Dysmorphophobie

Angst vor Entstellung – Schönheitsdrang

Menschen mit Dysmorphophobie fühlen sich entstellt oder haben Angst vor Entstellung. Die übermäßige Sorge um das äußere Erscheinungsbild ist unabhängig davon, ob tatsächlich ein Schönheitsmakel vorliegt. Hier zeigt sich, wie fließend der Übergang von einer falschen Selbstwahrnehmung zu einer psychischen Störung ist. Wir klären über die Auslöser und Anzeichen auf, außerdem geben wir hilfreiche Tipps zur Linderung vom Schönheitsdrang und dem Gefühl hässlich zu sein

Übersicht:
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    Häufige Fragen:

    Die Dysmorphophobie ist die Angst vor der eigenen Hässlichkeit: Die Betroffenen glauben, entstellt zu sein. Diese Sichtweise ist jedoch rein subjektiv: Meistens weist ihr Äußeres keinen Makel auf.

    Wer Angst davor hat, entstellt zu sein, schämt sich für sein Aussehen. Dies führt bei den Betroffenen oft zu einem sozialen Rückzug. Durch die Komplexe kann auch das Berufsleben leiden. Teilweise führt die psychische Störung sogar zu Suizidgedanken.

    Die Angstpatienten glauben ihrer Familie und ihren Freunden oft nicht, wenn diese sagen, dass sie gut aussehen. Um die eigenen Glaubenssätze zu verändern, sind deshalb gezielte Maßnahmen nötig. Je nach Schweregrad ist eine Psychotherapie hilfreich, die mit Gesprächstherapie und kognitiver Verhaltenstherapie einhergeht.

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    Wissenswertes zur Dysmorphophobie

    Schätzungen zur Häufigkeit der Dysmorphophobie

    Experten schätzen, dass etwa 1 bis 2 Prozent der deutschen Bevölkerung unter Dysmorphophobie leidet. Der Frauenanteil ist ein wenig höher. Oft beginnt die körperdysmorphe Störung schon im Jugendalter.

    Dysmorphophobie und Zwangsstörungen

    Die Angst vor Entstellung tritt oft zusammen mit Zwangsstörungen und depressiven Symptomen auf. Der ständige Blick in den Spiegel und andere typische Verhaltensweisen ähneln klassischen Zwangsstörungen.

    Muskeldysmorphie

    Die Muskeldysmorphie ist gewissermaßen eine Unterart der Dysmorphophobie. Vor allem Männer sind davon betroffen. Bei der Muskeldysmorphie ist ebenfalls ein verzerrtes Selbstbild die Ursache. Die Betroffenen fühlen sich zu klein oder zu unsportlich. Daraus entsteht eine Art Muskelsucht, die ein exzessives Training auslöst. Besonders problematisch wird es, wenn die Betroffenen zu gesundheitsschädigenden Anabolika greifen.

    Ursachen der Dysmorphophobie

    Ausgelöst wird die Dysmorphophobie oft von mehreren Faktoren, die zusammentreffen.

    Traumatische Erlebnisse in früher Kindheit oder auch eine übervorsichtige Erziehung erhöhen die Sensibilität und schwächen das Selbstwertgefühl.

    Dazu kommen Risikofaktoren wie Mobbing in der Schule oder der Vergleich mit Influencern und anderen vermeintlichen Vorbildern.

    In den Medien scheint alles darauf hinzuweisen, dass Schönheit extrem wichtig ist. Wer durch Vernachlässigung ohnehin schon anfällig für Kritik von anderen ist, fühlt sich hässlich oder entstellt.

    Ein Pickelchen im Gesicht oder ein kleiner Bauch werden als riesiges Problem angesehen. Immer wieder steht das Aussehen im Fokus: Wer dem Schönheitsideal nicht entspricht, hat Angst, nicht gemocht zu werden.

    Biologische Ursachen

    Durch biologische Faktoren kann sich die Situation noch verschlimmern. Experten vermuten, dass bei den Angstpatienten der Serotonin-Haushalt gestört ist. Diese Erkenntnis beruht darauf, dass selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) bei der Angst vor Entstellung helfen können.

    Aufrechterhaltende Gedanken und Gewohnheiten

    Wer unter Dysmorphophobie leidet, hat oft einen Hang zum Perfektionismus in Bezug auf das eigene Erscheinungsbild. Bei kleinen Abweichungen zum subjektiven Ideal greifen die Betroffenen schon gewohnheitsmäßig zum Schminktiegel oder zu formender Kleidung. Das tägliche Styling dauert entsprechend lange, trotzdem sind die Menschen mit körperdysmorpher Störung nie hundertprozentig mit dem Resultat zufrieden. Auch Schönheits-OPs, Botox-Spritzen helfen meistens nur kurzfristig.

    In der Folge ziehen sich die Betroffenen oft von ihren sozialen Kontakten zurück. Sie glauben, dass sie sich so nicht auf der Straße zeigen dürfen. Sie fürchten sich davor, ausgelacht zu werden. Sie bleiben lieber zuhause: Nur alleine fühlen sie sich sicher.

    Dysmorphophobie und Wahn

    Wer unter der Angst vor Entstellung leidet, nimmt seinen eigenen Körper verzerrt wahr. Nach außen hin ist kein Makel zu erkennen, doch die Selbstwahrnehmung vermittelt den Betroffenen ein anderes Bild. Wenn die eigene Wahrnehmung so stark von der Realität abweicht, lässt sich dies als wahnhafte Vorstellung bezeichnen.

