Paranoide Persönlichkeitsstörung

Auswirkungen, Anzeichen, Hilfe und Tipps

Eine paranoide Persönlichkeitsstörung gehört zu den schwerwiegendsten Störungen der Persönlichkeit. Betroffene sind sehr misstrauisch anderen gegenüber und reagieren deshalb scheinbar grundlos aggressiv. Oftmals führt eine paranoide Persönlichkeitsstörung auf Dauer zu sozialer Isolation.

Mit therapeutischer Hilfe und verschiedenen Therapien ist es möglich, toxische Verhaltensweisen abzustellen und ein normales Berufs- und Sozialleben führen zu können. Wir geben Tipps für den Umgang mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung und klären über die Therapie Möglichkeiten auf. 

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Eine paranoide Persönlichkeitsstörung, auch kurz PPD genannt, gehört zu den schwersten Störungen der Persönlichkeit. Betroffene leiden unter ständigem Misstrauen und Verdächtigungen anderen gegenüber. Die PDP wird nach  ICD-10 als psychischer Störung eingestuft. 

    Menschen mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung sind oftmals sehr misstrauisch und haben Probleme, jemandem zu vertrauen. Sie verdächtigen ihr Umfeld permanent, sie hintergehen oder ihnen schaden zu wollen. In vielen Fällen suchen Betroffene ständig nach versteckten negativen Botschaften in den Aussagen und Handlungen anderer. Aus diesem Grund verhalten sie sich oft scheinbar grundlos gereizt und aggressiv. Oftmals isolieren sie sich, um nicht von anderen enttäuscht werden zu können.

    Ja, eine Linderung der Symptome von paranoiden Persönlichkeitsstörungen ist über verschiedene Therapien möglich. So kann beispielsweise eine kognitive Verhaltenstherapie dabei helfen, eingefahrene Wahrnehmungen und toxische Verhaltensweisen abzutrainieren und durch alternative Denk- und Handlungsmuster zu ersetzen. In Extremfällen kann eine Behandlung medikamentös unterstützt werden, um aggressives Verhalten zu minimieren. Des Weiteren kann tiergestützte Intervention genutzt werden, um Nähe und Vertrauen zu Lebewesen aufzubauen. 

    Verhalten bei paranoiden Persönlichkeitsstörungen

    Wie verhält sich jemand der eine paranoide Persönlichkeitsstörung hat?

    Menschen, die unter einer paranoiden Persönlichkeitsstörung haben, können anderen nicht vertrauen. Stattdessen ist ihr Verhalten von Misstrauen geprägt. Ständig verdächtigen sie jemanden, ihnen schaden zu wollen.

    Ein Beispiel für typisches Verhalten von Betroffenen besteht beispielsweise darin, dass sie bei einem nett gemeinten Lächeln augenblicklich davon ausgehen, dass man sie auslacht.

    Anstatt freundliches Verhalten zu erkennen, sind sie in ihrer Angst gefangen und missinterpretieren das Verhalten anderer sich selbst gegenüber.

    Infolgedessen reagieren Betroffene mit Selbstschutzmaßnahmen – sie grenzen sich von anderen Menschen ab und lassen niemanden mehr an sich heran, um vermeintlich nicht verletzt zu werden. In vielen Fällen wird Sarkasmus oder Arroganz genutzt, um andere Personen abzuschrecken. 

    Gegenwehr:

    Personen, die unter einer paranoiden Persönlichkeitsstörung leiden, reagieren bei dem Gefühl der Bedrohung oftmals mit einem Gegenangriff. Menschen, die unter PPD leiden, reagieren zudem äußerst empfindlich gegenüber Zurückweisung.

    Ihr Umgang mit anderen Menschen ist von Feindseligkeit geprägt. In vielen Fällen verletzen sie andere Menschen auf emotionale Weise und reagieren scheinbar grundlos aggressiv, was bei ihnen nahestehenden Personen zu Unverständnis und Ablehnung führt. 

    Isolation:

    Dies führt dazu, dass Betroffene isoliert leben – entweder, weil sie sich aus Misstrauen anderen gegenüber aus ihrem sozialen Leben zurückgezogen haben, oder weil sich ihr Umfeld durch ihr aggressives Verhalten von ihnen abgewendet hat. 

    Belastung für Mitmenschen

    Besonders für Familienmitglieder oder Partner kann PPD sehr belastend sein, denn den Betroffenen ist es nur schwer möglich, Nähe und Liebe zuzulassen. Durch ständiges unbegründetes Misstrauen und ungerechtfertigte Anschuldigungen stoßen Menschen mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung andere oftmals von sich. In solchen Fällen ist es ratsam, sich Hilfe zu holen, damit das Umfeld und die betroffene Person nicht länger unter der Persönlichkeitsstörung leiden.

