Voyeurismus

Anzeichen, Auswirkungen und Hilfe bei Voyeurismus

An Voyeurismus leidende Menschen erfahren sexuelle Erregung durch das heimliche Beobachten anderer Menschen, während diese sich an- oder ausziehen bzw. sexuell aktiv sind.

Ein stark ausgeprägter Voyeurismus fällt unter die Paraphilien, sogenannte Sexualstörungen. Durch das Beobachten von ahnungslosen Menschen ohne deren Einverständnis kommt es oftmals zu strafrechtlicher Verfolgung.

Da Voyeurismus das Leben von vielen Betroffenen und den Beobachteten negativ beeinflusst, ist eine Behandlung durch einen Sexualtherapeuten ratsam. Dieser hilft dabei, den richtigen Umgang mit den eigenen Vorlieben zu erlernen und problematische Verhaltensweisen umzuwandeln. Wir klären im Artikel auf was erlaubt ist und welche Tipps bei den ersten Anzeichen von Voyeurismus helfen können.

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Voyeurismus ist eine Form der Paraphilie, einer Störung der Sexualpräferenz. Dies bedeutet, dass sexuelle Erregung durch von der Normalität abweichendes Verhalten erreicht wird.

    Bei Voyeurismus geschieht dies durch das unbemerkte Beobachten von Personen, die Geschlechtsverkehr oder andere sexuelle Handlungen durchführen oder sich auch nur entkleiden. Ein gewisser Rahmen entspricht noch der normalen Sexualität, wenn die Vorliebe allerdings zu stark ausgeprägt ist und kein anders normales Sexualleben mehr möglich ist, kann von krankhaften Voyeurismus die Rede sein.  

    Das Beobachten von Nacktheit oder sexuellen Aktivitäten erregt die Betroffenen. Dabei geht es ihnen vor allem um das heimliche Beobachten selbst und weniger um die sexuellen Handlungen der Menschen. Eine schwache Form ist sicherlich ungefährlich und sogar natürlich für die Sexualität. Wenn das beobachten allerdings überhand nimmt und sogar zu strafrechtlich gefährlich wird, sollte die Ausprägung beobachtet werden. 

    Durch besonders intensiven Voyeurismus kann es sogar dazu vorkommen, dass Betroffene verhaftet werden. Die Paraphilie sollte deshalb behandelt werden, um Straftaten zu verhindern, welche das spätere Leben der Betroffenen beeinträchtigen. 

    Wie erkennt man Voyeurismus?

    Voyeure beobachten heimlich andere Menschen, während diese sich um- oder ausziehen oder sexuelle Handlungen durchführen, da sie dadurch Erregung empfinden.

    Dabei gehen sie allerdings keine sexuellen Handlungen mit den Objekten ihrer Begierde ein, sondern sind nur passive Zuschauer. Voyeuren geht es weniger um die beobachtete Nacktheit oder sexuelle Handlungen, sondern vielmehr um das heimliche Beobachten selbst.

    Bei einer stark ausgeprägten sexuellen Störung suchen Betroffene oftmals stundenlang nach Gelegenheiten zur Beobachtung. Dies kann sogar dazu führen, dass sie Pflichten vernachlässigen und ein normales Alltagsleben nicht mehr möglich ist.

    Rechtlich gefährlich

    Das Beobachten von ahnungslosen Menschen ohne deren Wissen und Einverständnis kann zu strafrechtlicher Verfolgung führen. Deshalb sollte Voyeurismus unbedingt behandelt werden, bevor die individuellen Neigungen das Leben der Betroffenen und der Beobachteten negativ beeinträchtigen.

    Was bedeutet Voyeurismus?

    Der Begriff Voyeurismus kommt von dem französischen Wort Voyeur für Seher und bedeutet wörtlich Zuhörerschaft.

    Weitere Arten von Voyeurismus

    Allgemeiner Voyeurismus:

    Das Anschauen von sexuellem Content in den Medien

    Candaulismus:

    Ein Partner beobachtet den anderen bei dem Geschlechtsverkehr mit einer weiteren Person. Dies geschieht in gegenseitigem Einverständnis.

    Das endlose Angebot an sexuellen Inhalten im Internet und der Konsum von Reality-TV-Shows wie Big Brother, wo ebenfalls (zum Teil) sexuelle Handlungen übertragen werden, führt zu großer gesellschaftlicher Akzeptanz. Auch diverse Social-Media-Plattformen mit hochgeladenen leicht bekleideten Fotos und ähnlichen Inhalten sorgen für die Attraktivität der passiven Zuschauerrolle.

    Im Übrigen sorgen Peep-Shows und Clubs mit Striptease-Optionen neben dem Konsum von Medieninhalten dafür, dass allgemeiner Voyeurismus zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor wurde, welcher einen riesigen Markt erschaffen hat.

    Sind Pornos Voyeurismus?

