Feeding

Lustgewinn durch krankhaftes Füttern

Sexuelle Vorlieben sind verschieden. Es gibt die üblichen, sich an der Norm orientierenden Praktiken und ein gängiges Schönheitsideal. Daneben existieren aber unzählige Nischen. Die meisten von ihnen absolut harmlos. Dann gibt es allerdings auch noch abweichende Formen von Sexualverhalten, die sich gefährlich in Richtung Störung oder Zwang bewegen. Beim Feeding geht es darum, eine Person regelrecht zu mästen. Dabei findet der Fütterer nicht nur das Endergebnis sexuell erregend, sondern auch schon den Akt des Fütterns selbst. Wir berichten wo dabei die Gefahren liegen und welche Therapiemöglichkeiten es gibt.

Übersicht:
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    In Kürze:

    Beim Feeding geht es um Lustgewinn, der durch das Füttern bzw. regelrechte Mästen einer anderen Person entsteht. Es handelt sich also um eine von der Norm abweichende Sexualpraktik, die mit krankhaftem Essverhalten einhergeht. Es entsteht eine Art Suchtverhalten. Ziel ist, dass die gefütterte Person deutlich übergewichtig wird.

    Feeding ist immer eine Geschichte von Abhängigkeiten. Und zwar nicht nur auf psychische Weise. Das Übergewicht des Feedee kann derart enorme Ausmaße annehmen, dass diese Person zum Pflegefall wird. Und zwar aus einem einfachen Grund: Sie kann sich aufgrund des Übergewichts nicht mehr bewegen. Die Adipositas bringt eine Reihe weiterer gesundheitlicher Probleme mit sich, wie beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder diverse Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

    Die Betroffenen ziehen aus dem Feeding in der Regel einen Lustgewinn. Und genau hier stößt eine mögliche Behandlung an ihre Grenzen: Der Leidensdruck fehlt. Weder Feeder noch Feedee sehen in ihrem Verhalten ein Problem und haben keine Motivation, daran etwas zu ändern. Dabei ist die Einsicht der erste – und wohl notwendigste – Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Behandlung. Ist dieser getan, benötigt es im weiteren Verlauf eine genau angepasste Kombination aus Psychotherapie und Ernährungscoaching.

    Definition von Feeding

    Beim Feeding – auch bekannt als Feeder Syndrom oder Feederism – handelt es sich um eine abweichende Sexualnorm, ein krankhaftes Phänomen. Im Grunde geht es darum, dass eine Person (Feeder/Fütterer) eine andere Person (Feedee/Gefütterter) regelrecht mästet

    In den allermeisten Fällen sind die Rollen klar zwischen Mann und Frau aufgeteilt. Der Mann füttert seine Partnerin.

    Ein großes Problem beim Feeding: Dafür werden niemals gesunde Gerichte verwendet, sondern ausnahmslos Zucker-, Fett- und Kalorienbomben. Sowohl Feeder als auch Feedee empfinden dadurch sexuelle Erregung, was wiederum Hormone und Botenstoffe im Gehirn freisetzt, die für ein gutes Gefühl sorgen. Und diese Gefühle machen süchtig.

    Diese kurze Beschreibung macht bereits deutlich, dass es sich beim Feeding in den allermeisten Fällen um eine konsensuale Praktik handelt. Die Gefütterte ist sich der Situation und ihrer Auswirkungen somit bewusst. Nur sehr selten kommt es vor, dass das Feeding im Geheimen passiert.

    Der Fütterer mischt Öl, Fett oder Zucker unter das Essen der Gefütterten und zieht Lustgewinn an der drastischen Gewichtszunahme. Üblicherweise geschieht aber eben alles in beiderseitigem Einvernehmen, was die Möglichkeit eröffnet, das Füttern zu einem ausgedehnten und zelebrierten Ritual zu machen. 

