    Das Verlangen nach sozialen Kontakten und die Verwendung von technischen Hilfsmitteln zum Erreichen dieses Ziels ist also grundsätzlich eine normale menschliche Verhaltensweise.

    Wie in so vielen Szenarien gilt aber auch hier: Die Dosis macht den Unterschied.

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    Tipps gegen Kontaktsucht

    Was hilft gegen ein zu hohes Mitteilungsbedürfnis?

    Das Verlangen nach sozialen Kontakten und deren Pflege ist zunächst einmal nichts Verwerfliches, sondern ein Teil der menschlichen Natur. Als soziale Wesen überprüfen wir unseren Platz in der Welt ständig durch den Abgleich mit dem Verhalten anderer.

    Wer an sich selbst allerdings viel zu großes Mitteilungsbedürfnis und ein problematisches Kommunikationsverhalten beobachtet, der kann versuchen die Kontaktsucht zu reduzieren. Betroffene können versuchen mit Verhaltensänderungen gegenzusteuern

    Wägen Sie den Nutzen/Zeit Faktor ab und überlegen Sie was Sie alles wertvolles in der Zeit für sich selbst tun könnten. 

    Nicht falsch verstehen, ein gewisser Rahmen an sozialer Kommunikation ist gut und auch wichtig für uns, doch wenn ein zu großes Mitteilungsbedürfnis den Alltag beeinträchtig und bei fehlender sozialer Interaktion zu Depressionen und Einsamkeit führt, sollte über eine Drosselung der Kontaktsucht nachgedacht werden. 

    Sozialsucht reduzieren mit Tipps:

    Nicht-stören Modus

    Deaktivieren Sie Push-Notifications. Wer nicht ständig auf dem Handy neue Nachrichten bekommt, kann den Drang zur Kontaktsucht etwas reduzieren. Es genügt ein paar mal am Tag nach den Nachrichten zu sehen. Machen Sie mal wieder Termine mit Freunden aus und kontrollieren Sie bis dahin nicht ständig das Handy. In dem Zeitalter vor der Handys wurde sich auch an Termine gehalten und eine Absage war nur selten nötig.

    Legen Sie klar definierte Zeiträume fest, in denen Sie ihr Smartphone benutzen dürfen. Außerhalb dieser ist der Griff zum Handy tabu. Checken Sie Ihre Mails nicht nach Feierabend und nehmen Sie auch keine arbeitsbezogenen Anrufe mehr entgegen. Kommunizieren Sie in Ihrem Umfeld, dass Sie nur noch in bestimmten Zeitfenstern unmittelbar erreichbar sind.


    Nur in äußersten Ausnahmefällen ist es aus beruflichen Gründen notwendig ständig und jederzeit die Nachrichten der sozialen Medien zu beobachten.

    Kontakte aussortieren

    Löschen Sie den Chatverlauf mit allen, oder zumindest so vielen Personen wie möglich. Beobachten Sie wie viele Personen sich nun von alleine bei Ihnen melden. Beschränkten Sie Ihren Kontakt von nun an auf diese Personen. Bedürftige und ältere Menschen die womöglich unter Demenz leiden, sollten von diesem Experiment natürlich nicht betroffen sein.

    Selbstbeschäftigung

    Schaffen Sie sich klare Alltags-Strukturen und beschäftigen Sie sich mehr mit sich selbst. Nehmen Sie Momente bewusst wahr und genießen Sie die Augenblicke auch nur für sich selbst. Sie müssen diese Augenblicke nicht immer mit anderen Menschen teilen. Behalten Sie schöne Momente auch mal nur für sich ganz alleine in Erinnerung.

    Therapie einer Kontaktsucht

    Professionelle Hilfe gegen zwanghaftes Mitteilungsbedürfnis

    Ist der Kontrollverlust bereits zu groß und zeigen die vorgeschlagenen Tipps keine Wirkung, empfiehlt sich der Gang zum Psychotherapeuten.

    Sozial- bzw. Kontaktsucht lässt sich wie jede andere Sucht auch behandeln. Ein besonders vielversprechender Ansatz ist die kognitive Verhaltenstherapie. Nachdem die Ursachen für die Suchterkrankung herausgearbeitet und verstanden wurden, steht das Implementieren neuer Verhaltensweisen im Mittelpunkt. 

    Eine Suchterkrankung ist in sehr vielen Fällen das Resultat eines tieferliegenden, psychischen Problems. Oft findet sich dessen Ursache in familiären Konflikten. Die Familientherapie ist deshalb ebenfalls ein zu empfehlender Weg.

    Passende Ärzte bzw. Therapeuten können über die Jameda Ärztesuche gefunden werden. 

    Online Psychologen:

    Aktuell können wir leider keine Online-Therapie empfehlen. Wir bemühen uns in Zukunft passende Angebote für eine therapeutische Online-Behandlung zur Verfügung zu stellen.

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Tomova, Livia et. al: Acute social isolation evokes midbrain craving responses similar to hunger; In: Nature | nature.com
      2. Osterkamp, Jan: Süchtig nach anderen; In: spektrum.de. spektrum.de
      3. We’re not addicted to smartphones, we’re addicted to interaction; in: McGill.ca. | mcgill.ca

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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