Pica-Syndrom

Dinge Essen die nicht dafür gedacht sind

Beim Pica-Syndrom handelt es sich um eine seltene Essstörung. Charakteristisch ist, dass Betroffene regelmäßig Dinge verzehren, die dafür eigentlich gar nicht geeignet sind. Beispielsweise Erde oder Papier. Wir erklären im Artikel Ursachen für das Pica-Syndrom liegen könnten, welche Auswirkungen es auf Betroffene hat und wie es behandelt werden kann.

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Das Pica-Syndrom ist eine sehr seltene Essstörung. Betroffene verzehren wiederholt Dinge, die eigentlich nicht für den Verzehr gedacht sind. Dazu zählen unter anderem Erde, Steine, Mörtel, Farbe oder Nadeln. 

    Benannt wurde das Pica-Syndrom nach der Elster. Der lateinische Name des Vogels lautet „Pica pica“. Typisch für die Elster ist, dass sie scheinbar wahllos Material für den Nestbau sammelt und dabei der Beschaffenheit keine Aufmerksamkeit schenkt. Also auch Dinge verwendet, die dafür eigentlich nicht geeignet sind.

    Da es sich beim Pikazismus um eine psychische Störung handelt, eignet sich eine Verhaltenstherapie am besten für die Behandlung. Voraussetzung dafür ist aber das Vorhandensein entsprechender geistiger Kapazitäten beim Betroffenen. Da das Pica-Syndrom oft in Zusammenhang mit anderen psychischen Krankheiten (Demenz, Schizophrenie etc.) auftritt, ist die Durchführung einer passenden Therapie in diesem Fall nicht möglich. Auch kleine Kinder und Babys – die durchaus auch an Pica leiden können – verfügen klarerweise noch nicht über das notwendige Ausmaß an geistiger Reife. Hier wird der Fokus auf Eltern und Betreuungspersonen gelegt.

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    Pica-Syndrom erklärt

    Das Pica-Syndrom ist eine sogenannte qualitative Essstörung.

    Bei dieser Art von Störung geht es nicht um die Mengen an Nahrung, die Betroffene zu sich nehmen. Charakteristisch ist die Beschaffenheit – und in der Regel handelt es sich dabei um absolut ungenießbare, teilweise sogar ekelerregende und gefährliche Dinge. Das Syndrom tritt dabei sowohl als eigenständige Störung als auch in Verbindung mit einer anders gelagerten psychischen Beeinträchtigung.

    Die Bandbreite der verzehrten Dinge ist groß. Ein kurzer Auszug:

    Einige der „Vorlieben“ beruhen sogar auf eigenständigen medizinischen Krankheitsbildern und haben einen entsprechenden Namen. Bei Eis ist von der „Pagophpagie“ die Rede, bei Fäkalien von einer „Koprophagie“. Wer gerne Holz oder Papier ist, leidet an einer „Xylophagie“, bei Lehm oder Erde ist es die „Geophagie“, bei Stärke die sogenannte „Amylophagie“. Eine mit dem Pica-Syndrom verwandte Störung ist das Ausreißen (und Essen) der eigenen Haare, in der Fachwelt bekannt als „Trichotillomanie“.

    Ein Vogel als Namensgeber

    Seinen Namen verdankt das Pica-Syndrom der Elster. Die hört im Lateinischen auf den Namen „Pica pica“. Die Elster ist bekannt dafür, wahllos Material zusammenzutragen und daraus ihr Nest zu bauen. Diese „Anspruchslosigkeit“ erinnert an Menschen, die am Pica-Syndrom erkrankt sind.

    Wie kommt es zum Pica-Syndrom?

    Die Ursachen für die Herausbildung des Pica-Syndroms können unterschiedlich sein. Meist leiden Menschen mit eingeschränkten geistigen Fähigkeiten am Pica-Syndrom, psychische Erkrankungen (Autismus, Demenz, Schizophrenie) können ebenfalls ein Auslöser sein, wie erlebte Traumata.

    Zudem wurde Pica immer wieder bei gesunden Kindern ab dem zweiten Lebensjahr sowie bei Schwangeren beobachtet.

    Dazu kommt eine markante Unterversorgung mit diversen Stoffen als möglicher Auslöser. Ist ein Eisen- oder Mineralstoffmangel beispielsweise eklatant oder besonders stark ausgeprägt, kann die Pica eine unbewusste Reaktion auf genau diesen Mangel sein. Die Wurzeln der Störung liegen somit nicht ausschließlich im psychischen Bereich, die Ursprünge lassen sich viel eher im somatischen (also im körperlichen) Bereich verorten. 

    Nicht außer Acht gelassen werden darf die soziokulturelle Komponente. Bereits in den 1980er-Jahren haben Wissenschaftler die Rolle von psychosozialem Stress in der Entstehung des Pica-Syndroms bei Kindern untersucht. Dabei haben sie Faktoren wie Misshandlungen, Vernachlässigung und die Trennung der Eltern identifiziert. 1Role of Psychosocial Stress in the Cause of Pica | journals.sagepub.com

    Diagnosekriterien für das Pica-Syndrom

    Um sicherzugehen, dass auch wirklich ein Pica-Syndrom vorliegt und vermeintliche Patienten nicht einfach nur aus Langeweile oder anderweitigen Gründen gehandelt haben, beobachtet ein Arzt den Betroffenen über einen längeren Zeitraum. 