    Feeding kommt größtenteils nur in heterosexuellen Beziehungen vor. Der Feeder selbst ist in der Regel normalgewichtig, findet aber übergewichtige Frauen besonders anziehend. Seine Partnerin ist für ihn ein Fetischobjekt. Tritt das Phänomen in homosexuellen Beziehungen auf, wird der Fütterer als „Encourager“, der Gefütterte als „Gainer“ tituliert. 

    Feeding vs. Fat Admiration

    Rund um Figur und Körperfülle existieren zahlreiche unterschiedliche Fetische. Einer, der auf den ersten Blick dem Feeding sehr ähnlichsieht, ist „Fat Admiration“ – also die Fett-Bewunderung. Auch hier spielt die Körperfülle die entscheidende Rolle. Der große Unterschied ist aber, dass bei Feeding eine zunächst normalgewichtige Person ausgesucht und angefüttert wird, während bei der Fat Admiration von Haus aus ein übergewichtiger Mensch das Objekt der Begierde ist.

    Ist Feeding eine eigenständige sexuelle Störung?

    In der Wissenschaft herrscht bis heute Uneinigkeit darüber, ob Feeding eine eigenständige sexuelle Störung – also eine Paraphilie – ist.

    Unter einer Paraphilie versteht man eine sexuelle Neigung, die deutlich von der durchschnittlichen sexuellen Normalität der Gesellschaft abweicht. Meist geht es dabei um unbelebte Objekte, Demütigung oder Schmerz. Eine Paraphilie kann aber auch illegale Züge annehmen, wenn etwa Tiere, Kinder oder nicht einverständnisfähige Personen im Zentrum der Begierde stehen.

    Paraphilien wurden früher allgemein als krankhaft betrachtet. Seit 2005 ist dies nur noch dann der Fall, wenn die Neigungen gesellschaftlich schädigend sind und sie für die Betroffenen mit Leidensdruck verbunden sind.

    Wenn Feeding keine eigenständige Paraphilie sein sollte, dann ist es am ehesten eine Ausformung des Masochismus oder der Morphophilie. Bei Letzterem handelt es sich um eine besondere Vorliebe für unförmige Körperproportionen bzw. -eigenschaften.

    Warum ist Feeding problematisch?

    Auch wenn beim Feeding sowohl der Fütterer als auch die Gefütterte gleichermaßen sexuelle Erregung verspüren, handelt es aus psychologischer Sicht bei einer entsprechenden Verbindung um ein Abhängigkeitsverhältnis. Und das nicht nur auf psychischer Ebene

    . Durch das Feeding kann der Gefütterte Partner nämlich derart übergewichtig werden, dass es ihm sehr schwerfällt, sich überhaupt noch zu bewegen. Der Feedee wird zum Pflegefall.

    Neben der psychischen und in Extremfällen physischen Abhängigkeit kommen eine Reihe anderer – hauptsächlich körperlicher – Probleme. Gemästete leiden in der Regel irgendwann unter extremer Adipositas. Die bringt wiederum Probleme wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck mit sich. 

    Zu all dem kommen soziale Probleme unterschiedlicher Abstufungen. Während das Feeding hinter verschlossenen Türen über die Bühne gehen kann, sind die Auswirkungen irgendwann für Familie und Freunde zu sehen. Diese Situation birgt ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotenzial.

    Umdenken fand statt

    Bis vor Kurzem sah die Fat-Acceptance-Bewegung, welche gegen die Diskriminierung dicker Menschen kämpft, Feeding als durchaus legitime Neigung. Diese Einschätzung hat sich allerdings geändert. Die Bewegung distanziert sich mittlerweile deutlich und sieht Feeding teilweise sogar als pathologisch an.

    Verdrängung von Hilfe

    Paare, die in einer Feeding-Beziehung sind, sehen ihre Vorliebe nicht als krankhaft an. Für sie ist das Füttern durch und durch erotisch. Das gilt für beide Beteiligte, Feeder und Feedee. Schon allein deshalb würden sie nie auf die Idee kommen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie sehen schlicht die Notwendigkeit nicht. Ein Problem haben sie ihrer Meinung nach nicht.