    Ja. Das Anschauen von pornographischem Material aus dem Internet, seien es Filme oder Bilder, fällt ebenfalls unter allgemeinen Voyeurismus.

    Definition von Voyeurismus

    Nichtsdestotrotz zählt dies nicht unter Voyeurismus im eigentlichen Ursprungssinne. Bei diesem ist ein entscheidendes Merkmal das unbemerkte Beobachten von Personen, die nicht ihr Einverständnis dafür gaben. Deshalb ist allgemeiner Voyeurismus keine Paraphilie, da die Lust am Konsum von für derartige Zwecke bereitgestellten Inhalten gesellschaftlich sehr verbreitet ist und somit nicht als anormal gelten kann. 

    Auslöser von Voyeurismus

    Meist sind Männer betroffen, bei Frauen kommen derartige Neigungen eher seltener vor. Wie bei anderen Paraphilien liegt hier ein Teil der Faszination sicherlich in dem Reiz des Verbotenen und der Aufregung, jederzeit erwischt werden zu können.

    Des Weiteren kann Voyeurismus als Ersatz für eigene sexuelle Aktivitäten dienen. Personen, die selbst keinen Geschlechtsverkehr haben, kompensieren dies unter Umständen durch das Beobachten sexueller Handlungen bei anderen Menschen. Insofern kann Voyeurismus das Resultat von Isolation und einem Mangel an Intimität und Nähe sein.

    Personen, die aus verschiedenen Gründen wie etwa erektiler Dysfunktion (Impotenz) keinen Sex haben können, flüchten sich mitunter in die Zuschauerrolle

    Beziehungsangst

    Manche Betroffenen fürchten sich zudem vor dem Eingehen einer sexuellen Beziehung. Dafür gibt es viele Gründe, zum Beispiel die Angst vor der eigenen Körperlichkeit oder Sexualität.

    Geringes sexuelles Selbstvertrauen

    Auch die Furcht davor, Verantwortung für einen realen Sexpartner zu übernehmen, spielt manchmal eine Rolle. Als passiver Beobachter bleiben die Betroffenen unangreifbar und behalten die Kontrolle über ihr eigenes Sexleben.

    Wie wird Voyeurismus erkannt

    Um tatsächlich als Voyeur zu gelten, müssen Betroffene mehrfach durch das unbemerkte Beobachten von nackten oder sexuell aktiven Personen intensiv erregt worden sein. 

    Des Weiteren verspüren Voyeure den starken, unwiderstehlichen inneren Drang, Möglichkeiten zur Beobachtung zu suchen und vernachlässigen dadurch berufliche Pflichten oder ihr Sozialleben.

    Diese Verhaltensweisen müssen über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten vorliegen, um jemanden als Betroffenen von Voyeurismus klassifizieren zu können. 

    Oftmals ist das Beobachten von Personen nicht die einzige funktionierende Methode, um sexuell erregt zu werden, sondern die voyeuristische Neigung ist nur ein Teil der Vorlieben und Fantasien.

    Wenn dies nicht der Fall ist, sondern Betroffene nur durch das unbemerkte Beobachten von Anderen Erregung und Befriedigung empfinden können, wird neben einer Störung der Sexualpräferenz oftmals eine psychische Störung diagnostiziert. 

    voyeurismus-auswirkungen

    Auswirkungen von Voyeurismus

    Während eine leichte Form von Voyeurismus noch nicht therapiert werden muss, beinhaltet  letzteres, dass durch die voyeuristischen Neigungen Beeinträchtigungen und Probleme entstehen.

    Ein Beispiel wäre, dass Betroffene stark unter ihren Vorlieben leiden oder wegen diesen kein normaler, sinnvoller Alltag mehr möglich ist.

    Voyeurismus kann sogar dazu führen, dass Betroffene Pflichten vernachlässigen. Im Extremfall suchen Betroffene den ganzen Tag nach Möglichkeiten, um anderen heimlich zuzusehen.

    Das Beobachten von ahnungslosen Menschen ohne deren Wissen und Einverständnis kann zu strafrechtlicher Verfolgung führen. Deshalb sollte Voyeurismus unbedingt behandelt werden, bevor die individuellen Neigungen das Leben der Betroffenen und der Beobachteten negativ beeinträchtigen. 

    Schamgefühl aufgrund von Voyeurismus

    Sexuelle Vorlieben sind sehr individuell. Da man sich diese nicht aussuchen kann, sollten die persönlichen Neigungen nichts sein, wofür man sich schämt. Die Klassifizierung von „normalen“ sexuellen Vorlieben und Praktiken ist zudem höchst problematisch, da Normalität immer von kulturellen und gesellschaftlichen Werten abhängt. Infolgedessen existieren viele konträre Ansichten bezüglich Normalität, weshalb die Abgrenzung von anormalem sexuellen Verhalten ebenfalls kaum vorzunehmen ist. 

    Voyeurismus kann "normal" sein.