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    Diagnose und Anzeichen

    Ein gelegentlicher Bad-Hair-Day oder der selbstkritische Blick auf den Hüftspeck sind noch keine Anzeichen für eine Angststörung. Wer wissen möchte, ob die Sorgen um das eigene Aussehen krankhaft sind, kann sich an den nachfolgenden Symptomen für Dysmorphophobie orientieren.

    Bekannte Anzeichen:

    Symptome

    Bei Menschen mit einer körperdysmorphen Störung dreht sich alles um ihre Makel. Sie können ihre Gedanken nicht kontrollieren, sodass die Lebensqualität stark beeinträchtigt ist.

    Bekannte Symptome:

    Grundsätzlich ist es normal, unreine Haut zu überschminken oder die Haare noch einmal zu stylen, wenn die Frisur nicht gefällt. Doch bei einer ausgeprägten Dysmorphophobie kommt es ständig zu solchen Handlungen. Die Betroffenen schämen sich für ihre äußere Erscheinung, sie sind oft depressiv und hoffnungslos.

    Manchmal sind sich die Dysmorphophobiker selbst nicht bewusst, welche psychische Problematik sich hinter ihren Komplexen verbirgt. Die Symptome lassen oft keinen Rückschluss auf die zugrunde liegende Störung zu. Hier kann ein Selbsttest helfen.

    Selbsttest

    Mithilfe von spezifischen Fragen lässt sich herausfinden, ob eine Dysmorphophobie vorliegt. Die Psychologen, Psychiater und Psychotherapeuten setzen bei den diagnostischen Kriterien an:

    Schönheits-OP oder Psychotherapie?

    Wer unter Dysmorphophobie leidet, erkennt dies oft nicht. Daher gehen die Betroffenen nicht zu einem Psychotherapeuten, sondern in eine dermatologische Praxis oder zur Schönheitschirurgie. Verantwortungsbewusste Ärzte erkennen das eigentliche Problem und empfehlen den Patienten, sich in eine Psychotherapie zu begeben. Die Chirurgie kann zwar den Makel beheben, doch keinen Idealzustand herstellen und die Symptomatik behandeln.

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    Tipps zur Besserung

    Wer sich nicht schön findet, braucht oft Unterstützung von außen. Wenn die Angst vor einem äußeren Makel nicht zu groß ist, helfen entspannende Techniken. Ganz wichtig sind soziale Kontakte: Sie sorgen dafür, dass die Betroffenen sich nicht alleingelassen fühlen. Mit mehr innerer Sicherheit lässt gleichzeitig die früher so große Bedeutung des Aussehens nach.

    Entspannung und Achtsamkeit

    Durch Entspannungsübungen verbessert sich die innere Gelassenheit. Mit progressiver Muskelrelaxation, Yoga und anderen sanften Methoden wächst die Achtsamkeit - und die Gedanken um das Aussehen verlieren an Kraft.

    Sportliche Aktivitäten

    Wer Sport treibt, hat weniger Zeit, sich mit Selbstzweifeln zu plagen. Besonders wirksam ist eine Sporttherapie, die es für Gruppen und einzelne Teilnehmer gibt. Tanztherapie, therapeutisches Boxen oder eine Atem-Körpertherapie helfen dabei, den eigenen Körper unverfälscht wahrzunehmen.

    Kreativität

    Kreative Therapien helfen dabei, die eigenen Gedanken in eine neue Form zu bringen. Bei einer Kunst- und Kreativtherapie kommen eventuell Kindheitserlebnisse ans Tageslicht, die der Auslöser für die Dysmorphophobie waren. So können die Betroffenen ihre Angst überwinden und das falsche Selbstbild hinter sich lassen.

    Therapeutische Hilfe

    Sollten Tipps nicht genügen, kann auch eine therapeutische Behandlung in Betracht gezogen werden. Dabei kommen unterschiedliche Behandlungsmethoden zum Einsatz. 

    Kognitive Verhaltenstherapie

    Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine gute Methode, um das verzerrte Selbstbild zu verändern. Dabei gehen die Betroffenen gemeinsam mit dem Psychotherapeuten auf Ursachenforschung. Die Beschäftigung mit der Störung hilft dabei, die Probleme zu erkennen, die Symptome richtig zu deuten und dagegen anzukämpfen.

    Konfrontation

    Bei der Konfrontation zeigen die Angstpatienten ihren Makel, anstatt ihn zu verbergen – auch wenn das zunächst schwerfällt. Wer merkt, dass die anderen den vermeintlichen Makel gar nicht sehen, kann seine Gedanken verändern.

    Medikamente

    Begleitend zur Therapie empfehlen einige Ärzte Antidepressiva und SSRIs. Diese dienen dazu, die Symptomatik zu lindern. Medikamente können jedoch nicht das Problem selbst beheben, zudem sind Nebenwirkungen möglich.

    Hilfe finden

    Um Hilfe in Anspruch zu nehmen, können über Jameda Ärzte und Therapeuten in der näheren Umgebung gefunden werden. Alternativ kann ein Arzt auch über Online Sprechstunden konsultiert werden. Auch eine psychologische Beratung ist über das Internet möglich. 

    Übersicht:
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      Quellen:

      1. Belastungs-EKG – Wie funktioniert es? | Praxis KardioMUC
      2. Belastungs-EKG: Was es sagt und was nicht | Kardiologie.org

      Inhalt wurde verfasst von: Julia Dernbach – Medizinisch überprüft von: Thomas Hofmann

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