    Damit dann auch die Diagnose „Pica“ gestellt werden kann, müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

    Leben mit Pica-Syndrom

    Im Zusammenhang mit dem Pikazismus sind besonders körperliche Beeinträchtigungen zu befürchten. Wenn es der Verdauungstrakt mit Dingen zu tun bekommt, auf die er nicht vorbereitet ist, kann das nicht nur kompliziert und schmerzhaft werden, sondern in extremen Fällen sogar zum Tod führen.

    Verdauungsstörungen

    Die größte Gefahr ist wohl die eines Darmverschlusses. Sammeln sich die nicht zum Verzehr geeigneten Stoffe im Darm, werden diese Anhäufungen immer größer – und irgendwann kann die Nahrung nicht mehr weitertransportiert werden. Es kommt zum Darmverschluss, der sich in besonders schwerwiegenden Fällen zu einem Darmdurchbruch entwickeln kann. Weniger gravierend, aber dennoch unangenehm sind Folgen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung.

    Verletzungen

    Spitze und/oder harte Gegenstände können den empfindlichen Verdauungstrakt von innen beschädigen. Gefahr besteht dabei aber nicht nur für den Darm, sondern auch für den gesamten Mund- und Rachenbereich.

    Parasitenbefall

    Wer Erde, Fäkalien oder rohe Lebensmittel zu sich nimmt, der setzt sich der Gefahr eines Parasitenbefalls aus.

    Vergiftung

    Wir nehmen tagtäglich winzige Mengen an Giftstoffen zu uns. Normalerweise ist deren Konzentration aber so niedrig, dass unser Körper problemlos damit fertig wird. Von Pikazismus Betroffene führen sich oftmals regelmäßig viel zu große Mengen an Gift- und Schadstoffen zu, die sich mit der Zeit im Körper anlagern und zu schwerwiegenden Problemen führen.

    Psyche

    Was psychische Probleme betrifft, ist eine exakte Festlegung eher schwierig. Oftmals geht das Auftreten des Symptoms ohnehin bereits mit geistigen Einschränkungen einher. Sollten sich Betroffene bewusst sein, dass sie unter dem Pica-Syndrom leiden, erzeugt dies zumindest ein Schamgefühl, was wiederum zu sozialer Isolation führt. Dadurch steigt dann allerdings der psychische Druck weiter, was durchaus zu einer Verschlechterung der Symptomatik führen kann.

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    Wie lässt sich das Pica-Syndrom behandeln?

    Bei der Wahl der richtigen Behandlungsart sind die körperliche und besonders die geistige Verfassung des Betroffenen die wichtigsten Punkte.

    Für Erwachsene ist nämlich die Verhaltenstherapie der vielversprechendste Ansatz. Die ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Patienten geistig überhaupt in der Lage sind, sich auf eine derartige Behandlung einzulassen. Leiden sie beispielsweise unter Demenz oder Schizophrenie, ist dies nicht möglich. Gleiches gilt für geistig behinderte Menschen.

    In diesem Fall sind heilpädagogische Behandlungen klar erfolgversprechender. Ziel ist in beiden Fällen die Stabilisierung der Psyche, die Pica-Symptome klingen in der Folge nach und nach ab.

    Auch Babys und Kleinkinder sind für eine Verhaltenstherapie in ihrem aktuellen Entwicklungsstadium klarerweise nicht empfänglich. Hier konzentrieren sich die Ansätze auf die Betreuung der Eltern. Sie werden für die Thematik sensibilisiert und angewiesen, im Alltag entsprechende Gegenmaßnahmen zu setzen.

    Zwar keine Behandlung des Syndroms selbst, aber zumindest eine Linderung seiner Auswirkungen: Pikazismus kann nach und nach zu Mangelerscheinungen und -erkrankungen führen. Genauen Aufschluss über die akute Lage gibt ein Blutbild. Entdeckt der behandelnde Arzt darin besorgniserregende Werte, kann er mithilfe von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln gegensteuern. Die genaue Dosierung obliegt dabei dem Arzt, eine entsprechende Therapie oder Medikamentengabe sollte niemals vom Betroffenen selbst oder seinem Umfeld initiiert werden.

    Pica-Syndrom: Die Stabilität zurückholen

    Ziel der Behandlung des Pica-Syndroms ist es, eine gewisse Stabilität in das Leben und die Psyche des Betroffenen zurückzubringen. Das geschieht meist durch eine entsprechend angepasste Verhaltenstherapie. Der Therapeut nimmt sich viel Zeit für den Patienten, führt ein in die Tiefe gehendes Gespräch und versucht, der Ursache für die Störung auf den Grund zu gehen. 

    Manchmal ist der Pikazismus zeitlich begrenzt. Eine Phase, die auch wieder endet. In anderen Fällen leiden Betroffene ihr ganzes Leben lang an den Symptomen. In beiden Fällen ist die Betreuung durch einen Spezialisten der erste Schritt hin zu einer Besserung. Wenn die Störung schon nicht ganz verschwindet, so können die Auswirkungen zumindest gedämpft werden.

    Um Ihnen bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten in Ihrer näheren Umgebung helfen zu können, verweisen wir gerne auf die Arztsuche von Jameda. Auch Online Psychologen über Apps wie Instahelp könnten bereits Hilfe geben und weitere Schritte in die Wege leiten. 

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Role of Psychosocial Stress in the Cause of Pica | journals.sagepub.com

      Fotos: Dmytro Zinkevych | Mix and Match Studio | shutterstock.com

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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