Angst, sich zu kratzen oder gekratzt zu werden
Die Amychophobie – also die Angst, sich selbst zu kratzen oder gekratzt zu werden – gehört zu den spezifischen Phobien. Betroffene verspüren selbst bei auftretendem Juckreiz und – in schweren Fällen sogar beim Kontakt mit Katzen und Hunden – Angstgefühle. Sie meiden deshalb alles, was Kratzer auslösen kann.
Eine Verhaltenstherapie gibt Betroffenen eine Möglichkeit an die Hand, besser mit ihrer Phobie umgehen zu lernen. Wir klären über die Kratzangst auf und geben hilfreiche Tipps zur Linderung.
- Autorin: Julia Dernbach
- Aktualisiert: 29. November 2023
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Eindeutige Ursachen für die Angst vor Kratzern sind nicht bekannt. Aus medizinischer Sicht können Genetik und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen.
Angstzustände sind das wohl auffälligste Symptom. Außerdem kann es zu weiteren Begleiterscheinungen wie Verspannungen, Zittern, Schwitzen sowie Panikattacken kommen, wenn Betroffene nur an Kratzer denken.
Eine kognitive Verhaltenstherapie kann dazu beitragen, mit der Angst besser umzugehen. Je nach Schweregrad kommen auch Medikamente infrage. In harmlosen Fällen können bereits Tipps dabei helfen, die Angst vor dem kratzen oder gekratzt zu werden, zu reduzieren.
Amychophobie in Kürze
Die Amychophobie ist eine spezifische Phobie, bei der Betroffene eine intensive Angst vor dem Kratzen oder Gekratztwerden entwickeln.
Selbst der Gedanke an Kratzer kann Unbehagen oder Panikattacken auslösen, was dazu führt, dass Personen mit dieser Phobie Situationen und Objekte meiden, die Kratzer verursachen könnten.
Die Auslöser der Amychophobie sind vielfältig, sie können genetischer Natur sein oder auf traumatischen Erfahrungen beruhen.
Symptome der Amychophobie äußern sich durch erhöhte Angstgefühle, die zu physischen Reaktionen wie erhöhter Atem- und Herzfrequenz, Zittern und Übelkeit führen können.
Behandlungsansätze variieren, aber Achtsamkeitsmeditation, Yoga und konzentrative Ablenkung können helfen, die Symptome zu lindern.
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Bedenken und Lösungen
Bedenken | Lösungen |
---|---|
Starke Angst vor dem Kratzen oder Gekratztwerden | Achtsamkeitsmeditation und Yoga-Übungen zur Linderung der Angst |
Vermeidung von Situationen und Objekten, die Kratzer verursachen könnten | Konzentration auf andere Dinge, um die Aufmerksamkeit von der Angst abzulenken |
Physische Symptome wie erhöhte Atem- und Herzfrequenz, Zittern und Übelkeit | Regelmäßige Bewegung zur Reduktion von Stress und Angst |
Angst vor Therapeuten oder professioneller Hilfe | Verwendung von Selbsthilfematerialien wie eBooks zur Überwindung der Phobie |
Merkmale der Kratzangst
- Schon der Gedanke an Kratzer kann Angstzustände auslösen.
- Betroffene, die unter Amychophobie leiden, meiden alles, was zu Kratzern führen könnte. Dazu gehören mitunter sogar Fingernägel.
Amychophobie beschreibt die Angst, sich selbst zu kratzen oder gekratzt zu werden. Nicht nur der Gedanke daran sorgt für Unbehagen, das tatsächliche Erleben kann sogar Panikattacken auslösen.
Die Furcht vor Kratzern ist mitunter so intensiv, dass alles gemieden wird, was diese verursachen kann. So besitzen Amychophobiker in der Regel keine Haustiere mit Krallen. Woher die Angst konkret kommt, ist bislang ungeklärt. Meist liegen die Ursprünge in der Kindheit oder schlechten Erfahrungen.
Auslöser einer Amychophobie
Wie bei allen anderen spezifischen Phobien gibt es auch für die Angst vor Kratzern bislang keine medizinisch bekannte Ursache. Phobien dieser Art sind meist das Ergebnis mehrerer Faktoren.