    Im Großteil der Fälle ist es so, dass durch das Feeding eine Abhängigkeit aufgebaut wird. Besonders auf psychischer Ebene. Sollte der gefütterte Part eines Tages die Entscheidung treffen, die Feeding-Beziehung zu beenden, ist dies ungemein schwierig. Zudem schämt sich die Person eventuell wegen ihres mitunter starken Übergewichts und hat deshalb Hemmungen, einen Arzt aufzusuchen und sich womöglich zu Untersuchungszwecken entblößen zu müssen.

    Immer ein Abhängigkeitsverhältnis?

    Im überwiegenden Großteil der Feeding-Fälle ist es so, dass der Feedee abhängig vom Feeder ist. Allerdings trifft auch hier das alte Sprichwort zu, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Es ist nämlich durchaus nicht unüblich, dass die gefütterte Person den Takt vorgibt. Entsprechende Partnerbörsen ermöglichen die Kontaktaufnahme.

    Wie lässt sich Feeding behandeln?

    Eine einfache Antwort gibt es nicht. Das hängt auch damit zusammen, dass „Feeding“ als Krankheitsbild oder Syndrom noch relativ neu ist. Medizinische Patentrezepte existieren auf diesem Feld deshalb nicht.

    Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass eine Psychotherapie wohl der erfolgversprechendste Ansatz ist. Eine Therapie, an der aber beide Teile der Beziehung teilnehmen müssen, damit sie überhaupt Erfolg haben kann. Die Voraussetzung dafür ist die Einsicht, dass etwas nicht stimmt. Die gibt es aber in den meisten Fällen nicht. Feeder/Feedees leben ihre sexuellen Fantasien aus und fühlen sich dadurch rundum wohl. Die Notwendigkeit für eine Therapie sehen sie nicht, der Leidensdruck ist inexistent.

    Sollten Betroffene dennoch eines Tages an den Punkt gelangen, dass sie aus dem Feeding ausbrechen möchten, sollten sie sich an einen Psychotherapeuten wenden. Nach eingehenden Kennenlerngesprächen wird der dann entscheiden, ob einen Einzel- bzw. Paartherapie oder eine Gruppentherapie besser geeignet ist. Mit der Kognitiven Verhaltenstherapie gibt es für derartige Problemfälle einen erfolgversprechenden Ansatz.

    Ebenfalls wichtig wäre es, wieder normales Essverhalten zu trainieren. Der Körper eines Feedees ist auf die Aufnahme enorm hoher Kalorienmengen innerhalb kürzester Zeit geeicht. Normale Nahrungsaufnahme ohne festgelegtes Ritual kennen Betroffene so gut wie nicht mehr. Die Zusammenarbeit mit Ernährungsberatern ist deshalb ein nicht zu vernachlässigender Part. Um das Herz-Kreislauf-System zu stärken, bietet sich außerdem genau auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmtes Training an.

    Hilfe bei Feeding

    Laienhaft gesprochen ist Feeding eine Kombination von Essstörung und sexueller Störung. Medikamentös behandeln lässt sich das Syndrom lediglich, wenn es als Auswirkung eines tiefer liegenden psychischen Problems angesehen wird. „Tabletten gegen Feeding“ gibt es nicht – und wird es vermutlich auch nie geben.

    Hilfreich ist auf jeden Fall eine Psychotherapie. Auch der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann einen positiven Effekt haben. Voraussetzung bei beiden Varianten ist aber, dass sich die Betroffenen darüber klar werden, ein Problem zu haben. Erst diese Erkenntnis bringt eine Öffnung mit sich und macht es möglich, Hilfe anzunehmen.

    Zu finden ist diese professionelle Hilfe bei Psychotherapeuten. Davon gibt es mittlerweile in Deutschland sehr viele. Wir können wir Ihnen den Such-Service von jameda.de ans Herz legen. Alternativ lassen sich Psychologen über Instahelp finden, einer Plattform für Online Beratungsgesprächen mit Psychologen

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Feeding order From Wikipedia, the free encyclopedia

      Foto: Ollyy | shutterstock.com

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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