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    Angst zu vertrauen

    Angst zu Vertrauen: Pistanthrophobie

    Die Angst zu Vertrauen wird als Pistanthrophobie bezeichnet. Auch diese Phobie äußert sich durch starkes Misstrauen. Betroffenen ist es meist nicht möglich, zwischenmenschliche Beziehungen aufrechtzuerhalten.

    Vertrauen in sich selbst und in andere zu haben, ist wichtig. Wenn wir niemandem trauen, wird die Welt zu einem sehr einsamen Ort. Personen, denen es schwerfällt, anderen zu vertrauen, haben im Alltag Probleme, sowohl in sozialer als auch in beruflicher Hinsicht.

    Das permanente Misstrauen anderen gegenüber kann außerdem zu enormem psychischem Stress und Depressionen führen. Die dauerhafte Isolation führt dazu, dass sich Ängste und mentale Schwierigkeiten aufgrund von fehlendem sozialen Rückhalt verschlimmern. Depressionen und chronischer Stress können die Folge sein.

    Die Macht des positiven Denkens

    Vertrauen ist eine bewusste Entscheidung. Wer sich entscheidet, nicht nur das Negative in anderen Menschen zu sehen und auf den schlimmstmöglichen Ausgang zu warten, kann langsam wieder lernen, Vertrauen zu gewinnen. Natürlich gibt es keine Garantie, dass man nicht wieder verletzt wird – es kann aber ebenfalls zu positiven Erfahrungen kommen, die uns andernfalls definitiv entgehen werden. Und je mehr positive Erfahrungen wir machen, desto besser können wir einzelne negative Erlebnisse verkraften.

    Lösung: Vertrauen aufbauen

    Glücklicherweise kann Vertrauen nach schwierigen emotionalen Erlebnissen wieder aufgebaut werden. Die Basis, um anderen Menschen vertrauen zu können, ist Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten.

    Um Vertrauen aufzubauen, wird Zeit und Geduld benötigt

    Es dauert manchmal eine Weile, bis wir unser Misstrauen aufgeben und uns auf jemanden einlassen können. Oftmals wird das Vertrauen durch Krisensituationen gestärkt, wenn wir merken, dass wir uns bei Schwierigkeiten auf jemanden verlassen können. 

    Ursachen-paranoide Persönlichkeitsstörung

    Auslöser & Ursachen

    Was führt zu einer paranoiden Persönlichkeitsstörung?

    Es wird angenommen, dass für eine paranoide Persönlichkeitsstörung selten ein einziger Auslöser vorliegt – vielmehr ist es ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, das zu einer paranoiden Persönlichkeitsstörung führt.

    Zumeist ist PPD deshalb nicht die einzige Diagnose, welche die Patienten erhalten. Oftmals geht PPD mit Schizophrenie einher, PTSD, alkohol-bedingten Störungen oder weiteren Persönlichkeitsstörungen wie Borderline. 

    Mit der Angst zu vertrauen können viele andere Ängste einhergehen:

    Da unser Urvertrauen sich in der Kindheit entwickelt, ist die Angst vor Vertrauen oftmals auf Lieblosigkeit, falsche Erziehung oder verletzende Kritik in jungen Jahren zurückzuführen.

    In diesem Fall treten Symptome im frühen Erwachsenenalter auf. Doch auch im Verlauf des späteren Lebens können traumatische Erlebnisse, beispielsweise Mobbing sowie körperlicher oder emotionaler Missbrauch, unser Selbstwertgefühl und Vertrauen in die Menschen erschüttern oder sogar vollständig zerstören.

    Genetik:

    Genetische Veranlagung kann ebenfalls eine Persönlichkeits- oder Angststörung begünstigen. Des Weiteren spielt Temperament eine wichtige Rolle. Personen, die zu aggressivem Verhalten neigen, haben eine größere Wahrscheinlichkeit, PPD zu entwickeln als andere.

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    Tipps & Therapie

    Hilfe bei einer paranoiden Persönlichkeitsstörung

    Eine paranoide Persönlichkeitsstörung führt oftmals dazu, dass Menschen sich aus ihrem sozialen Leben zurückziehen.

    Rückhalt ist aber sehr wichtig, damit eigene Ängste und Unsicherheiten nicht überhandnehmen. Leider ist es Personen mit PPD nur schwer möglich, sich anderen Leuten zu öffnen und mit ihnen über ihre Sorgen zu reden, da sie davon ausgehen, die persönlichen Informationen würden gegen sie verwendet werden. Dadurch sind Betroffene oft sehr einsam und in ihrer negativen Wahrnehmung gefangen. 

    Mit Geduld und positivem Denken ist es möglich, Vertrauen wieder aufzubauen und Nähe zu lassen zu können. Im folgenden geben wir hilfreiche Tipps zur Besserung der Symptome.

    Selbstvertrauen ist entscheidend

    Um anderen vertrauen zu können, ist es zuerst nötig, dass wir uns selbst vertrauen. Wer kein Vertrauen in sich selbst, die eigenen Entscheidungen und seine Menschenkenntnis hat, wird es nicht schaffen, sich auf andere Menschen einzulassen.