In Betracht können dabei biologische Faktoren (Genetik) oder auch Umwelteinflüsse gezogen werden. Da sich Kratzer schmerzhaft und/oder stechend anfühlen, haben Menschen meist vor den Folgen eines Kratzers Angst. Wir beleuchten die möglichen Auslöser der Angst etwas genauer.
Als genetische Faktoren gelten bereits bestehende Phobien oder psychische Erkrankungen innerhalb der Familie. Leiden die Eltern unter einer psychischen Störung, dann ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, diese an die Kinder zu übertragen. Kommt es zu einem auslösenden Ereignis, kann eine Person mit genetischer Veranlagung also eine Amychophobie entwickeln.
Nicht selten besteht bei Angststörungen ein Zusammenhang mit anderen Phobien. Es ist beispielsweise denkbar, dass Patienten, die unter Hämophobie (Angst vor Blut) oder Mysophobie (Angst vor Keimen und Viren) leiden, auch eine Amychophobie entwickeln. Denn: Wer Blut fürchtet, wird wahrscheinlich auch Kratzer fürchten.
Einige Betroffene leiden aufgrund vergangener traumatischer Ereignisse unter einer Amychophobie. Wer sich als Kind beispielsweise zu häufig gekratzt hat, entwickelt im späteren Leben möglicherweise eine Angststörung. Die durch Kratzer verursachten Schmerzen tragen dazu bei, sich davor zu fürchten. Häufig kann dies auch durch Haustiere verursacht worden sein.
Anzeichen der Amychophobie
- Betroffenen fällt es schwer, ihre Angst zu kontrollieren. Dadurch wird sie noch größer.
- Die Angst sorgt für einen Adrenalinstoß, der Betroffene in den Kampf- oder Fluchtmodus versetzt.
Ein ausgeprägtes Angstgefühl ist wohl das auffälligste Symptom der Amychophobie.
Je nach Schweregrad kann es auch zu Panikattacken kommen. Nicht selten unternehmen Betroffene jede Anstrengung, nicht in potenziell problematische Situationen zu gelangen.
Sie meiden dann sämtliche Bereiche, die den Angstzustand auslösen können. Schlimmstenfalls kann das zum Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben und zum Entstehen einer Depression führen.
- erhöhte Atemfrequenz
- erhöhter Blutdruck
- erhöhte Herzfrequenz
- Hyperventilation
- Muskelverspannungen
- Zittern
- vermehrtes Schwitzen
- Schwindelgefühle
- Erbrechen
- Übelkeit
- Migräne
Tipps gegen die Kratzangst
Bevor zu professionellen Maßnahmen der Linderung geraten wird, können Betroffene es mit einigen Tipps und Tricks gegen die Kratzangst probieren.
Menschen, die unter Stress leiden, werden nicht selten auch von Angststörungen geplagt. Eine Reduktion von Stress, basierend auf Achtsamkeitsmeditation, kann dazu beitragen, die Ängste zu lindern. Weniger Stress geht meist mit weniger Angststörungen einher.
Betroffene können lernen, sich während einer angehenden Panikattacke auf etwas anders zu konzentrieren. Dies kann beispielsweise die Atmung sein. Die Aufmerksamkeit wird dadurch weg von der Angst hin zu etwas anderem gelenkt.
Bestimmte Yoga-Übungen können Betroffenen mit Amychophobie helfen, ihre Angst zu lindern. Wer regelmäßig Yoga praktiziert, richtet seine Aufmerksamkeit auf andere Dinge. Yoga baut Stress ab und hilft unter Umständen bei der Reduktion von Ängsten.
Durch das Tragen langer Kleidung können Betroffene Kratzern von Tieren oder in der Natur vorbeugen. Solange dies nicht übertrieben wird, spricht nichts gegen etwas mehr Selbstschutz.
Es ist inzwischen bekannt, dass Koffein in großen Mengen Ängste auslösen kann. Eine hohe Konzentration erhöht die Herzfrequenz, wodurch der Körper in eine Art Kampf- und Flucht-Zustand übergeht. Wer wenig oder gar kein Koffein konsumiert, kann die Angstentwicklung deutlich verringern. Zwar wird die Angst nicht gänzlich verschwinden, aber unnötiges Leid lässt sich so reduzieren.