    Bis zu einem gewissen Grad verspürt jeder Mensch voyeuristische Neigungen, welche durch Medienkonsum befriedigt werden können. Leichte Formen von Voyeurismus gelten als gesellschaftlich normal, solange sie mit bereitwilligen Partnern durchgeführt werden.

    Voyeurismus aufgrund von Isolation

    Des Weiteren ist es absolut verständlich, dass sich besonders in schwierigen Zeiten wie der aktuellen pandemischen Situation viele Menschen isoliert fühlen und aufgrund von Einsamkeit andere Methoden suchen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. 

    Risiken durch Voyeurismus meiden

    Krankhafter Voyeurismus birgt allerdings viele Risiken, beispielsweise strafrechtliche Verfolgung wegen der Beobachtung von ahnungslosen Menschen. Zudem können bei beobachteten Personen Traumata ausgelöst werden. Außerdem verletzen Voyeure das Recht auf Privatsphäre. Wegen der genannten Risiken ist für Betroffene eine therapeutische Behandlung ratsam. 

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    Tipps bei Voyeurismus

    Legale Voyeurismus Methoden nutzen

    Es existieren manche Etablissements, welche Services anbieten, um Voyeurismus in einem legalen Rahmen auszuleben. Beispiele dafür sind Peepshows, Strip- oder Swingerclubs, bei welchen Zuschauen ausdrücklich erlaubt und erwünscht ist. Des Weiteren gibt es sogenannte Voyeur-Webcams. Dies sind Internetseiten, auf denen man sogenannte Camgirls beobachten kann. Allgemein bietet das Internet viele Möglichkeiten um den Voyeurismus legal nachgehen zu können. Die Grenze zum Illegalen sollte allerdings nie überschritten werden. Auch die Nutzungsdauer sollte im Auge behaltet werden, die Entstehung einer Pornosucht kann bei zu hohen Konsum dieser Inhalte steigen.

    Voyeurismus absprechen

    Neben Voyeuristen gibt es Exhibitionisten, die gern von anderen Menschen beim Um- oder Ausziehen und bei sexuellen Aktivitäten beobachtet werden. Da sie voneinander profitieren, können Vereinbarungen zwischen beiden Parteien eine Lösung bieten. Auch Rollenspiele eigenen sich ideal um in die Rolle von Voyeurismus zu schlüpfen.

    Professionelle Hilfe suchen

    Betroffene, denen die vorgeschlagenen „milderen“ und legal erlaubten Möglichkeiten für Voyeure nicht ausreichen, um sexuelle Befriedigung zu erfahren, sollten eine Therapie in Betracht ziehen. Sich ständig gegen den inneren Drang zu wehren, kann sehr anstrengend und stressend sein, während das Nachgeben und Ausleben der Bedürfnisse illegal und unmoralisch wären. Eine Therapie kann zu einer langfristigen Verhaltensänderung verhelfen.

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    Behandlung von Voyeurismus

    Voyeurismus lässt sich auf unterschiedliche Arten behandeln. Eine Option ist etwa die Psychotherapie, bei welcher tiefliegende Konflikte mit einem Therapeuten aufgearbeitet werden.

    Infolgedessen ist es möglich, das eigene Verhalten besser zu verstehen und alternative Handlungsweisen einzustudieren.

    Auch eine kognitive Verhaltenstherapie kann dabei helfen, problematische Denk- und Verhaltensmuster als solche zu entlarven. Dabei werden den Betroffenen vor allem die Auswirkungen und die Tragweite des eigenen Verhaltens aufgezeigt.

    Des Weiteren spielt die Umprogrammierung von betroffenen Hirnarealen eine Rolle. Dadurch ist eine langfristige Verhaltensänderung möglich.

    Medikamente gegen Sexualtrieb?

    Bei einer äußerst schwerwiegenden voyeuristischen Störung können zur Unterstützung der Therapie Medikamente eingesetzt werden, welche eine Reduzierung des Testosteronspiegels vornehmen und dadurch den Sexualtrieb verändern. Dafür kommen Mittel wie Medroxyprogesteronazetat oder Leuprorelin in Frage. Die Betroffenen müssen in eine medikamentöse Behandlung einwilligen.

    Hilfsangebote bei Voyeurismus

    Oftmals schämen sich betroffene Personen und trauen sich deshalb nicht, einen Experten aufzusuchen.

    Problematische Verhaltensweisen und Beschwerden verschlimmern sich allerdings in den meisten Fällen nur, wenn sie nicht behandelt werden. Deshalb ist es wichtig, sich Hilfe zu holen.

    Wer sich nicht traut, einen Arztbesuch vorzunehmen, hat andere Möglichkeiten.

    Betroffene können auf jameda.de geeignete Ärzte und Psychologen im Umkreis suchen. Alternativ können auch Online Videosprechstunden mit Ärzten oder Psychologen in Anspruch genommen werden.

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. How to Practice Voyeurism Responsibly – 2021 – MasterClass

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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