    Vertrauen langsam steigern

    Um Vertrauen aufzubauen, sind Geduld und Empathie notwendig. Mit kleinen Schritten ist es möglich, andere Menschen wieder in das Leben zu integrieren.

    Einsicht als Grundlage

    Es ist wichtig, das eigene Verhalten zu hinterfragen und zu verstehen, warum man andere Menschen von sich wegstößt, um das Verhalten ändern zu können. Betroffenen, denen dies allein nicht gelingt, können sich Hilfe von einem Spezialisten besorgen.

    Profesionelle Behandlung

    Behandlungsmöglichkeiten

    Personen, die unter einer paranoiden Persönlichkeitsstörung leiden, suchen sich selten Hilfe, da sie durch ihre gestörte Wahrnehmung das Problem nicht in ihrem eigenen Verhalten, sondern dem der anderen sehen.

    Da Betroffene zudem durch ihre Angst, anderen zu vertrauen, oftmals Probleme haben, einem Arzt zu glauben, dass er ihnen helfen will, ist der Beginn einer Behandlung sehr schwierig. 

    Wenn Patienten sich dazu entscheiden, einen Spezialisten aufzusuchen, kann es helfen, wenn der Arzt anerkennt, dass das Misstrauen des Patienten gegenüber dem Behandelnden gerechtfertigt ist.

    Auch wenn dies nicht der Fall ist, kann es dennoch dabei helfen, dass der Betroffene seinem Arzt gegenüber Vertrauen entwickelt und an dessen Offenheit glaubt. 

    Kognitive Verhaltenstherapie

    Um eine paranoide Persönlichkeitsstörung und mangelndes Vertrauen zu behandeln, ist eine kognitive Verhaltenstherapie der beste Weg. Diese ermöglicht es den Patienten, ihre irrationalen Handlungsmuster und dessen Auswirkungen zu erkennen und gesündere Alternativen zu entwickeln. Dabei spielt die Umprogrammierung von vernetzten Gehirnarealen eine wichtige Rolle, die zur dauerhaften Verhaltensänderung führen kann.

    Tiergeschützte Intervention

    Auch tiergestützte Intervention kann dabei helfen, wieder Nähe zu Lebewesen zuzulassen und das tiefe Misstrauen und den Argwohn anderen gegenüber abzubauen.

    Medikamente

    In extremen Fällen können Medikamente wie Antidepressiva oder atypische Antipsychotika therapeutische Maßnahmen unterstützen, sie sollten aber nicht das erste Mittel sein.

    Hilfe suchen

    Da mit PPD viele Beeinträchtigungen des Alltagslebens sowie Stress und psychische Belastungen einhergehen können, ist eine Behandlung ratsam. Allerdings kann eine paranoide Persönlichkeitsstörung dafür sorgen, dass kein Vertrauen in Experten besteht.

    Betroffene glauben oft nicht an Diagnosen, die gestellt werden, oder daran, dass die Ärzte mit einer Behandlung nur das Beste für sie wollen. Infolgedessen kommt es häufig zu Vermeidungsverhalten und Betroffene suchen sich keine Hilfe, obwohl sie diese dringend benötigen würden. Oft verschlimmern sich Symptome allerdings, wenn sie nicht behandelt werden. 

    Wer nicht dazu in der Lage ist, einen Experten aufzusuchen, kann zunächst auf andere Hilfsangebote zurückgreifen.

    Optionen, die zur Verfügung stehen, sind beispielsweise:

    Wer sich letztendlich dazu entscheidet, einen Spezialisten aufzusuchen, kann auf vielfältige Weise die Suche nach einem geeigneten Experten beginnen. Auf unserer Webseite entsteht aktuell eine umfangreiche Liste, welche eine Übersicht über Experten zur Verfügung stellen soll, die sich auf bestimmte Phobien und Störungen spezialisiert haben.

    Bis dieses fertiggestellt ist, können über jameda.de geeignete Ärzte im Umkreis gesucht werden. Dort ist es möglich, Rezensionen zu den Experten durchzulesen, welche das Vertrauen in die richtige Wahl womöglich stärken können.

    Auch wenn der Gedanke an eine Behandlung zunächst sicherlich sehr beängstigend ist, hilft es vielleicht, sich daran zu erinnern, dass die Ärzte im Umgang mit Patienten und derartigen Problemen geschult sind und den Betroffenen helfen werden, mit ihren Ängsten und Sorgen besser umgehen zu können. 

    Therapeuten in der Nähe finden:
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      Quellen:

      1. Paranoide Persönlichkeitsstörung (PPD) Von Andrew Skodol , MD, University of Arizona College of Medicine – msdmanuals.com
      2. Wachsamer Persönlichkeitsstil und paranoide Persönlichkeitsstörung – median-kliniken.de
      3. Überall Feinde- paranoide Persönlichkeitsstörung? – sexualtherapie.online

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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