Bewegung ist für Herz und Kreislauf gesund. Außerdem trägt sie dazu bei, Stress zu reduzieren. Vor allem Aerobic oder Ausdauersport sorgt für die Freisetzung von Endorphinen, also körpereigenen Glückshormonen. Diese können dabei helfen, besser mit Stress und Angst umzugehen.
Therapie der Amychophobie
Da es keine konkreten Ursachen für die Angststörung gibt, gibt es auch keinerlei zielgerichtete Behandlungsansätze. Natürlich kommen aber verschiedene Behandlungsansätze infrage, welche die Symptome der Amychophobie lindern.
Mögliche Behandlungsansätze bei einer Angst vor Kratzern sind therapeutische Maßnahmen. Zeigen diese allein keine Besserung, können auch Medikamente in Frage kommen.
Durchführung einer Expositionstherapie
Eine der häufigsten Behandlungsoptionen bei Phobien ist die Expositionstherapie. Dabei wird der Patient über einen bestimmten Zeitraum immer wieder mit seiner Angst konfrontiert.
Dies kann bei einer Amychophobie zunächst in Form von Fotos mit Kratzern sein, die der Therapeut dem Patienten zeigt. Letztlich wird er den Patienten – sofern es sicher und auch ethisch vertretbar ist – direkt Kratzern aussetzen. Damit soll versucht werden, den Patienten zu desensibilisieren.
Von großer Bedeutung ist bei der Expositionstherapie aber die Erfahrung des Therapeuten. Er muss genau abwägen, wie stark er seinen Patienten der Angst aussetzen kann. Ein zu viel, aber auch ein zu wenig führt eventuell dazu, dass die Therapie erfolglos bleibt oder die Angststörung noch schlimmer wird.
Der Therapeut muss also ein besonders Gespür für die Schwere der Angststörung seines Patienten haben.
Die kognitive Verhaltenstherapie
Eine weitere, oft angewandte Behandlungsform ist die kognitive Verhaltenstherapie. Der Therapeut hilft dabei dem Patienten, herauszufinden, warum er unter der Angst leidet und sich entsprechend verhält.
Der Betroffene soll so ein Verständnis für seine Angst erlangen und bestimmte Fähigkeiten erlernen, sie selbst zu lindern. Diese Methode ist einer der häufigsten angewendeten.
Dialektisch-Behaviorale Therapie:
Die Dialektisch-Behaviorale Therapie kommt eigentlich bei Borderline-Patienten zur Anwendung. Doch auch bei Amychophobie kann sie hilfreich sein. Im Rahmen der Therapie erlernen Betroffene zahlreiche Fähigkeiten zur Bewältigung ihrer Angst.
Medikamente
Sind therapeutische Maßnahmen nicht ausreichend zur Linderung der Angst vor Kratzern, können Medikamente die Behandlung unterstützen.
- Medikamente gegen Angstzustände
- Antidepressiva
Medikamente gegen Angstzustände beugen üblicherweise Panikattacken vor. Hilfreich sind sie vor allem für Patienten mit schwerer Amychophobie, die aufgrund der Angststörung regelmäßig unter diesen Attacken leiden. Die konkrete Medikation muss mit dem behandelnden Arzt geklärt werden.
Antidepressiva helfen ebenfalls, die Symptome von Angststörungen zu lindern. Ob die Einnahme bei bestehender Amychophobie helfen kann, besprechen Betroffene am besten mit ihrem Arzt.
Hilfe finden & annehmen
Ängste können zu massiven Einschränkungen des Lebens führen. In Extremfällen ziehen sich Betroffene in sozialer Isolation zurück und kapseln sich von ihrer Umwelt ab. Im schlimmsten Fall können durch den Ruckzug auch Depressionen entstehen.
Aber: Es gibt überhaupt keinen Grund, sich für eine Amychophobie zu schämen. Ein kompetenter Therapeut hilft Betroffenen bei der Überwindung ihrer Ängste.
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Quellen:
- Pruritophobia | Phobia Wiki
Autoren, Überprüfung und Gestaltung:
Autorin: Julia Dernbach
Medizinische Überprüfung: Thomas Hofmann
Einarbeitung und Gestaltung: Matthias Wiesmeier